DFL nennt keinen konkreten Starttermin für Bundesliga

DFL-Chef Christian Seifert

Coronakrise

DFL nennt keinen konkreten Starttermin für Bundesliga

Die Bundesliga hat noch keinen konkreten Termin für die Fortsetzung der Saison genannt. Das müsse die Politik entscheiden, so DFL-Chef Christian Seifert nach einer Vollversammlung der Klubs: "Wenn es dann der 9. Mai wäre, wären wir aber bereit." Seifert richtete die Fans darauf ein, dass es bis ins Frühjahr 2021 Spiele ohne Zuschauer geben könne.

Die Spielzeit solle zwar möglichst bis zum 30. Juni beendet werden, aber eine Verlängerung bis in den Juli hinein sei möglich und mit den relevanten Partnern abgesprochen. Seifert stellte am Donnerstag (23.04.20) in einer Medienkonferenz nach der Versammlung heraus, dass die Fortführung der beiden höchsten Ligen für das wirtschaftliche Überleben vieler Vereine in Zeiten der Corona-Pandemie enorm wichtig sei. Er äußerte Verständnis dafür, dass es Kritik an dem unbedingten Willen des Fußballs gebe, möglichst schnell die Saison zu beenden. Gleichfalls sei es aber eben aus den ökonomischen Gründen nötig.

Um das Produkt Fußball herzustellen, brauche es eben "gewisse Rahmenbedingungen". Dafür lege die DFL nun ihre Pläne vor. Wenn es nicht gelinge, ein umsetzbares und genehmigungsfähiges Konzept zu präsentieren, "dann ist das eben so und dann wäre das auch zu akzeptieren", sagte Seifert. Sollte eine Rückkehr in den Spielbetrieb zeitnah nicht möglich sein, müsse klar sein, "dass wir die Bundesliga auch in einigen Monaten nicht spielen werden. Dann wäre die Bundesliga irgendwann ein Kollateralschaden dieser Corona-Krise", sagte Seifert.

Seifert: "An Tag X werden wir bereit sein" Sportschau 23.04.2020 00:45 Min. Verfügbar bis 23.04.2021 Das Erste

"Geisterspiele" ohne Zuschauer seien derzeit "die einzige Möglichkeit, die Bundesliga, wie wir sie kennen, am Leben zu erhalten. Ich bitte alle, die sich für die Bundesliga interessieren, dafür um Nachsicht und um Unterstützung", fügte Seifert hinzu. Auffällig war, dass die zuletzt von einigen Protaganisten vorgebrachte "Lebensfreude", die der Fußball zurückbringe, nicht erwähnt wurde. Das könnte auch eine Reaktion auf kritische Fans gewesen seien. Sie hatten gefordert, der Fußball solle ehrlich bekennen, dass es ihm in dieser Lage nur darum gehe, dringend benötigtes Geld zu kassieren.

Fan-Ansammlungen vor den Stadien? Seifert: "Klubs sind gefordert" Sportschau 23.04.2020 01:42 Min. Verfügbar bis 23.04.2021 Das Erste

Entscheidung am 30. April möglich

Mehrfach wies der Geschäftsführer darauf hin, dass sich der Profifußball streng nach den Vorgaben von Politikern und Medizinern richten werde. Eine Entscheidung der Politik, die Spiele ohne Zuschauer unter Einhaltung der von einer Task Force erarbeiteten Vorgaben zulässt, könnte am 30. April fallen. Dann beratschlagen die Ministerpräsidentinnen und Minsterpräsidenten der 16 Bundesländer die Lage mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.

"Das bestmögliche Worst-Case-Szenario"

Der Geschäftsführer richtete die Fans auf eine möglicherweise lange Zeit ohne Stadionbesuch ein: "Wir wissen nicht, ob Geisterspiele nicht noch im Februar, März stattfinden. Wir haben die Vereine gebeten, den ersten Teil der nächsten Saison ohne Zuschauereinnahmen zu planen." Über den Saisonstart der Spielzeit 2020/21 mache sich die DFL derzeit noch keine Gedanken. Derzeit sei es der richtige Ansatz, "in kürzeren Etappen" zu planen. "Wir planen das bestmögliche Worst-Case-Szenario, wie es ein Klubvertreter heute ausdrückte", sagte Seifert.

Einigung "mit fast allen Medienpartnern"

Er teilte zudem mit, dass es "mit fast allen Medienpartnern" eine vorzeitige Einigung über die Zahlung von TV-Geldern gegeben habe. Durch die etwa 300 Millionen Euro sei die Liquidität der Vereine bis zum 30. Juni gesichert, so Seifert. Teilsummen müssten aber bei einem möglichen späteren Abbruch auch wieder zurückgezahlt werden. Mit welchem Partner es keine Einigung gegeben habe, verschwieg Seifert.

Indirekt bestätigte der DFL-Boss, dass sowohl die ARD als auch das ZDF als öffentlich-rechtliche Sender zahlen werden. Nach Medienberichten dürfte es sich bei "Eurosport" um den Medienpartner handeln, der sich nicht mit der DFL einigte. "Eurosport" hat die Übertragungsrechte an den Streamingdienst "Dazn" sublizenziert.

Zahlung an 3. Liga und Frauen-Bundesliga

DFL-Geschäftsführer Seifert bestätigte zudem eine Zahlung von 7,5 Millionen Euro an die Vereine der 3. Liga und Frauen-Bundesliga. "Diese Unterstützungszahlung ist an keine weitere Bedingung geknüpft. Das Präsidium dankt den Champions-League-Klubs für die Initiative zur Bereitstellung des Solidarfonds", sagte Seifert. Zuvor hatten "Der Spiegel" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" darüber berichtet.

Der FC Bayern, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen haben zu Beginn der Krise 20 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um bedrohten Klubs zu helfen. Allerdings waren dabei 12,5 Millionen Euro zugesagt aus Mediengeldern, die erst in der kommenden Saison gezahlt werden sollen.

Spieltag bei Wiederbeginn offen

Seifert ließ offen, mit welchem Spieltag die Saison fortgesetzt wird: "Das ist eine Entscheidung der DFL, und diese Entscheidung ist noch nicht getroffen worden." Nach einem Bericht von "Bild" solle die Liga auf jeden Fall mit dem 26. Spieltag weitergehen, an dem in der Bundesliga unter anderem das Revierderby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 ansteht. Normalerweise hätte dieser Spieltag am Freitag, den 13. März, beginnen sollen. Am Morgen dieses Tages war er jedoch abgesagt worden. Zwei Tage zuvor hatte es das Nachholspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln noch gegeben, allerdings schon ohne Zuschauer.

Leipzig-Geschäftsführer Mintzlaff: "Sehr froh über das Konzept" ARD extra 23.04.2020 02:09 Min. Verfügbar bis 23.04.2021 Das Erste

Die DFL errechnete bis zum Saisonende einen Bedarf von 25.000 Coronavirus-Tests für die 36 Klubs. Ein entsprechendes Papier vom 17. April, das auch die verschiedenen Terminszenarien enthielt, veröffentlichte "Bild" am Morgen. Die Tests würden etwa 2,5 Millionen Euro kosten, heißt es in dem Dokument. Darin wird betont, dass selbst zwei Tests pro Person und Woche nur "knapp 0,4 Prozent der gesamt in Deutschland durchgeführten Tests pro Tag entsprechen" würden. Zuvor hatten schon "Der Spiegel" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ein von der Task Force erarbeitetes Dokument für die Fortsetzung des Spielbetriebs enthüllt, die FAZ zusätzlich das "Medizinische Konzept für Training und Spielbetrieb im professionellen Fußball in den Monaten April bis Juli 2020".

Seifert betonte am Donnerstag wiederholt, dass der Fußball niemandem Testkapazitäten wegnehmen wolle, der sie nötiger habe. Auf Kosten des Gesundheitssystems werde der Neustart nicht erfolgen, äußerte Seifert: "Alle Labore haben uns schriftlich versichert, dass die derzeitigen Kapazitäten ausreichend sind und durch Covid-19 keine Limitierung der Testkapazitäten auftreten."

Anonyme Infizierte

Der Umgang mit Quarantäne-Fällen werde im Falle eines positiven Tests "ein ganz, ganz entscheidender Aspekt sein". Die Hoffnung der Klubs ist, dass es dank der Vorsichtsmaßnahmen nicht soweit kommt, dass die komplette Mannschaft betroffen ist.

Seifert über Quarantänemaßnahmen in der Bundesliga Sportschau 23.04.2020 01:06 Min. Verfügbar bis 23.04.2021 Das Erste

In einem Papier der Task Force wird den Vereinen empfohlen, Infizierte innerhalb des Klubs nur den zuständigen Behörden, aber nicht den Medien zu melden. Daran haben sich die Klubs schon gehalten, denn Seifert sprach von 14 Infizierten, die bislang im Profifußball registriert worden seien. Das sind mehr als die bekannten Fälle. Aktuell, so Seifert, sei im Bereich der DFL niemand infiziert.

Stand: 23.04.2020, 16:12

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