Nach Zaun-Party bei Union - Sorge vor Nachahmern

Unterstützung vor dem Stadion - Union-Fans machen Stimmung Sportschau 07.06.2020 00:32 Min. Verfügbar bis 07.06.2021 Das Erste

Beim Spiel der Berliner gegen Schalke

Nach Zaun-Party bei Union - Sorge vor Nachahmern

Etwa 30 Fans des 1. FC Union Berlin haben ihre Mannschaft beim Spiel gegen Schalke am Stadion unterstützt und die Spieler auf dem Zaun gefeiert. Verein und Polizei sahen keinen Verstoß gegen das Hygienekonzept, doch es gibt Kritik aus der Fanszene.

Die Berliner "Zaun-Party" war nur kurz und alles andere als heftig - und trotzdem dürfte sie den Verantwortlichen in der Bundesliga Bauchschmerzen bereitet haben. Nachdem rund 30 Union-Fans ihre Mannschaft vor dem Stadion "Alte Försterei" beim Heimspiel gegen Schalke 04 angefeuert hatten und im Anschluss mit einem Besuch der Profis am Stadionzaun belohnt wurden, fürchten Vertreter aus der Fanszene nun einen Nachahmungseffekt.

"Die Gefahr besteht auf jeden Fall. Heute sind es 30, morgen 300 und übermorgen 3.000", sagte Sig Zelt, Sprecher von "ProFans", dem Sport-Informations-Dienst (SID): "Die Fanklubs werden jetzt auf ihre Mitglieder zugehen und Einfluss nehmen, damit das keine Nachahmer findet."

Vor allem im Saisonendspurt mit bedeutenden Entscheidungen könnten Fans eventuell ihre bisherige Zurückhaltung aufgeben und - entgegen der Bitten der Klubs - doch zum Stadion pilgern. Sprecher Rainer Vollmer vom Bündnis "Unsere Kurve" geht aber davon aus, dass sich zumindest die organisierten Fangruppen weiterhin "an den Kodex halten". Bislang hätten sich die Anhänger bei den Geisterspielen "sehr diszipliniert" verhalten, so Vollmer. Er bewertet die Vorkommnisse bei Union daher als "Einzelfall", der "keine Nachahmer" finden werde.

Was aber, wenn es nicht bei der überschaubaren Größe bleibt? Die Deutsche Fußball Liga (DFL) wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Vorfall am Union-Stadion äußern. Mit einer Strafe muss Union wohl nicht rechnen, und das, obwohl die Deutsche Fußball Liga (DFL) und die 36 in ihr organisierten Klubs Menschenansammlungen rund um die nahezu leeren Stadien während der Bundesligaspiele eigentlich unbedingt verhindern wollten.

"Es gab keine Beanstandung von irgendeiner Seite", sagte Unions Pressechef Christian Arbeit. "Die Polizei war anwesend und hat keine Platzverweise ausgesprochen." Das bestätigte die Polizei am Montag (08.06.2020). Eine mögliche Aufstockung der Einsatzkräfte beim nächsten Heimspiel des Bundesliga-Aufsteigers gegen den SC Paderborn am 16. Juni schloss ein Polizeisprecher aber nicht aus. "Das ziehen wir in Betracht. Es gibt eine fortdauernde Lagebewertung", hieß es auf Anfrage.

Union-Fans vor dem Stadion: Ein Verstoß gegen das DFL-Konzept?

Sportschau 08.06.2020 02:11 Min. Verfügbar bis 08.06.2021 ARD Von Holger Dahl

Beim ersten Geisterspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Köln waren die Gladbacher Spieler scharf kritisiert worden, nachdem sie von der Tribüne aus mit den vor dem Stadion jubelnden Fans gefeiert hatten.

Auch die Berliner Profis ließen sich nach dem 1:1 gegen Schalke aus der Ferne, aber mit Sichtkontakt feiern. Die Rufe und Gesänge der Anhänger aus dem Wald an der Arena waren schon während der gesamten Partie im leeren Stadion deutlich zu hören.

Schon beim Führungstreffer durch Robert Andrich (11. Minute) war Jubel aufgebrandet. Nach dem Schlusspfiff forderten die Fans: "Wir wollen die Mannschaft sehen."

"Überragend und in der Zeit mal richtig schön"

Fans von Union Berlin feuern ihr Team aus dem Wald an

Sportschau 07.06.2020 00:21 Min. Verfügbar bis 07.06.2021 ARD

Torwart Rafal Gikiewicz sowie mehrere seiner Kollegen gingen daraufhin vom Rasen zu einem Zaun, der die Arena begrenzt, kletterten auf Holztische und freuten sich kurz mit ihren Anhängern hinter dem mit Union-Plakaten zugehängten Zaun. "Das ist natürlich überragend und in der Zeit mal richtig schön", sagte Torschütze Andrich.

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Pressechef Arbeit betonte: "Sie sind nicht den Fans nahegekommen. Es entsprach den Regeln der Distanzhaltung. Es ist alles korrekt gewesen."

red/dpa

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