"FC Bayern möchte kritische Stimmen mundtot machen"

Protest der Bayern-Fans gegen das Trainingslager in Katar

Hausverbot gegen einzelnen Fan

"FC Bayern möchte kritische Stimmen mundtot machen"

Von Benjamin Best

Ein Fanvertreter kritisiert gegenüber der Sportschau das Hausverbot des FC Bayern München gegen ein Mitglied der Gruppe "Munich’s Red Pride". Das schiebe dem Dialog zwischen Verein und aktiven Fangruppen "einen Riegel vor".

Der Konflikt zwischen dem FC Bayern München und seinen aktiven Fangruppen hat sich nach den "Hurensohn"- Bannern in Hoffenheim noch einmal deutlich verschärft. Ein Sprecher des "Club Nr. 12", dem Dachverband der aktiven Bayern-Fans, hält das vergangenen Woche bekannt gewordene Hausverbot, das der Verein gegen einen Fan ausgesprochen hat, für "deutlich über das Ziel hinausgeschossen".

Nach den Vorfällen in Hoffenheim hatte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge die eigenen Ultras scharf kritisiert. Man habe "viel zu viel gestattet", und nun müsse ein "Umdenken" stattfinden. Als Reaktion wurde eine vereinsinterne Kommission gegründet, die sich mit den Vorkommnissen in Hoffenheim beschäftigen und Maßnahmen erarbeiten sollte.

Harmloses Banner – harte Strafe

Für ein vergleichsweise harmloses Banner wurde nun ein einzelner Fan der Gruppe "Munich’s Red Pride" hart bestraft. In einem Schreiben, datiert vom 11. März 2020, zehn Tage nach den Vorfällen in Hoffenheim, wird dem Fan seine drastische Strafe mitgeteilt. Mit den Aktionen in Hoffenheim hatte die Fangruppe nichts zu tun.

Bayern-Fans präsentieren Banner gegen Montagspiele

Auslöser für das Hausverbot ist ein Banner der Fan-Gruppe "Munich’s Red Pride" mit der Aufschrift: "Bayern-Amateure gegen Montagsspiele", das im Rahmen des Drittligaspiels FC Bayern Amateure gegen den Halleschen FC (17.02.2020) entrollt wurde. Die Partie fand an einem Montag statt, einem Termin, der seit Jahren immer wieder von vielen Fanszenen im gesamten Bundesgebiet kritisiert wurde.

Hausverbot unbefristet

Kopie des Schreibens mit Hausverbot für Fan des FC Bayern

Das Hausverbot ist radikal. Es gilt unbefristet sowohl für alle Heimspiele der Bundesliga, als auch der Amateurmannschaft. Für das Nachwuchsleistungszentrum FC-Bayern-Campus und die Geschäftsstelle des Rekordmeisters an der Säbener Straße.

Fan hatte Katar-kritische Podiumsdiskussion organisiert

Das Vorgehen des Vereins lässt Raum für Spekulationen. Der betroffene Fan hatte sich in der Vergangenheit mehrmals kritisch zur Vereinspolitik und dem Sponsor Katar geäußert. Auf einer Podiumsdiskussion zum Thema Katar und Bayern im Januar in München hielt er den Eröffnungsvortrag. Im vergangenen November hatte der Verein einen Antrag, die Vereinssatzung um ein Bekenntnis zu Menschenrechten zu erweitern, im Vorfeld der Jahreshauptversammlung abgelehnt.

In der aktiven Fanszene des FC Bayern ist die Intention des Vereins klar: Kritische Fans sollen ausgesperrt werden. "Meiner Meinung nach ist die Begründung fadenscheinig. Ohne die Katar-Kritik oder andere Banner hätte es diese Strafe nicht gegeben. Die Botschaft ist klar: Der Verein möchte kritische Stimmen mundtot machen", erklärt der Sprecher vom "Club Nr. 12".

Keine Stellungnahme vom FC Bayern München

Einen Fragenkatalog von sportschau.de ließ der Verein unbeantwortet, so auch die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen Hausverbot und dem Thema Katar gibt. Nach den Statuten des Vereins müssen auch Spruchbänder, die durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt sind, vorab genehmigt werden. Kritische Banner der Bayern-Fans, etwa gegen die Geschäftsbeziehungen des Vereins mit dem Emirat Katar, wurden aber in  der Vergangenheit auch ohne Genehmigung in der Kurve gezeigt und vom Verein stillschweigend akzeptiert.

Der Rechtsanwalt des beschuldigten Fans, Dr. Andreas Hüttl, erklärte gegenüber sportschau.de, dass er "keine rechtliche Grundlage" für das Hausverbot sehe, und dass er dem Verein eine Zwei-Wochen-Frist gegeben hat, mit der Aufforderung, das Verbot "umgehend wieder aufzuheben".

(Aus Gründen des Quellenschutzes verzichtet die Redaktion auf die Namensnennung des Sprechers vom "Club Nr. 12". Der Club versteht sich als unabhängiger Zusammenschluss der aktiven Fans des FC Bayern München, Anm. d. Red.)

Disclaimer: Der Autor war Teilnehmer der Podiumsdiskussion "Katar, Menschenrechte und der FC Bayern – Hand auf, Mund zu?"

Stand: 30.03.2020, 13:56

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