Schalke-Fans kündigen Protest an: "Wir sind kein Schlachthof!“

Die Fans von Schalke 04

Menschenkette rund um die Arena geplant

Schalke-Fans kündigen Protest an: "Wir sind kein Schlachthof!“

Von Uwe Dietz (Gelsenkirchen)

Die Reihe der Negativ-Schlagzeilen um den FC Schalke wirkt endlos, spätestens seit Beginn der Corona-Krise. Jetzt sind die treuen Anhänger des Traditionsklubs mit ihrer Geduld am Ende. Verschiedene Fanorganisationen rufen alle Mitglieder und Freunde des Vereins zu einer Menschenkette rund um die Schalke-Arena auf.

Am Samstag (27.06.2020) zur besten Bundesligazeit zwischen 15.30 Uhr und 17.15 Uhr wollen die Fanklubs ein sichtbares Zeichen setzen. Das Motto der Demo: "Schalke ist kein Schlachthof! Gegen die Zerlegung unseres Vereins!“

Mannschaftsleistung spielt gar keine Rolle

Natürlich ist dieser Titel auch eine Anspielung auf die aktuellen Debatten um den Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies. Der Skandal um den Fleischmogul aus Rheda-Wiedenbrück, der angesichts der inzwischen weit über 1.000 Corona-infizierten Mitarbeiter in seinem Betrieb schwer unter Beschuss steht, setzt den zahlreichen internen Auseinandersetzungen und externen Problemen nach Meinungen vieler Schalke-Fans die "Krone auf“.

Dabei geht es so gut wie gar nicht um die desolaten Vorstellungen der Mannschaft, die seit 15 Spielen nicht mehr gewonnen hat und hinter Paderborn die zweitschlechteste Rückrundenmannschaft ist.

"Woche für Woche der Lächerlichkeit preisgeben"

In einem offenen Brief kritisieren die Ultras Gelsenkirchen, die sich wie andere Fangruppen mit öffentlicher Kritik zuletzt bewusst zurückgehalten hatten, die zahlreichen "Missstände und Fehlentscheidungen. Selten hat unser Verein ein katastrophaleres Bild abgegeben als in dieser Spielzeit". Sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat hätten sich in jüngster Vergangenheit mehr als einen Fehltritt geleistet. Die Gremien und Vereinsverantwortlichen seien es, "die unseren Verein Woche für Woche der Lächerlichkeit preisgeben und jeglichen Kontakt zur Gelsenkirchener Realität verloren zu haben scheinen".

Die Schalke-Fans können nach eigener Aussage nicht verstehen, dass "ausgerechnet der große und finanzstarke FC Schalke mit 275 Millionen Euro Jahresumsatz nach nur wenigen Tagen Bundesliga-Pause von Existenzängsten" sprach. Vom eigenen Versagen immer wieder durch Ausgliederungs-Diskussionen ablenken zu wollen, sei dreist und angesichts der zur Verfügung stehenden Mittel "eine Frechheit".

Härtefallregelung kommt gar nicht gut an

Ähnlich abgestraft wird in dem Brief auch die "Härtefallregelung", nach der Mitglieder offenlegen sollten, warum sie nicht auf die Rückzahlung der Preise für ihre Tickets verzichten können. Dass langjährige Busfahrer der Jugendabteilung, die für 450 Euro arbeiten, entlassen wurden, zeige, dass die Verantwortlichen in einer "anderen Realität leben [...] und dass weder der Betriebsrat noch das Integrationsamt darüber im Vorfeld informiert wurden, ist blanker Dilettantismus."

Für die Schalker Fans sind dies genügend Gründe, um am letzten Bundesliga-Spieltag zu demonstrieren. "Natürlich unter strenger Einhaltung der Hygiene-Bestimmungen“, sagte Susanne Franke von der Schalker Faninitiative gegenüber der ARD-Sportschau. "Aber wir wollen uns diesen Verein nicht nehmen und nicht zerstören lassen. Das werden wir am Samstag deutlich machen." 

Stand: 22.06.2020, 21:37

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