FC Bayern - Kovac ist nicht das Problem

Niko Kovac

Krise in München

FC Bayern - Kovac ist nicht das Problem

Von Michael Ostermann

Die Tage von Niko Kovac als Trainer des FC Bayern München sind offenbar gezählt. Doch auch ein neuer Coach müsste mit den grundsätzlichen strukturellen Problemen innerhalb der Mannschaft klarkommen.

Es herrscht republikweit große Einigkeit: Die Probleme des FC Bayern werden sich durch einen Trainerwechsel nicht lösen lassen. Die Münchener befinden sich in einer tiefgreifenden strukturellen Krise.

Die Mannschaft ist überaltert und satt. Kein Trainer - so die Analyse der meisten Beobachter des Klubs - könnte dieses Team zurückverwandeln in eine titelhungrige, feurige Gruppe, die die Bundesliga geschweige denn die Champions League offensiv in Angst und Schrecken versetzt und defensiv eine Autorität besitzt, die gegnerische Angreifer schon vor dem Anpfiff resignieren lässt.

Jobgarantie bis Dienstag

Für den aktuellen Bayern-Trainer Niko Kovac ist dieser Befund dennoch keine Hilfe. Kovacs Tage in München sind gezählt. Eine Jobgarantie erhielt er nach dem peinlichen 3:3 gegen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf nur noch bis zum Champions-League-Spiel gegen Benfica Lissabon.

Das zumindest ist die allgemeine Interpretation der Aussagen von Klubpräsident Uli Hoeneß am Samstag. "Wir spielen am Dienstag gegen Benfica, und da wird unser Trainer sicherlich Niko Kovac sein", hatte Hoeneß dort erklärt. Danach werde man eine interne Analyse durchführen, um zu sehen, wo man denn gerade stehe.

Uli Hoeneß: "Wir müssen alles hinterfragen"

Sportschau | 26.11.2018 | 01:43 Min.

Es ist schwer vorstellbar, dass diese Analyse angesichts von mittlerweile neun Punkten Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund ergibt, dass Kovac weitermachen darf.

Während der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Benfica ging der Trainer auch auf die Diskussion um seine Person ein: "Ich war mein ganzes Leben ein Kämpfer. Zurückstecken, aufgeben, die weiße Flagge hissen, gibt es in meinem Wortschatz nicht. Ich schaue immer nach vorne und werde immer kämpfen." Angst um seinen Arbeitsplatz habe er nicht, so Kovac: "Warum sollte ich? Ich bin immer positiv gestimmt."

Fortuna-Coach Funkel kritisiert Bayerns Innenverteidiger

Der 47 Jahre alte Kovac hatte schon am Wochenende externe Unterstützung erhalten. Etwa von Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel, der es sich nicht nehmen ließ, das Abwehrverhalten von Münchens Innenverteidiger Jérôme Boateng vor dem Ausgleichstreffer der Fortuna zum 3:3 zu kritisieren.

"Da kann kein Trainer der Welt etwas für, wenn Boateng auf Abseits spielt, nur weil er zu bequem ist, hinterherzurennen. Da geht er zwei Schritte nach vorne und will dem Laufduell mit Lukebakio aus dem Weg gehen. Einem solchen Weltklasse-Spieler darf so etwas nicht passieren", stellte Funkel fest, um gleich auch noch den Verlust der Grundschnelligkeit aller Münchener Innenverteidiger von Boateng über Mats Hummels bis hin zu Niklas Süle zu konstatieren und deren Stellungsspiel zu bemängeln.

Versäumnisse der Klub-Führung

Zur Hilfe eilte Kovac auch Fredi Bobic. Der Sportdirektor von Eintracht Frankfurt, bei der Kovac bis zu seinem Wechsel nach München tätig war, betonte am Sonntag (25.11.18) in einer TV-Talkshow: "Ihn als einziges Problem hinzustellen, das sehe ich komplett anders. Ein neuer Trainer hin oder her: Was soll der erstmal besser machen?"

Das ist eine Frage, die sich auch die Bayern-Bosse stellen dürften, zumal auch sie Kovac nicht alleine für die Krise verantwortlich machen. Bei der internen Analyse werden sie auch ihren eigenen Anteil an der Krise in den Blick nehmen. Sie haben es versäumt, den nötigen Umbruch in der Mannschaft einzuleiten.

Dass die Mannschaft dringend eine Auffrischung brauchte, war eigentlich nicht zu übersehen. Denn selbst unter Jupp Heynckes, der das Team in der vergangenen Saison noch einmal aus seiner Lethargie reißen konnte, fiel die Mannschaft nach dem Aus im Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid auseinander.

Aber statt dem neuen Trainer einen aufgefrischten Kader hinzustellen, reduzierten die Klubchefs die Zahl der Spieler, verzichteten weitgehend auf Neuverpflichtungen und verlängerten stattdessen die Verträge mit den alternden Flügeln Arjen Robben und Franck Ribéry.

Hasenhüttl und Zidane als Kandidaten

Die Spieler, so heißt es, rücken bereits vom Trainer ab. Große Teile der Mannschaft hätten sich nach der Partie in der Kabine gegen Kovac ausgesprochen - als dieser gerade nicht im Raum war, berichtete die "Bild"-Zeitung.

Hoeneß hatte jedoch betont: "Wir werden sicherlich nicht die Kabine benutzen, um die Mannschaft nach dem Trainer zu fragen." Die Meinung der Profis werde aber "selbstverständlich" gehört. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" ist das zuletzt bereits in aller gebotenen Diskretion geschehen.

Bleibt allerdings die Frage, was ein neuer Trainer besser machen könnte als Kovac. Und vor allem: wer? Viele Kandidaten gibt es derzeit nicht. Dem in München wohnenden Ralph Hasenhüttl fehlt wie Kovac die Erfahrung auf dem bei Bayern verlangten Niveau. Es ist daher fraglich, ob sich Hoeneß, der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic auf diese Variante einlassen.

Wenger als wahrscheinlichste Option

Der "Kicker" bringt den Franzosen Zinédine Zidane ins Spiel, dessen Name im Zusammenhang mit dem FC Bayern immer wieder falle. Zidane dürfte sich allerdings ganz genau überlegen, ob er eine Mannschaft übernimmt, die ihre besten Tage bereits hinter sich hat.

Am wahrscheinlichsten gilt deshalb wohl die dritte mögliche Option: Der Franzose Arsène Wenger soll nach Informationen der "Bild" einer der Top-Kandidaten in München sein. Für Wenger spricht die internationale Erfahrung. Allerdings war der 69-Jährige, der 20 Jahre lang die Geschicke des FC Arsenal bestimmte, dort zuletzt auch nicht gerade als Innovator aufgefallen.

Wenger wäre eine Art Heynckes-2.0-Lösung. Diese könnte dem FC Bayern die Saison vielleicht noch retten. In die Zukunft weisen würde eine Verpflichtung Wengers allerdings nicht. Aber darüber, dass ein Trainerwechsel die Probleme des FC Bayern nicht lösen wird, besteht ja Einigkeit.

Stand: 26.11.2018, 16:21

Darstellung: