Neue Geldquelle: Fußballklubs verdienen am Krypto-Hype mit

Bitcoin und die Wappen der Klubs FC Barcelon, Juventus Turin, AS Rom

BVB bringt nun doch keinen Fan-Token raus

Neue Geldquelle: Fußballklubs verdienen am Krypto-Hype mit

Von Niklas Schenk

Der Wert des Bitcoin hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verzehnfacht. Nun haben auch der FC Barcelona oder Juventus Turin eigene Kryptowährungen. Fans sollen so mehr Mitspracherechte haben. Bei Borussia Dortmund sind die Pläne nach massiver Kritik vom Tisch.

Vor einem Jahr rutschten die Börsen weltweit ab, die Kurse sanken angesichts der Corona-Pandemie dramatisch. Seitdem hat sich die Wirtschaft bemerkenswert erholt, der Dax steht auf Rekordniveau. Das alles ist aber noch kein Vergleich zum Bitcoin, der größten Kryptowährung: Die war im März 2020 spektakulär auf unter 4.000 Dollar abgestürzt, hat seitdem aber eine unheimliche Wertentwicklung auf knapp 60.000 Dollar genommen.

Der Hype um Kryptowährungen ist aktuell wieder groß – und er kommt nun auch im Sport an. Immer mehr Fußballvereine entdecken die digitalen Währungen für sich und bringen sogenannte Fan-Token an die Börsen. Fans können sich die Token kaufen und damit handeln. Ein hochspekulatives und sehr volatiles Investment. Gleichzeitig versprechen die teilnehmenden Fußballvereine den Haltern ihrer Fan-Token aber auch, mehr Mitsprache im Verein zu erhalten.

Bitcoin-Rally geht weiter - Beginn einer neuen Phase?

WDR 5 Profit - aktuell 09.02.2021 02:51 Min. Verfügbar bis 09.02.2022 WDR 5


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Juventus-Fans dürfen über die Torhymne abstimmen

Der FC Barcelona, mit einem Wert von über 40 Dollar je Fan-Token klarer Spitzenreiter unter den Fußballvereinen im Kryptogeschäft, ließ darüber abstimmen, welches Kunstwerk in der Umkleidekabine im Camp Nou hängen soll. Bei Juventus Turin durften Inhaber von Fan-Token aussuchen, welcher Song bei einem erzielten Tor im Stadion abgespielt werden soll.

Ein Marketinggag, der den Vereinen gleichzeitig gutes Geld bringt? Oder ein Weg mit neuen digitalen Möglichkeiten, die Fans stärker in die Zukunft ihrer Vereine einzubeziehen?

Barcelona verdiente eine Million in zwei Stunden

Klar ist: Die Kryptobörsen und Fußballvereine verdienen gut an dem Geschäft. Der FC Barcelona nahm mit dem Verkauf seiner Fan-Token innerhalb einer Stunde mehr als eine Million US-Dollar ein. Der weltweit größten Kryptobörse "Binance" bringt der Deal neue Kunden, sie verdienen außerdem an einer Gebühr, die pro Kauf eines Tokens fällig wird.

Das Grundprinzip von Kryptowährungen beruht auf einer Blockchain, einer öffentlichen Datenbank. "Chain", das englische Wort für Kette, steht dafür, dass die verschiedenen Transaktionen, die in einer Währung getätigt werden, chronologisch als Kettenglieder aneinandergereiht werden. Die Blockchain wird von allen Haltern automatisch überprüft und nicht von einem Vermittler wie einer Bank, die sonst bei einer Überweisung prüft, ob das Geld von Person A auf dem Konto von Person B landet.

Was eine Blockchain ist, ist also gar nicht so einfach zu erklären. Wer nun einen Fan-Token des FC Barcelona, Juventus Turin oder AS Rom erworben hat, wird Teil einer exklusiven Kette, die dann abstimmen kann. Angeblich sollen manche Vereine darüber abstimmen lassen wollen, wie das Trikotdesign aussehen soll oder welchen Namen das neue Trainingsgelände erhalten soll.

Binance-Chef: Akzeptanz steigt durch Fußball

Für Fans kann das durchaus interessant sein, insbesondere in Zeiten der Corona-Pandemie, wo sie im Stadion oder auf Jahreshauptversammlungen nicht ihre Haltung zum Verein zeigen oder über Entscheidungen abstimmen können. Die Fan-Token hätten einen "festen Platz in der Kryptowelt erobert. Diese haben das Potential, die Mainstream-Akzeptanz von Kryptowährungen rund um die Welt voranzutreiben", sagte Changpeng Zhao, der Gründer der Kryptobörse Binance, als im Dezember die ersten Fußballvereine ihre eigenen Kryptowährungen herausbrachten.

Wer als Fan anfangs etwa in einen Token des FC Barcelona investiert hat, hat ein gutes Geschäft gemacht: Der Kurs hat sich, angetrieben vom generellen Krypto-Hype, in diesem Jahr mehr als verzehnfacht. Der Kurs der PSG-Währung hingegen ist etwas eingebrochen – wer hier viel Geld eingesetzt hat, den dürfte es auch nicht trösten, dass er im PSG-Fanshop Rabatte erhält oder ein Vorkaufsrecht bei Tickets hat.

BVB stellte im Dezember Pläne für Fan-Token vor

Borussia Dortmund startete Mitte Dezember eine Beta-Phase für einen eigenen Fan-Token. Token konnten in einem Shop erworben werden, laut "Ruhr Nachrichten" sollten 500 Token knapp fünf Euro kosten. Wer Token besitzt, sollte Ideen einbringen, an Abstimmungen teilnehmen, Diskussionen in der Community bewerten können.

Es setzte schnell heftige Kritik der eigenen Anhänger. "Stoppt den Marketingwahn – Fantoken einstampfen", stand auf einem großen Plakat, das die BVB-Ultragruppe "The Unity" kurz nach Bekanntwerden der Pläne im Stadion aufgehangen hatte. In einem langen Beitrag auf der BVB-Fanseite schwatzgelb.de fürchteten Dortmunder Fans, das durch die Fan-Token etablierte Organe wie der Fanrat ausgehöhlt werden könnten. Die Votings unter den Tokenhaltern seien ohnehin sinnlos.

Cramer: Konnten Kritik nachvollziehen

Carsten Cramer

Anfang des Jahres setzte sich der BVB mit seinen Fans an einen Tisch. Nun sind die Pläne für einen Fan-Token vom Tisch. "Wir befanden uns in einer Testphase und hatten nie vor, gegen Geld relevante Entscheidungsbefugnisse an internationale Fans abzutreten. Und doch konnten wir viele Kritikpunkte nachvollziehen", sagte BVB-Geschäftsführer Carsten Cramer gegenüber den "Ruhr Nachrichten". Nun ist die Entscheidung gefallen, dass es den Fan-Token so nicht geben wird. "Es macht keinen Sinn, etwas an den Bedürfnissen der Fans vorbei zu machen. Wir werden den Token nicht mit Geld verbinden", sagte Cramer.

Mitbestimmung solle ein "ureigenes Recht der BVB-Mitglieder und Fans" bleiben. Wenn nun doch neue digitale Produkte kommen, dann werden diese wohl auch nicht mehr als Fan-Token bezeichnet werden, um sich von Klubs wie Juventus Turin oder dem FC Barcelona abzugrenzen. Spannend wird sein, welche Rolle die Kryptobörse "Bybit", seit November BVB-Partner, bei zukünftigen Plänen spielen wird.

FC Bayern unterstützt Blockchain-Technologie

Grundsätzlich sehen viele Entscheidungsträger im Fußball die neuen Möglichkeiten durch die Blockchain-Technologie positiv. Benjamin Steen, Head of Customer Care and Digital Licencing beim FC Bayern München, sagt: "Es gibt im Fußball große Chancen für die Entwicklung neuer digitaler Märkte, die das Engagement der Fans erhöhen." Der FC Bayern hat zwar noch keinen Fan-Token angekündigt, kooperiert aber mit dem Unternehmen "Sorare" für ein blockchainbasiertes Fantasy-Fußball-Spiel. Auch André Schürrle und Oliver Bierhoff unterstützen das Projekt, das auch eine Art Panini-Sammelheft auf einer Blockchain herausbringen möchte.

Christoph Breuer, Professor für Sportökonomie an der Sporthochschule Köln, sieht in Fan-Token neue Möglichkeiten für Klubs. "Die Chance besteht Fans stärker zu binden, wobei geographische Grenzen hierbei keine Rolle mehr spielen wie bei vielen klassischen Maßnahmen der Fanbindung", so Breuer. "Dadurch sind Fan-Token insbesondere für Klubs mit vielen überregionalen und internationalen Fans von Interesse. Zudem kann auf einen Schlag ein Millionenerlös erzielt werden. Dies macht Fan-Token gerade in der aktuellen pademiebedingten Finanzkrise für den Profifußball interessant."

Sportökonom warnt: Gefahr für die Mitbestimmungskultur

Sportökonom Christoph Breuer

Breuer kann die Kritik und Sorgen einiger Fans jedoch nachvollziehen. Fan-Token würden die "Mitbestimmungskultur in Klubs teilweise unterlaufen" und "gewohnte Partizipationsmuster in Frage" stellen. Zudem sei der Einfluss einer Person meist an die Anzahl an Token geknüpft. "Es gilt dort nicht das Prinzip ´eine Person, eine Stimme wie es aus den Mitgliederversammlungen bekannt ist. Man kann sich sozusagen mehr Einfluss erkaufen", sagt Breuer.

Laut Breuer sind Fan-Token nur für die Klubs mit einer größeren und internationalen Fanbasis lukrativ. Kleine Klubs müssten ähnliche Kosten stemmen wie große Klubs, hätten aber deutlich weniger Abnehmer für die Token. "Daher dürften Fan-Token die wirtschaftliche Ungleichheit von Klubs weiter erhöhen", befürchtet Breuer.

Als nächstes steigt wohl die Formel 1 ein

Alex Dreyfus, der das Prinzip der Fan-Token auf Kryptobörsen etabliert hat, lässt die Kritik unbeeindruckt. Er hat international für die Zukunft große Pläne. "Wir haben mit Fußballvereinen angefangen, dann sind wir in den E-Sport und jetzt gehen wir zur Formel 1", sagte Dreyfus zuletzt. Fans sollen bald über die Lackierung eines Autos oder die Teamkleidung abstimmen dürfen.

Das wäre viel innovativer, als die Fans nur auf Twitter oder Facebook in Umfragen einzubeziehen. "Es ist einfach die nächste Generation an Interaktion zwischen Fan und Verein", sagt Dreyfus. "Wenn ich diesen Token eines Teams besitze, dann gehört er mir. Ich besitze ihn. Ich kann einen haben oder 2.000, aber solange ich ihn besitze, kann ich bei einigen Entscheidungen im Verein abstimmen und teilhaben."

Stand: 23.03.2021, 09:26

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