Rassismus-Verdacht: FC Bayern trennt sich von Jugendtrainer

FC Bayern Campus

Nach Rassismus-Vorwürfen

Rassismus-Verdacht: FC Bayern trennt sich von Jugendtrainer

Von Matthias Wolf

Der FC Bayern München trennt sich von einem Jugendtrainer, der sich in der Vergangenheit mehrfach rassistisch über Jugendspieler auf dem FC Bayern Campus geäußert haben soll.

Es war nur eine kurze Mitteilung, die der FC Bayern München am Montagabend (17.08.20) veröffentlichte, aber die hatte es in sich: Der Klub zieht Konsequenzen aus dem Rassismus-Verdacht am Nachwuchsleistungszentrum, der nun auch für den Verein mehr als nur ein Verdacht ist. "Die FC Bayern München AG und ein Nachwuchstrainer haben ihr Arbeitsverhältnis einvernehmlich aufgelöst", teilte der Klub auf seiner Homepage mit. "Dies ist das Ergebnis einer derzeit stattfindenden internen Untersuchung am Campus des FC Bayern München."

Chatverläufe mit rassistischem Inhalt

Die Trennung erfolgt eine Woche, nachdem das WDR-Hintergrundmagazin Sport inside erstmals darüber berichtet hatte, dass sich der leitende Mitarbeiter am Campus in einer internen Chatgruppe mit anderen Trainern und Scouts des Vereins mehrfach rassistisch geäußert hat. Seitdem zog der Vorgang medial große Kreise. Der belastete Trainer soll die Vorwürfe nun gegenüber dem FC Bayern weitgehend eingeräumt haben. An der Echtheit der Sport inside vorliegenden Chat-Dokumente mit teilweise massivem Rassismus gibt es nun offenbar auch für den Verein keinen Zweifel mehr.

Die Kürze der Mitteilung zeigt auch: Der Verein wollte ein erstes Signal senden und zeigen, wie wichtig ihm das Thema ist. Damit ist der Fall aber noch nicht beendet. Die hausinternen Ermittlungen gehen auch nach der Trennung von dem Trainer weiter. "Unabhängig davon werden die zugrundeliegenden Sachverhalte von der FC Bayern München AG weiter untersucht", hieß es in der Mitteilung des Klubs.

FC Bayern befragt weitere Mitarbeiter

Die Untersuchungen werden längst auch von der Führungsriege um Präsident Herbert Hainer und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge begleitet. Selbst in Portugal, wo der FC Bayern derzeit das Champions-League-Finalturnier bestreitet, wird das Thema viel diskutiert. Und daheim in München werden auch in diesen Tagen weiter ehemalige und noch aktuelle Trainer am Bayern-Campus von der Rechtsabteilung des Vereins befragt. Sie müssen sich nun ebenfalls erklären.

Es geht um zentrale Fragen, die auch Sport inside mehrfach aufgeworfen hat: Wer hat den Mitarbeiter über Jahre gedeckt? Wer ist Teil seines "Machtsystems", das es laut Eltern und Mitarbeitern des FC Bayern auf dem Campus gegeben haben soll? Von einem "Klima der Angst" und einem "Geschwür, das der Verein entfernen muss", war in diesem Zusammenhang die Rede.

Stand: 17.08.2020, 19:20

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