Fernsehgeld: DFL verspricht kleinere Spreizung - rechnet aber mit großem Umsatzverlust

TV-Kamera in München

DFL-Sitzung in Frankfurt

Fernsehgeld: DFL verspricht kleinere Spreizung - rechnet aber mit großem Umsatzverlust

Von Chaled Nahar

Die Deutsche Fußball Liga hat einen neuen Verteilerschlüssel für die Medienerlöse von 2021 bis 2025 bekannt gegeben. Geschäftsführer Christian Seifert verspricht eine kleinere Spreizung zwischen oben und unten - doch es gibt schon Kritik. Und Corona wird für große Umsatzverluste sorgen.

4,4 Milliarden Euro hat die DFL in den vier Jahren ab Saisonbeginn 2021/22 zu verteilen. Seifert erklärte im Anschluss an eine DFL-Mitgliederversammlung der 36 Klubs aus der Bundesliga und der 2. Bundesliga, dass das DFL-Präsidium ein grundsätzlich neues System geschaffen habe, um das Geld unter die Klubs zu bringen. Bei acht Ja-Stimmen habe es in dem Gremium eine Enthaltung gegeben.

Das DFL-Präsidum
NameKlub/Verband
Christian SeifertDFL
Peter PetersDFL
Oliver LekiSC Freiburg
Steffen SchneeklothHolstein Kiel
Jan-Christian DreesenFC Bayern München
Rüdiger FritschDarmstadt 98
Oke GöttlichFC St. Pauli
Ansgar SchwenkenDFL
Alexander Wehrle1. FC Köln

Eine Revolution bleibt bei der Verteilung der Milliarden damit aus. "Dem einen oder anderen wird das nicht radikal genug sein", sagte Seifert zu dem neuen Verteilerschlüssel. "Dieses Modell wird die Spreizung aber definitiv senken." Von mehreren Klubs und Fanverbänden war oft kritisiert worden, dass die Spitzenklubs im Verhältnis zu den anderen Klubs zu viel Geld erhalten.

Vier Säulen für die Geldverteilung

Das Geld wird nun auf Basis der folgenden vier Säulen verteilt:

  1. Gleichverteilung: In den beiden ersten Saisons 2021/22 und 2022/23 wird 53 Prozent des Geldes gleichmäßig unter den Klubs verteilt. Dieser Anteil sinkt in den beiden folgenden Saisons auf 50 Prozent.
  2. Leistung: Basis sind eine getrennte Fünf-Jahres-Wertung zwischen 1. und 2. Liga, eine gemeinsame Fünf-Jahres-Wertung beider Ligen sowie eine Zehn-Jahres-Wertung. Zusammen sollen auf diese Weise zunächst 42, dann 43 Prozent so verteilt werden.
  3. Nachwuchs: 3 und später 4 Prozent des Geldes sollen den Einsatz und/oder die Ausbildung junger Spieler in den beiden Ligen belohnen. Der Anteil soll anhand von Einsatzminuten berechnet werden.
  4. Interesse: 2 und später 3 Prozent des Geldes soll proportional gemäß dem Interesse der Menschen an den Klubs laut einer Markt- und Werbeanalyse verteilt werden.

Im internationalen Bereich wurde laut Seifert ebenfalls eine größere Gleichverteilung beschlossen, auch die 2. Bundesliga werde dort stärker als bisher berücksichtigt. Die 2. Bundesliga habe teilweise stärker mit den Folgen der Coronavirus-Pandemie zu schaffen gehabt, sagte Seifert. Mit der Verteilung wollen man den Zweitligisten die Bildung von Kapitalrücklagen ermöglichen.

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Arminia Bielefelds Geschäftsführer: "Das ist nicht mutig genug"

Dass das neue System längst nicht alle Bedürfnisse zufriedenstellt, belegt eine Mitteilung des Bundesligisten Arminia Bielefeld. "Die neue Ausrichtung ist ein kleiner Schritt in eine dringend notwendige Veränderung", wird dort der kaufmännische Geschäftsführer Markus Rejek zitiert. Bislang habe der Erste der Bundesliga fast das Vierfache des Bundesligaletzten erhalten, nun sei das noch das Dreifache.

"Das zentrale Anliegen wurde aus unserer Sicht jedoch nicht mutig genug angegangen", so Rejek. Dabei gehe es "nicht um eine Umverteilung von reich nach arm", sondern um "die Zukunftsfähigkeit des Profi-Fußballs" und einen "fairen Wettbewerb". Auch Jan Lehmann, kaufmännischer Vorstand des 1. FSV Mainz 05, zeigte sich eher unzufrieden und sagte: "Wir hätten uns ein noch stärkeres Signal der Solidarität und zugunsten eines fairen sportlichen Wettbewerbs gewünscht."

Am oberen Ende der Tabelle sagte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, dass die Verteilung der Fernsehgelder für die Spitzenklubs "einen schmerzhaften Kompromiss" darstelle. "Dieser ist vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie und aus Solidaritätsgründen aber unumgänglich und daher auch richtig."

Fan-Bündnis: "Ergebnis ist absolut enttäuschend!"

Auch das Fan-Bündnis Unsere Kurve reagierte mit Kritik auf die vorgestellten Pläne. "Sieht so der Einstieg in Reformen aus? Für uns ist das heute präsentierte Ergebnis des DFL-Präsidiums absolut enttäuschend", teilte die Organisation mit.

Die Unterschiede zwischen oben und unten würden zementiert, hieß es. "Die marginale Erhöhung des Prozentsatzes in der Säule Gleichverteilung entpuppt sich als vorübergehende Corona-Hilfsmaßnahme, nicht als Einstieg in eine Veränderung des Gesamtsystems."

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Seifert: Umsatzverlust von zwei Milliarden Euro droht

Daran schloss sich ein Appell Seiferts an. "Einige Klubs haben an der Spielergehälterfront zu wenig getan", sagte er. Die DFL sorge mit den Medienerlösen für einen Teil Einnahmen, für die Ausgaben seien die Klubs zuständig. "Letzte Saison war bestenfalls ein laues Lüftchen, jetzt aber kommt der Sturm", sagte Seifert.

Seifert: Rechnen mit zwei Milliarden Umsatzverlust Sportschau 07.12.2020 03:34 Min. Verfügbar bis 07.12.2021 Das Erste

Der DFL-Geschäftsführer rechnete vor, dass mit den fehlenden Einnahmen aus dem Eintrittskartenverkauf, rückläufigen Medienerlösen und Sponsoringeinnahmen bis zum Ende der Spielzeit 2021/22 für die DFL-Klubs ein Umsatzverlust von etwa zwei Milliarden Euro stehen könnte.

Gespräche mit Investoren für DFL-Tochtergesellschaft

Seifert teilte außerdem mit, dass die DFL im Februar 2021 Gespräche mit möglichen internationalen Finanzinvestoren plane. Mögliche Geldgeber könnten dann mit einer Minderheitsbeteiligung bei einer Tochtergesellschaft der DFL einsteigen, in der es um die Vermarktung der Medienrechte im Ausland geht. Im zweiten Quartal 2021 soll es eine Entscheidung geben.

Stand: 07.12.2020, 16:46

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