DFB und DFL reformieren Videobeweis

Der Schiedsrichter Sascha Stegemann (l) und ein Operator sitzen in einem Videoassistcenter vor Monitoren

Videoassistent in der Bundesliga

DFB und DFL reformieren Videobeweis

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) reformieren zur kommenden Saison den Videobeweis.

Künftig werden kurze Textblöcke auf den Videowänden den Zuschauern im Stadion das Geschehen erklären. Bei Eingriffen des Video Assistant Referees (VAR) sollen die Begriffe "Situation", "Überprüfung" und "Entscheidung" in den Stadien eingeblendet werden, wie DFL-Direktor Ansgar Schwenken am Freitag (10.08.2018) bei einer Pressekonferenz in Frankfurt erläuterte.

Vor allem Stadionzuschauer hatten im Premierenjahr über Intransparenz geklagt.

Kalibrierte Abseitslinien auf dem Monitor

Die Video-Assistenten im Kontrollzentrum in Köln können zudem auf kalibrierte Abseitslinien zurückgreifen, was die Entscheidungsfindung erheblich vereinfachen soll. Die entsprechende Technik liefert das Hawk-Eye-System, das sich unter anderem im Tennis seit längerem bewährt auch bei der Fußball-WM in Russland eingesetzt wurde.

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Bei besonders knappen Entscheidungen soll zudem eine 3D-Variante der Abseitslinie helfen. Wird eine Szene überprüft, soll die Grafik mit der Abseitslinie im TV-Signal gezeigt werden. In der vergangenen Bundesliga-Rückrunde gab es besonders viele knappe Abseitsentscheidungen. "Bei uns waren es 40 Situationen, das ist extrem", stellte DFB-Schiedsrichterboss Lutz Michael Fröhlich fest.  Die erfolgreiche Nutzung bei der WM werten DFL und DFB als "Qualitätssignal".

Einsatz bereits beim Supercup

Die Neuerungen werden schon beim Supercup am Sonntag (12.08.2018) zwischen DFB-Pokalsieger Eintracht Frankfurt und dem deutschen Meister Bayern München angewendet.

"Wir werden in zwei Wochen nochmal intensiv in Köln arbeiten und nutzen auch die Freundschaftsspiele, um uns mit diesem Tool vertraut zu machen", sagte Jochen Drees, der ab 1. Oktober den Videobeweis verantworten soll.

Informationen über VAR-Einsatz auch bei den TV-Bildern

Durch Einspielung der Stadionregie werden die Zuschauer über den Grund eines Checks aus den vier Eingriffsmöglichkeiten des Video-Assistenten (Torerzielung, Strafstoß, Rote Karte, Spielerverwechslung) sowie die finale Entscheidung des Unparteiischen auf dem Platz aufgeklärt.

Dieselben Informationen stehen künftig auch Fernsehzuschauern an den Bildschirmen über das sogenannte TV-Basissignal zur Verfügung: Dort soll über Grafiken, die Rechteverwerter optional nutzen können, eingeblendet werden, warum es eine Überprüfung gibt. Das Fernsehsignal soll anschließend wie bei der Fußball-WM in drei Bilder gesplittet werden. Das Ziel sei "größtmögliche Transparenz" für den TV-Zuschauer und den Stadionbesucher, betonte DFL-Direktor Ansgar Schwenken.

Anders als bei der WM sollen allerdings in der Bundesliga im Stadion keine Bewegtbilder der strittigen Entscheidung und der anschließenden Überprüfung auf den Leinwänden gezeigt werden.

Vorbild Fußball-WM 2018

In der vergangenen Bundesliga-Saison war lediglich angezeigt worden, dass der Video-Assistent eingreift - aber nicht, warum dies geschieht. Die virtuellen Abseitslinien hatte die DFL zu Beginn der vergangenen Spielzeit getestet, allerdings nach technischen Problemen wieder abgeschafft. Nun soll die Technik ausgereift sein.

Die Bundesligasaison beginnt am 24. August mit der Partie des Meisters Bayern München gegen die TSG Hoffenheim. In der 2. Liga wird der Videobeweis in der bereits laufenden Saison im "Offline"-Modus getestet, also ohne dass ins Spielgeschehen eingegriffen wird.

sid/dpa | Stand: 10.08.2018, 11:22

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