Ausstiegsklauseln, Leihen, Ablösen - die neue Welt der Fußball-Trainer

Wechselt von Eintracht Frankfurt zu Borussia Mönchengladbach: Trainer Adi Hütter.

Marco Rose, Adi Hütter & Co.

Ausstiegsklauseln, Leihen, Ablösen - die neue Welt der Fußball-Trainer

Trainer sind mittlerweile wie Spieler. Auch sie gestalten ihre Verträge so, dass sie gehen können, wenn sie wollen. So wie Marco Rose in Gladbach und Adi Hütter in Frankfurt. Ein Trend, der zum Standard werden dürfte.

5.843 - so viele Tage am Stück war Volker Finke Trainer beim SC Freiburg. Die Verträge verlängerte Finke mit Präsident Achim Stocker immer per Handschlag.

Ausstiegsklauseln im Vertrag? Lange undenkbar

"Ich habe seit Jahren keinen schriftlichen Vertrag mehr", sagte Finke einmal dem "Spiegel". Eine Ausstiegsklausel im Vertrag? Zu damaliger Zeit undenkbar. Heute gehören solche Klauseln zum Alltag. Marco Rose hatte eine und zieht dank ihr nach nur zwei Jahren in Gladbach weiter nach Dortmund. Was den Traditionsklub am Niederrhein fast in seinen Grundfesten erschütterte, da konnte Sportdirektor Max Eberl noch so oft betonen, das Ganze sei ein ganz normaler Vorgang im Fußball-Geschäft.

Womit Eberl jedoch recht hat. Denn die Gladbacher machten es wie die Dortmunder und fanden den Nachfolger für Rose beim Liga-Konkurrenten Eintracht Frankfurt. Adi Hütter heißt der neue Trainer der "Fohlen". Auch der Österreicher hatte eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag.

"Das ist ein Trend"

Die Zeiten, in denen Trennungen meist von Vereinsseite ausgingen, sind vorbei. Inzwischen stehen auch in den Verträgen der Trainer nicht mehr nur Laufzeit und Gehalt. Ausstiegsklauseln und festgeschriebene Ablösesummen sind inzwischen auch bei den Coaches fester Bestandteil. "Das ist ein Trend, der nicht aufzuhalten sein wird", sagte Lutz Hangartner, Präsident des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer.

Karriereplanung auch bei Trainern

Wie die Spieler verfolgen auch die Übungsleiter inzwischen immer öfter konkrete Karriereplanungen. "Den nächsten Schritt gehen" - das liest man immer wieder, wenn ein Profi seinen Verein zu einem vermeintlichen bessern Klub verlässt. Das ist inzwischen auch bei Trainern üblich.

Rose ging von Salzburg nach Gladbach, um nach erfolgreichen Jahren in Österreich auch in der deutschen Bundesliga zu zeigen, was zu leisten er im Stande ist. Dem ersten Schritt auf der Karriereleiter folgt jetzt der zweite. Von Gladbach geht es zur zumindest finanziell nach wie vor besser ausgestatteten Borussia nach Dortmund. "Ohne die Klausel hätten wir Marco Rose damals nicht bekommen", sagte Eberl.

Hütter wechselte aus der Schweiz von Bern zur Eintracht, um sich in der Bundesliga einen Namen zu machen.

Berater mischen mit

Rose, der für seine Entscheidung in Gladbach viel Kritik einstecken musste, und Hütter stehen mit einer solchen Vertragsgestaltung längst nicht alleine da. Auch Wolfsburgs Trainer Oliver Glasner soll eine Ausstiegsklausel im Vertrag haben, der Niederländer Ronald Koeman hatte sogar eine FC-Barcelona-Klausel, dank der er sein Amt als Bondscoach gegen das beim spanischen Weltklub eintauschen konnte.

"Trainer haben inzwischen wie Spieler überwiegend auch Berater, die für sie die Verhandlungen führen und sicherlich auch ein Interesse daran haben, dass ihre Klienten den Verein wechseln", sagte Hangartner. Die Situation von Spielern und Trainern unterscheidet sich laut dem 77-Jährigen kaum noch. Eine verletzte Vorbildrolle der Trainer sieht er dadurch aber nicht. "Das ist einfach die Zeit, der Fußball ist auch nur ein Spiegelbild der Gesellschaft."

Hitzfeld hält nichts von Klauseln

Das sieht Ottmar Hitzfeld anders. Dem Meistertrainer von Borussia Dortmund und Bayern München gefällt die Entwicklung überhaupt nicht. "Ich finde diese Klauseln nicht gut. Ich selbst hatte nie welche", sagte Hitzfeld der "Abendzeitung". "Meine Philosophie war immer: Wenn man einen Vertrag unterschreibt, dann sollte man dazu stehen. Ein Trainer ist ja auch ein Vorbild."

Doch damit steht Hitzfeld inzwischen recht alleine da. "Ich hatte auch ein paar Mal in meiner Karriere eine Ausstiegsklausel im Kontrakt. Das ist Teil des Geschäfts", sagte Dieter Hecking der "Rheinischen Post". Auch der in Leverkusen entlassene Peter Bosz sieht nichts Anrüchiges in solchen Klauseln. "Wenn man das miteinander verabredet, dann ist das halt so", sagte der Niederländer.

Auf Bosz folgte in Leverkusen Hannes Wolf, der noch einmal mit einer ganz anderen Variante geholt wurde. Wolf, beim DFB als Nachwuchstrainer angestellt, wurde vom Bundesligisten erst einmal nur bis zum Saisonende ausgeliehen. Ist Wolf mit Bayer erfolgreich, stehen die Chancen gut, dass Bayer ihn gegen Zahlung einer Ablöse mit einem längerfristigen Vertrag ausstattet. Bekommt der 39-Jährige mit den Rheinländern nicht die Kurve, kehrt er zum Verband zurück, und Bayer holt einen anderen Trainer.

dpa | Stand: 13.04.2021, 11:30

Darstellung: