Fans in ganz Europa sprechen sich gegen Geisterspiele aus

Bayern Fans protestieren kurz vor Corona-Zwangspause der Bundesliga gegen Geisterspiele

Saisonfortsetzung in europäischen Ligen

Fans in ganz Europa sprechen sich gegen Geisterspiele aus

Mehrere hundert Fan-Gruppen aus ganz Europa haben sich in einem gemeinsamen Statement gegen eine Fortsetzung des Spielbetriebs ausgesprochen.

Unter dem Namen "United supporters of Europe" fordern Gruppierungen unter anderem aus Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich eine Aussetzung des Spielbetriebs in allen europäischen Ligen, bis in den Stadien wieder Zuschauer zugelassen sind: "Nein zum Fußball ohne Fans!"

Weiter heißt es: "Wir bitten die UEFA und die nationalen Verbände darum, den Stopp der Fußball-Wettbewerbe aufrechtzuerhalten, bis volle Stadien wieder ungefährlich für die öffentliche Gesundheit sind." Es sei unverständlich, dass wirtschaftliche Interessen über die Gesundheit der Menschen gestellt würden.

Geisterspielen erteilen die Fan-Gruppen eine klare Absage. Fans seien nicht nur Folklore, sondern essentieller Teil dessen, was Fußball als Volkssport ausmache, heißt es weiter.

Ultra-Gruppen aus München, Köln und Stuttgart mit dabei

Auch Ultragruppen aus Deutschland haben den internationalen Aufruf unterzeichnet. Unter anderem solidarisieren sich die "Schickeria" aus München, die "Coloniacs" aus Köln und "Commando Cannstatt" aus Stuttgart mit ihren europäischen Mitstreitern.

Fan-Protest im Münchener Olympiapark

In Deutschland starten die 1. und 2. Bundesliga am kommenden Wochenende (16. bis 18. Mai) wieder mit dem Spielbetrieb. Die italienische Fußball-Liga ist nach einem Medienbericht für die Wiederaufnahme der Spiele der Serie A am 13. Juni. Auch in anderen europäischen Ligen soll der Spielbetrieb im Juni wieder aufgenommen werden.

Fan-Forscher warnt vor Wegbrechen der Basis

Fan-Forscher Harald Lange von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg findet es spannend zu sehen, was mit der Bundesliga ohne Fans passiert. "Auf jeden Fall ist der Fußball in Deutschland in einer schwierigen Situation. Die Stimmung ist in den letzten Wochen spürbar gekippt", sagte Lange der "Heilbronner Stimme". "Der Imageschaden ist nach der Diskussion der letzten Tage enorm, und es besteht tatsächlich die Gefahr, dass dem Fußball die Fanbasis wegbricht." 

Fanverband: "Ein ziemlicher Totentanz"

"Es wird viele Leute geben, die die Spiele nur am Rande verfolgen, weil ihnen das Wesentliche fehlt", bestätigt Markus Sotirianos vom Fanverband "Unsere Kurve". Er meint damit nicht nur die Choreografien und Gesänge auf den Tribünen, sondern vor allem die sozialen Kontakte, die ein Fan rund um die Spiele hat. "Das wird ein ziemlicher Totentanz und eine ziemlich traurige Angelegenheit", prophezeit er für den Wiederbeginn am Wochenende.

Stand: 14.05.2020, 11:30

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