Nachspielzeit in Dortmund - Verlängerung per Daumen

Schiedsrichter Markus Schmidt hebt kurz vor Ende der Nachspielzeit den Daumen hoch.

Borussia Dortmund - FC Augsburg

Nachspielzeit in Dortmund - Verlängerung per Daumen

Von Chaled Nahar

Borussia Dortmund hat in der sechsten Minute der Nachspielzeit das Siegtor gegen Augsburg geschossen - dabei waren nur vier Minuten angezeigt. Wie kann das sein?

Vier Minuten Nachspielzeit hatte der vierte Offizielle Marcel Pelgrim angezeigt. Doch das Freistoßtor von Paco Alcácer zum 4:3 für den BVB gegen Augsburg fiel 5:23 Minuten nach dem Ablauf der 90 Minuten, 4:25 Minuten Nachspielzeit waren vergangen, als Sergio Cordovas Foul gegen Achraf Hakimi zu dem entscheidenden Freistoß führte. Vier Minuten anzeigen und sechs Minuten spielen lassen - in sozialen Netzwerken mutmaßten Nutzer über eine Bevorteilung der Dortmunder. Lässt sich dieser Vorwurf halten?

Was die Anzeigetafel zu bedeuten hat

Grundsätzlich liegt die Nachspielzeit im Ermessen des Schiedsrichters. Die hochgehaltene Tafel mit der Zahl der nachzuspielenden Minuten ist keine Vorgabe von außen an den Schiedsrichter. Das vierköpfige Schiedsrichterteam trifft diese Entscheidung, bei der natürlich der Hauptschiedsrichter - in Dortmund Markus Schmidt - das Sagen hat. Diese angezeigte Zeit darf der Schiedsrichter keinesfalls unterschreiten.

Der Schiedsrichter-Assistent zeigt die Nachspielzeit in Dortmund an - vier Minuten.

Der Schiedsrichter-Assistent zeigt die Nachspielzeit in Dortmund an - vier Minuten.

Aber er darf sie verlängern. Und das hat Schiedsrichter Schmidt in Dortmund getan. Kurz vor der Ausführung eines Eckballs, bei 93:54 Minuten, zeigte Schmidt einen erhobenen Daumen. "Schmidt hat kurz vor dem Ablauf der vier Minuten nochmal den Daumen in die Höhe gereckt", sagt Alex Feuerherdt, der den Schiedsrichter-Podcast "Collinas Erben" betreibt. "Er hat nochmal eine Minute angezeigt, was nicht auf der Tafel angezeigt wird. Das Zeichen war eindeutig."

Möglicher Grund: Augsburgs Torwart Andreas Luthe ließ sich bei zwei Abstößen enorm viel Zeit, erst nach 30 beziehungsweise 42 Sekunden trat er gegen den Ball. Als dann nach fünf Minuten auch die verlängerte Nachspielzeit zu Ende war, war der Freistoß schon verhängt. "Wenn es kurz vor Ablauf der Nachspielzeit einen Freistoß in Tornähe gibt, wird der normalerweise auch noch ausgeführt", sagt Feuerherdt. Regeltechnisch hätte Schmidt abpfeifen können - nur Strafstöße müssen zwingend ausgeführt werden.

Was der Schiedsrichter nachspielen lassen muss und darf

In den Regeln wird zwischen "verlorener Zeit" und "vergeudeter Zeit" unterschieden.

  • "Verlorene Zeit" liegt beispielsweise bei Behandlungspausen der Spieler vor. Aber auch platte Bälle, extremes Wetter, Zuschauerausschreitungen fallen unter "verlorene Zeit". Diese unabsichtlich verlorene Zeit muss laut Regeln nachgespielt werden.
  • "Vergeudete Zeit" wird "unter Beachtung der Vorteilsbestimmung" nachgespielt. Beispiel: Eine Mannschaft, die bei Abstößen oder Auswechslungen Zeit vergeudet, um ein 0:0 über die Zeit zu retten, darf nicht damit rechnen, diese Zeit am Spielende "zurückzubekommen", wenn sie doch in Rückstand gerät. Schließlich war sie für das Vergeuden der Zeit verantwortlich.

Deutsche Schiedsrichter denken um

Dortmunds Paco Alcácer trifft zum 4:3 gegen Augsburg in der Nachspielzeit.

Dortmunds Paco Alcácer trifft zum 4:3 gegen Augsburg in der Nachspielzeit.

In Deutschland wurde häufig kritisiert, dass hierzulande zu wenig nachgespielt wird - vor allem im Vergleich zu internationalen Wettbewerben. In dieser Saison ist das anders. Im Trainingslager der Schiedsrichter in Grassau am Chiemsee vor der Saison wurde besprochen, dass sich die Unparteiischen bei der Nachspielzeit an der WM orientieren wollten. Daran muss man sich in der Bundesliga und im DFB-Pokal wohl noch gewöhnen.

Augsburg jammert nicht

Der FC Augsburg nahm die Niederlage sportlich. Trainer Manuel Baum suchte die Schuld nicht beim Schiedsrichter und in der verlängerten Nachspielzeit. In der Pressekonferenz kritisierte Baum "zwei, drei Unachtsamkeiten" seiner Mannschaft - und zählte das Foul von Cordova in der Nachspielzeit ausdrücklich dazu.

Fußball · Bundesliga · 7. Spieltag 2018/2019

Samstag, 06.10.2018 | 15.30 Uhr

Wappen Borussia Dortmund

Borussia Dortmund

Bürki – Hakimi, Akanji, Zagadou, Diallo – Witsel, Weigl (77. M. Götze) – Sancho, Bruun Larsen (69. Guerreiro) – Reus – Philipp (59. Alcácer)

4
Wappen FC Augsburg

FC Augsburg

Luthe – Gouweleeuw, R. Khedira, Hinteregger – Framberger, Max – Baier (64. Fe. Götze) – Hahn (75. Moravek), Gregoritsch, Caiuby – Finnbogason (83. Cordova)

3

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 0:1 Finnbogason (22.)
  • 1:1 Alcácer (62.)
  • 1:2 Max (71.)
  • 2:2 Alcácer (80.)
  • 3:2 M. Götze (84.)
  • 3:3 Gregoritsch (87.)
  • 4:3 Alcácer (90.+6)

Strafen:

  • gelbe Karte Baier (2 )
  • gelbe Karte Hahn (2 )
  • gelbe Karte Reus (1 )
  • gelbe Karte R. Khedira (3 )
  • gelbe Karte Gouweleeuw (2 )
  • gelbe Karte Caiuby (1 )
  • gelbe Karte Finnbogason (1 )
  • gelbe Karte Cordova (1 )

Zuschauer:

  • 81.365

Schiedsrichter:

  • Markus Schmidt (Stuttgart)

Stand: Samstag, 06.10.2018, 17:29 Uhr

Wappen Borussia Dortmund

Borussia Dortmund

Wappen FC Augsburg

FC Augsburg

Tore 4 3
Schüsse aufs Tor 7 5
Ecken 9 6
Abseits 2 0
gewonnene Zweikämpfe 87 72
verlorene Zweikämpfe 72 87
gewonnene Zweikämpfe 54,72 % 45,28 %
Fouls 4 22
Ballkontakte 740 442
Ballbesitz 62,61 % 37,39 %
Laufdistanz 114,41 km 116,26 km
Sprints 246 254
Fehlpässe 63 62
Passquote 87,6 % 74,06 %
Flanken 9 12
Alter im Durchschnitt 23,9 Jahre 26,8 Jahre

nch | Stand: 06.10.2018, 17:36

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