Strafstoß-Entscheidung in Stuttgart - einfach alles schiefgelaufen

Schiedsrichter Felix Brych

Umstrittener Elfmeter in der Nachspielzeit

Strafstoß-Entscheidung in Stuttgart - einfach alles schiefgelaufen

Von Frank van der Velden

Beim Bundesligaspiel zwischen dem VfB Stuttgart und Borussia Mönchengladbach zeigte sich mal wieder, wie es nicht laufen soll mit dem Video Assistant Referee (VAR). Selbst Schiedsrichter Felix Brych konnte die Verärgerung der Gladbacher verstehen.

Der VAR soll sich nämlich nur dann aus dem "Kölner Keller" melden, wenn eine klare Fehlentscheidung des Unparteiischen vorliegt. Videoschiedsrichterin Bibiana Steinhaus funkte ihren Kollegen Felix Brych in der Nachspielzeit dennoch an.

Dabei hatte Brych eine Aktion des Mönchengladbacher Fußballprofis Ramy Bensebaini im Strafraum als nicht elfmeterwürdig betrachtet, und dabei lag auch keine klare Fehlentscheidung vor. Stuttgart bekam einen Strafstoß zugesprochen, den Silas Wamangituka in der sechsten Minute der Nachspielzeit zum 2:2-Endstand verwandelte.

Kann man abpfeifen, muss man aber nicht

Was war passiert? Bei einer weit geschlagenen Flanke rangelten Bensebaini und der Stuttgarter Stürmer Sasa Kalajdzic im Strafraum um den Ball. Beide klammerten, beide gingen zu Boden, wobei der Stürmer nach hinten auf seinen Gegenspieler fiel. Es war einer jener Zweikämpfe im Fußball, die man als Schiedsrichter abpfeifen kann oder auch nicht. Eine 50:50-Entscheidung.

Hatte Kalajdzic seinen Sturz provoziert, hatte Bensebaini ihn gehalten? Der VAR, so die Idee, soll dem Schiedsrichter dann das Urteil überlassen. Der hat ja schließlich die Entscheidungshoheit auf dem Platz. Brych entschied sich gegen einen Pfiff - und eigentlich hätte das Spiel dann weiterlaufen müssen.

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Sportschau 16.01.2021 00:30 Min. Verfügbar bis 16.01.2022 ARD


Wo ist die klare Fehlentscheidung?

Dass es dann doch anders kam, ließ die Gladbacher fassungslos zurück. "Wenn es keine klare Fehlentscheidung war, bleibt Köln weg. Wo ist die klare Fehlentscheidung?", fragte Trainer Marco Rose zu Recht. Sein Spieler Jonas Hofmann war da aufgebrachter: "Wenn ich meine Meinung sage, werde ich für den Rest der Saison gesperrt. Das war eine absolute Frechheit."

Die Gladbacher ärgerten sich zu Recht. Denn im "Kölner Keller" lief in jenen Minuten noch mehr falsch. Hätten Steinhaus und Brych mal genauer hingesehen, und dazu sind Wiederholungen in Zeitlupe aus verschiedenen Perspektiven ja da, dann hätten sie bemerkt, dass es der Stuttgarter Waldemar Anton war, der seinen Mitspieler Kalajdzic zu Fall brachte - und nicht Bensebaini.

Verständnis für Unmut der Gladbacher

Das gab sogar Kalajdzic indirekt zu: "Vielleicht bin ich auch über den Fuß von Waldemar Anton gestolpert", sagte er. Brych konnte den Unmut der Gladbacher hinterher verstehen. "Es ist eine komplexe Szene, weil zwei Kontakte vorliegen", sagte er.

Das Problem: Weder er noch Steinhaus hatten die komplexe Szene auch komplex betrachtet. Dass Kalajdzic über Anton gestolpert war, war ihnen schlichtweg entgangen.

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"Stuttgart kann glücklich sein"

"Das habe ich nicht gesehen. Das kann man auf dem Platz nicht erkennen, weil man nur auf einen Bereich des Körpers gucken kann. Ich habe nur die Hände gesehen. Vom Gefühl her war es einen Tick zu wenig. Auf den Kontakt am Fuß wurde ich nicht hingewiesen, den habe ich erst jetzt, mit einer zeitlichen Verzögerung, gesehen", gab Brych dann auch offen zu und kam zu dem Schluss: "Ohne den Videoschiedsrichter wäre kein Elfmeter in Ordnung gewesen, mit dem VAR-Eingriff bleiben Zweifel. Stuttgart kann mit dem Elfmeter glücklich sein."

Projektleiter Drees räumt "Missverständis" ein

Projektleiter Jochen Drees hat die strittige Entscheidung verteidigt, aber Kommunikationsdefizite innerhalb des Schiedsrichter-Teams eingeräumt. "Es ist ein Strafstoß, den man geben kann. Die Entscheidung ist möglich, wenn ich das Klammern sehe", sagte der Verantwortliche für den Videobeweis beim Deutschen Fußball-Bund am Sonntag bei Sky.

Drees betonte, dass auch der Videobeweis nicht jede Entscheidung "schwarz oder weiß" darstellen könne. Die Ex-Schiedsrichterin Steinhaus habe den "Aspekt des Fußvergehens für sich eingeschätzt und als nicht relevant angesehen", erläuterte Drees. Der ehemalige FIFA-Referee räumte ein, dass es besser gewesen wäre, die gesamte Szene inklusive der Fußberührung noch einmal anzuschauen und sprach von einem möglichen "Kommunikations- und Darstellungsmissverständnis" zwischen den Beteiligten.

Stand: 17.01.2021, 12:45

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