Exportschlager Fußballer: Deshalb verlassen so viele deutsche Spieler die Bundesliga

Kai Havertz (l.) und Timo Werner

Deutsche Spieler wechseln ins Ausland

Exportschlager Fußballer: Deshalb verlassen so viele deutsche Spieler die Bundesliga

Von Jan Wochner

Viele junge deutsche Fußballtalente haben in diesem Sommer die Bundesliga in Richtung Ausland verlassen. Der Trend ist unübersehbar: Schon jetzt kickt die Mehrheit der wertvollsten deutschen Fußballer nicht mehr in der heimischen Liga. 

Es ist noch gar nicht so lange her, da spielten Deutschlands beste Fußballer ausnahmslos in der Bundesliga. Als Bundestrainer Joachim Löw den deutschen Kader für die WM 2010 bekannt gab, suchte man damals im DFB-Aufgebot einen Legionär vergeblich. Mittlerweile ist die Lage eine andere: Für die Nations-League-Spiele gegen Spanien und die Schweiz stellte Löw kürzlich einen Kader zusammen, der zur Hälfte aus Spielern bestand, die im europäischen Ausland unter Vertrag stehen.

Das lag zwar auch am Fehlen einiger Profis aus München und Leipzig, aber ein Trend ist unübersehbar. Immer mehr deutsche Spieler verlassen die Bundesliga. Timo Werner und Kai Havertz wechselten in diesem Sommer alles andere als geräuschlos zum FC Chelsea. Auch die Nationalspieler Luca Waldschmidt (Benfica Lissabon) und Robin Koch (Leeds United) kehrten dem SC Freiburg den Rücken. Philipp Max spielt nicht mehr in Augsburg, sondern in Eindhoven. Kevin Volland verließ etwas überraschend Leverkusen, ihn zog es nach Monaco.

Zehn der 19 wertvollsten Spieler kicken im Ausland

"Natürlich ist das für die Bundesliga etwas Negatives", räumt Bundestrainer Löw ein. "Solche Spieler wollen die deutschen Fans gerne regelmäßig sehen." Timo Werner hält dagegen: "Die Bundesliga hat immer noch sehr, sehr gute Spieler. Bayern hat die Champions League gewonnen, Leipzig war im Halbfinale. Das kommt nicht von irgendwoher." Trotzdem drängt sich der Eindruck auf, dass die Bundesliga immer mehr heimische Talente ziehen lassen muss.

Deutsche Fußballprofis als Exportschlager in Europa - ein Trend

Sportschau 22.09.2020 02:33 Min. Verfügbar bis 22.09.2021 ARD Von Jan Wochner

Mittlerweile spielen zehn der 19 wertvollsten deutschen Fußballer im Ausland (Quelle: transfermarkt.de). Die deutschen Talente sind ein echter Exportschlager. Und die Beweggründe der jungen Spieler, den Sprung in die europäischen Topligen zu wagen, sind nachvollziehbar. "Man fängt bei Null an, egal was man vorher hier erreicht hat, das schult die Persönlichkeit", meint Bundestrainer Löw. Und Verteidiger Antonio Rüdiger vom FC Chelsea fügt an: "Es hilft einfach, ein Mann zu werden. Also mir hat das gut getan, und ich denke für die jetzige Generation, die jüngeren Spieler, ist das gar nicht mal so schlecht."

Rüdiger: Die Wegbereiter heißen Khedira, Özil oder Kroos

Wer ins Ausland wechselt, muss sich neu orientieren, sich zurechtfinden. Es erwarten den Spieler im Zweifel eine neue Kultur, eine neue Sprache und nicht selten auch eine neue Fußballphilosophie. Werner merkte jüngst nach einem Ligaspiel mit dem FC Chelsea eine völlig neue Erfahrung an. "Man lernt eine andere Art, Fußball zu spielen. Gerade die Premier League fordert mich in anderen Dingen, als es die Bundesliga getan hat." So sagte Werner nach einem Ligaspiel gegen Brighton & Hove Albion: "Gegen solche Abwehrkanten habe ich noch nie gespielt. So groß, so schwer."

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Sein Mitspieler Antonio Rüdiger wechselte schon vor drei Jahren nach London. Für ihn waren die deutschen Nationalspieler Sami Khedira, Mesut Özil und Toni Kroos Vorreiter, die ihn in dieser Entscheidung bestärkten: "Die sind alle relativ früh raus aus Deutschland, und ich denke, man hat gesehen, welche Entwicklung sie genommen haben." Noch vor einigen Jahren waren die Legionäre Khedira, Özil und Kroos eine Besonderheit unter den Nationalspielern. Mittlerweile gilt Auslandserfahrung als Qualitätsmerkmal.

Kroos gibt Eingewöhnungsschwierigkeiten offen zu

Besonders beliebt bei deutschen Fußballern ist die holländische Eredivisie. Dort kicken allein 28 Deutsche. In der englischen Premier League sind es elf, in Italien (10), Österreich (8), Portugal (5), Frankreich (4) und Spanien (2) sind weniger deutsche Profis aktiv.

Für Toni Kroos hat sich der Schritt ins Ausland gelohnt. Drei Champions-League-Siege mit Real Madrid sprechen für sich. Rückblickend gibt aber auch Kroos Anpassungsschwierigkeiten in der Phase nach dem Umzug offen zu: "Mit der ganzen Familie ins Ausland zu gehen, sich zu integrieren, sich wohlzufühlen, das ist ein Schritt. Das kann auch ein bisschen dauern, bei uns waren es ein bis zwei Jahre."

Stand: 22.09.2020, 05:00

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