Leitfaden zur Rückkehr der Fans - gemischte Reaktionen aus Politik und Sport

DFL stimmt für Hygienekonzept mit Zuschauern Tagesschau 04.08.2020 01:26 Min. Verfügbar bis 04.08.2021 Tagesschau24

Mitgliederversammlung der DFL

Leitfaden zur Rückkehr der Fans - gemischte Reaktionen aus Politik und Sport

Die Deutsche Fußball Liga hat sich auf Rahmenbedingungen zur Rückkehr der Zuschauer in die Stadien zur kommenden Saison geeinigt. Die Entscheidung darüber muss die Politik treffen - und die ist noch zurückhaltend.

Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung per Videokonferenz wurde am Dienstag (04.08.2020) ein einheitliches Vorgehen zur möglichen Rückkehr von Fans in die Stadien beschlossen.

Keine Gästefans

Das Konzept sieht vor, dass Gästefans bis Jahresende nicht zu den Spielen reisen dürfen. Die DFL ist sich zwar "des Umstands bewusst, dass Auswärtsfahrten und der damit einhergehende (Stimmungs-)Wettstreit der Fans einen wichtigen Bestandteil der deutschen Fußballkultur ausmachen", will mit dieser Maßnahme aber die Reiseaktivität der Fans minimieren.

Zuschauer-Rückkehr - Chancen und Risiken des DFL-Konzepts

Sportschau 04.08.2020 04:29 Min. Verfügbar bis 04.08.2021 ARD


Vorerst keine Stehplätze

Zudem sollen bis zum 31. Oktober keine Stehplätze zugelassen werden. Auch hier stellt die DFL klar, dass Stehplätze ein "wesentlicher Bestandteil" der deutschen Fankultur sind. Kurven und Tribünen tragen zur "besonderen Atmosphäre" bei - allerdings stehen die Fans dort meistens dicht gedrängt. "Die Einhaltung eines Abstandsgebots kann dort nicht immer und lückenlos eingehalten und durchgesetzt werden", vermutet die DFL.

Nachverfolgung möglicher Infektionen

Die Klubs müssen zudem sicherstellen, dass im Falle einer Ansteckung die Identität und die Kontaktdaten aller Zuschauer, die sich während eines Spiels im Stadion aufgehalten haben, ermittelt werden können. Der Nachverfolgung von Infektionswegen gilt "ein besonderes Augenmerk". Umzusetzen ist das mit personalisierten Tickets.

Kein Alkohol bis mindestens 31. Oktober

Bis zum 31. Oktober soll es zudem ein Alkoholverbot geben. Die DFL befürchtet, dass durch den Konsum von Alkohol möglicherweise eine Enthemmung einsetzt, die mit Blick auf die Abstands- und Hygieneregeln zu Problemen führen könnte.

Teilzulassung: Pläne der Bundesligisten
VereinPläne TeilzulassungStadionkapazität
Bayern München20.000 bis 25.00075.000
Borussia Dortmund12.000 bis max. 15.00081.365
RB Leipzig20.00042.959
Borussia Mönchengladbach(keine Angabe)54.057
Bayer Leverkusen(keine Angabe)30.810
1899 Hoffenheim(keine Angabe)30.150
VfL Wolfsburg(keine Angabe)33.000
SC Freiburg(keine Angabe)24.000
Eintracht Frankfurt15.000 bis max. 24.00051.500
Hertha BSC(keine Angabe)74.064
1. FC Union BerlinVollauslastung22.012
FC Schalke 04(keine Angabe)61.482
1. FSV Mainz 05(keine Angabe)33.500
1. FC Köln15.000 (Medienberichte)50.000
FC Augsburg(keine Angabe)30.660
Werder Bremen17.000 (Medienberichte)42.358
Arminia Bielefeld(keine Angabe)26.515
VfB Stuttgart(keine Angabe)60.441

Viel Skepsis

Allerdings gibt es angesichts ansteigender Zahlen von Neuinfektionen Zweifel, ob Fans im Stadion überhaupt Sinn machen. Die neue Spielzeit soll mit der ersten DFB-Pokalrunde vom 11. bis 14. September beginnen. Eine Woche später ist der Start von Bundesliga, 2. Bundesliga und 3. Liga vorgesehen. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hält Bundesligaspiele mit 25.000 Zuschauern "für sehr schwer vorstellbar".

Der rheinland-pfälzische Sportminister Roger Lewentz sieht die beschlossenen Maßnahmen hingegen als gute Vorlage für den Spielbetrieb in der Saison 2020/21: "Es ist anerkennenswert, dass sich die DFL um ein möglichst wirksames Hygienekonzept bemüht. Notwendig ist aber auf jeden Fall eine bundeseinheitliche Regelung", sagte der SPD-Politiker: "Das muss in der Sportministerkonferenz besprochen werden."

Kritik vom Fanbündnis "Unsere Kurve"

Das Fanbündnis "Unsere Kurve" hat das verabschiedete Konzept mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Man könne "nachvollziehen, dass die Beschlüsse unter dem Aspekt des Gesundheitsschutzes getroffen wurden", sagte Vorstandsmitglied Markus Sotirianos. Den Versuch, auch Gästefans zuzulassen, hätte man allerdings "deutlich begrüßt".

"Uns verwundert, dass einerseits viele Schritte unternommen werden, um Fans wieder zuzulassen, andererseits aber scheinbar Skepsis hinsichtlich derer Verhalten herrscht, was der vorläufige Ausschluss von Stehplatz- und Gästefans zeigt", sagte Sotirianos: "Hier wünschen wir uns noch mehr Gespräche vor allem auf lokaler Ebene, um zu Lösungen zu kommen, hinter denen alle Beteiligten stehen können."

DFL-Konzept: "Unsere Kurve" fordert Erklärungen zum Datenschutz Sportschau 04.08.2020 00:40 Min. Verfügbar bis 04.08.2021 Das Erste

Gemischte Äußerungen auch von den Klubs

Auch Union Berlin zeigt sich skeptisch: Man habe bei der Abstimmung gegen die meisten Punkte zur Rückkehr der Fans in den Stadien gestimmt. "Da wir mit dem Vorgehen grundsätzlich nicht einverstanden sind und zudem die Anträge zu Gästefans, Stehplätzen und Alkoholausschank für unausgewogen im Hinblick auf unsere allgemeine gesellschaftliche Verantwortung, aber auch auf unsere spezielle Verantwortung für Fußballanhänger halten, haben wir bei diesen drei Anträgen mit Nein gestimmt", schrieb der Präsident Dirk Zingler in einem Brief an die Fans.

Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald ist nach der Versammlung hingegen zuversichtlich, schon das erste Heimspiel der neuen Saison zumindest wieder vor wenigen tausend Zuschauern spielen zu können: "So wie wir mit den beteiligten Behörden im Moment sprechen, habe ich schon eine große Hoffnung, dass wir zum ersten Heimspiel der Saison zumindest Teile der Tribünen wieder mit Zuschauern befüllen können."

Wie es jetzt weiter geht

"Priorität haben in Deutschland im Moment nicht volle Stadien, sondern die Gesundheit der Menschen", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert auf der Pressekonferenz nach der Videokonferenz: "Wann wie viele Zuschauer wieder in die Stadien kommen dürfen, ist keine Entscheidung der DFL. Wir erwarten nichts und fordern nichts, sondern bereiten uns darauf vor."

DFL-Chef Christian Seifert

DFL-Chef Christian Seifert

Ob tatsächlich bald wieder vor Publikum im Stadion gespielt werden kann, womöglich schon zum geplanten Bundesliga-Start am 18. September, entscheidet die Politik. Die Gesundheitsminister der Länder wollen das Thema auf einer Konferenz am Montag (10.08.2020) besprechen.

sid/dpa | Stand: 04.08.2020, 19:06

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