Bundesliga-Schiedsrichter Zwayer "bis auf Weiteres" nicht mehr aktiv

Felix Zwayer zeigt nach der Betrachtung einer Spielszene mit dem VAR ein Handspiel an

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Bundesliga-Schiedsrichter Zwayer "bis auf Weiteres" nicht mehr aktiv

Von Marcus Bark

Schiedsrichter Felix Zwayer wird "bis auf Weiteres" keine Spiele mehr pfeifen. Zwayer wolle "mental wieder zu sich kommen", sagte Schiedsrichter-Boss Lutz-Michael Fröhlich der Sportschau.

Am Sonntagmorgen (09.01.2022) hatte Fröhlich zunächst bei "Bild TV" mitgeteilt, dass Zwayer sich Urlaub genommen habe.

FIFA-Schiedsrichter Zwayer habe ihm gegenüber keinen Zeitpunkt genannt, wann er wieder pfeifen wolle. "Bis auf Weiteres", präzisierte Fröhlich dann im Gespräch mit der Sportschau, wolle Zwayer nicht mehr mit Spielen beauftragt werden.

Der "Sportliche Leiter der Elite-Schiedsrichter*innen des DFB", wie Fröhlichs offizielle Bezeichnung ist, fügte als Begründung an: "Felix Zwayer will mental wieder zu sich kommen und die Ereignisse im Nachgang des Spiels in Dortmund reflektieren."

Heftige Kritik von Dortmund

Zwayer war vor allem von Borussia Dortmund nach deren 2:3-Niederlage im Topspiel der Bundesliga am 4. Dezember gegen den FC Bayern heftig kritisiert worden. Besonders hart hatte Jude Bellingham den 40-Jährigen verbal attackiert. Der englische Nationalspieler des BVB hatte Zwayer in Anspielung auf den 17 Jahre alten Skandal um Robert Hoyzer indirekt sogar Bestechlichkeit vorgeworfen und war dafür später vom DFB bestraft worden.

Fröhlich bestätigte der Sportschau, dass er sich für eine neuerliche Aufarbeitung der immer wiederkehrenden Vorwürfe gegen Zwayer aus dem Schiedsrichterskandal um Hoyzer einsetzen werde.

Fröhlich widerspricht Sportgericht des DFB

Nach Ansicht des Schiedsrichterbosses stünde trotz eines längst abgeschlossenen Verfahrens noch "Aussage gegen Aussage". In einem Urteil des DFB-Sportgerichts aus dem Jahr 2006, das erst acht Jahre später durch eine Veröffentlichung von "Zeit online" bekannt wurde und dessen Authenzität der Verband nie bestritt, begründet der DFB Strafen gegen Zwayer damit, dass dieser 300 Euro von Hoyzer angenommen habe, um jenem von einem ordentlichen Gericht später verurteilten Wettbetrüger möglicherweise bei der Manipulation eines Regionalligaspiels zu helfen. Eine tatsächliche Manipulation wurde nie nachgewiesen.

Zwayer bestreitet bis heute, Geld von Hoyzer angenommen zu haben, der wegen Beihilfe zum Betrug zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt worden war.

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Fröhlich behauptet, dass Zwayer und dessen Anwalt damals nur "aus verfahrenstechnischen Gründen" dem Urteil des DFB-Sportgerichts zugestimmt hätten, weil sie in einem weiteren Verfahren keine Erfolgsaussichten gesehen hätten - eben weil Aussage gegen Aussage gestanden hätte. Außerdem sei Zwayer damals zugesagt worden, dass er seine Schiedsrichterkarriere umgehend fortsetzen dürfe.

Fröhlich forderte bei "Bild TV", dass "diese Geschichte rund um die Robert-Hoyzer-Affäre irgendwann mal" aufgeklärt werde. "Ich würde es für mich sehr begrüßen, wenn man da wirklich weiß, was damals passiert ist. Dieser Vorwurf, Geld genommen oder Geld nicht genommen, der steht im Raum."

mit dpa | Stand: 09.01.2022, 15:02

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