Fan-Initiative "Unser Fußball" macht Druck auf DFL und DFB

Die Dortmunder Tribüne im Signal Iduna Park

Fußball-Bundesliga

Fan-Initiative "Unser Fußball" macht Druck auf DFL und DFB

Von Thorsten Poppe

Mehr als 1.500 Fanklubs und Fanorganisationen gehören dem neuen Bündnis "Unser Fußball" an. Sie fordern einen nachhaltigeren Fußball, der sich mehr an der Basis orientiert. Damit nutzt die Initiative die aktuell defensive Position der Bundesliga, um sie verstärkt unter Druck zu setzen.

Der Zeitpunkt ist clever gewählt. Mit großer Wucht hat die Initiative "Unser Fußball" die Deutsche Fußball-Liga (DFL) und den Deutschen Fußball-Bund (DFB) getroffen. Als "Unser Fußball" Ende Juni seine Kampagnenseite für einen nachhaltigeren und basisorientierten Profi-Fußball online schaltete, haben diesen Aufruf schon etwas mehr als 1.000 Fanklubs von Vereinen unterzeichnet, die von der Bundesliga bis runter in die Regionalligen reichen.

Große Resonanz auf Kampagne "Unser Fußball"

Eine Woche später hat sich diese Zahl schon auf 2.000 verdoppelt, dazu kommen noch über 10.000 Einzelpersonen und alle großen, bundesweiten Fanverbände wie "Unsere Kurve", "Pro Fans" oder auch das "Bündnis Aktiver Fußballfans" (B.A.F.F.). Dies alles geschieht zu einem Moment, in dem DFL und DFB ausschließlich defensiv agieren können. Weil mit der Wiederaufnahme der Bundesliga mitten in der Corona-Pandemie eine Sonderrolle des Fußballs hierzulande nicht mehr wegzudiskutieren gewesen ist.

Einer der Initiatoren ist Fußball-Anhänger Manuel Gaber aus Freiburg. Der 27jährige fordert als Co-Organisator von "Unser Fußball" einen grundlegenden Wandel des Profi-Fußballs. "Wir wollen, dass die Schere zwischen großen und kleinen Vereinen nicht automatisch immer größer wird. Sondern wollen, dass die Schere wieder weiter zusammengeht. Zum Beispiel durch eine gleichmäßige Verteilung der TV-Gelder. Oder durch die Einführung eines nationalen Financial Fairplays", sagt Gaber.

Manuel Gaber, Co-Initiator "Unser Fußball": Wir wollen, dass "Unser Fußball" gesellschaftliches Vorbild ist Sportschau 01.07.2020 00:39 Min. Verfügbar bis 01.07.2021 Das Erste

Erfolgreiche Fan-Kampagne bei 50+1-Regel

Der 27jährige hat schon einmal den deutschen Fußball entscheidend beeinflusst. Als er mit der Initiative "50plus1" für den Erhalt der viel diskutierten Regel kämpfte und dafür der DFL sogar über 3.000 Unterschriften von Fanklubs und Fanorganisatoren persönlich überreichte. Mit Erfolg übrigens.

In der nach der Übergabe stattfindenden DFL-Sitzung stimmten die Vereine für den grundsätzlichen Erhalt der 50plus1-Regel, die besagt, dass sich die Mehrheit der Anteile eines Vereins in den Händen seiner Mitglieder befinden muss. Mit dieser Erfahrung im Gepäck nutzte Manuel Gaber in der Coronapause der Bundesliga seine Kontakte, um "Unser Fußball" zu initiieren. Auch weil für die initiative die Anhänger viel zu kurz kommen: "Fans müssen als elementarer Bestandteil des Fußballs begriffen werden. Und da wollen wir eben, dass Fankultur gefördert wird und es eben auch Mitbestimmungsrechte gibt."

Manuel Gaber, Fan-Initative "Unser Fußball": "Fans müssen als elementarer Bestandteil des Fußballs begriffen werden" Sportschau 01.07.2020 00:20 Min. Verfügbar bis 01.07.2021 Das Erste

DFL und DFB reagieren

Zum Vorstoß von "Unser Fußball" antwortet die Deutsche Fußball-Liga DFL prompt über ihre Kanäle in den sozialen Medien. Sie halte Dialog auf allen Ebenen für unverzichtbar, und schreibt in einem Statement am 24. Juni: "Auch die DFL hält Gespräche über Veränderungen im deutschen Fußball für notwendig. Hierfür wird es spätestens ab September eine "Task-Force Zukunft Profi-Fußball unter Beteiligung unterschiedlichster Akteure, darunter auch Fanvertreter, geben. Unabhängig davon ist stetiger Dialog auf allen Ebenen unverzichtbar – insbesondere zwischen den Clubs und ihren jeweiligen Fan-Szenen."

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Auch der DFB reagiert am selben auf Anfrage, und kann es sehr gut nachvollziehen, dass sich Fans Gedanken über die Zukunft des Profifußballs und der Klubs machen: "Diese Überlegungen müssen Verbände und Vereine ernst nehmen. Deswegen steht der DFB gemeinsam mit der DFL im stetigen Austausch mit verschiedenen bundesweiten Fanorganisationen, unter anderem in der AG Fankulturen. DFB-Präsident Fritz Keller hat zuletzt in seinem Fünf-Punkte-Plan einen breiten Dialog im Sinne der Nachhaltigkeit im Fußball zu führen und dabei Fans als wichtigen Teil des Fußballs explizit einbezogen." 

5-Punkte-Plan des DFB als Basis?

Der 5-Punkte-Plan des DFB sieht unter anderem Gehaltsobergrenzen und eine sinnvolle Regulierung des Profi-Fußballs vor. Aber auch das so genannte "Enkeldenken" soll Einzug in den bezahlten Fußball finden, das heißt laut DFB, dass gute Unternehmensführung insbesondere das Denken in langfristigen Perspektiven bedeute und nicht nur von Saison zu Saison.

Für die Initiative "Unser Fußball und Co-Organisator Manuel Gaber ein erster Schritt in die richtige Richtung. Das Bündnis möchte aber von Anfang an diese Punkte mitdiskutieren. Das eben nicht nur in einer untergeordneten Gesprächsrunde wie der AG Fankulturen, in der zwar DFB- und DFL-Mitarbeiter mit den Anhängern diskutieren, aber nicht die Entscheidungsträger im deutschen Profi-Fußball. Dieses Konstrukt der AG Fankulturen würde auch bei den Anhängern kontrovers diskutiert, sei aber für die kommende Diskussion auch überholt, meint Gaber.

Manuel Gaber, Fan-Initative "Unser Fußball": "Die Zeit für grundlegende Reformen ist gekommen" Sportschau 01.07.2020 00:38 Min. Verfügbar bis 01.07.2021 Das Erste

Fans nicht zu überhören!

Die Fans lassen mit ihrer neuen Initiative aufhorchen. Auch weil sie sachlich vorgetragen wird, und dabei argumentativ die Punkte aufnimmt, die während der Corona-Pandemie landauf, landab diskutiert worden sind. Zum Beispiel faire Rahmenbedingungen für einen fairen Wettbewerb, oder ein wirtschaftlich nachhaltigeres Agieren der Vereine zu fordern.

Das haben mittlerweile nicht nur die Fans erkannt, sondern weite Teile der Gesellschaft hierzulande. Deshalb besitzt das Bündnis enormen Rückenwind, um diese Forderungen, die eigentlich schon vor der Pandemie immer wieder seitens der Kurven angeprangert worden sind, auch durchsetzen zu können. Darüber ist sich auch Manuel Gaber bewusst: "Ich glaube, es ist ein sehr deutliches Zeichen, dass es so eine mächtige Stimme ist, die nicht mehr überhört werden kann."

Manuel Gaber, Initiative „Unser Fussball“: "Breite Mehrheit der Fan-Basis will Veränderungen" Sportschau 01.07.2020 00:31 Min. Verfügbar bis 01.07.2021 Das Erste

Die Fans nutzen die erstmals seit Jahren schwache Position von DFL und DFB aus, um ihr Anliegen sachlich und argumentativ für einen basisorientierten Fußball mit und für Fans mit Nachdruck deutlich zu machen. Der Druck auf DFL und DFB, den Fußball völlig neu aufzustellen, erhöht sich somit auch von dieser Seite.

Stand: 01.07.2020, 10:39

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