Bundesliga soll ohne Gäste-Fans und Stehplätze planen

Leere Stehtribüne in der Arena von Mainz 05

Außerordentliche DFL-Mitgliederversammlung am 4. August

Bundesliga soll ohne Gäste-Fans und Stehplätze planen

Ein Stehplatz- und Alkoholverbot bis zum 31. Oktober und keine Gäste-Fans in den Stadien bis zum Jahresende: Dies will die Deutsche Fußball Liga (DFL) in der 1. und 2. Bundesliga durchsetzen, wenn zur neuen Saison wieder Zuschauer in eingeschränkter Zahl zugelassen werden.

Damit soll das Infektionsrisiko in der Corona-Pandemie verringert werden. Entsprechende Anträge des DFL-Präsidiums stehen bei der digitalen Außerordentlichen Mitgliederversammlung der 36 Profiklubs am kommenden Dienstag (04.08.2020) zur Abstimmung. Aus der Fanszene ist mit Kritik zu rechnen. Denn der Maßnahmenkatalog zur Eindämmung der Pandemie wird sich für viele Anhänger als Zusammenfassung eines Horrorszenarios lesen.

Personalisierte Tickets fast unvermeidlich

Ausdrücklich weist die Dachorganisation in ihrer Mitteilung vom Dienstag (28.07.2020) daher darauf hin, dass die Maßnahmen eine vorübergehende Anpassung seien, "um angesichts der andauernden pandemischen Lage die Einhaltung und die Kontrolle der Einhaltung von Abstands- und Hygienemaßnahmen in den Stadien zu erleichtern".

Beim Ticketverkauf sollen die Vereine dafür sorgen, dass Infektionsketten gegebenenfalls nachverfolgt werden können - was nur mit personalisierten Tickets funktioniert, die bekanntermaßen von vielen Stammbesuchern in den Kurven grundsätzlich abgelehnt werden. Aber gibt es einen anderen Weg, als das tückische Virus nachzuverfolgen? Damit wolle man die Gesundheitsbehörden unterstützen, heißt es von Ligaseite.

Details zur Umsetzung sollen den Klubs überlassen werden, gelten soll eine entsprechende Ergänzung der Spielordnung bis zum Jahresende. "Denkbar wäre zum Beispiel, dass ein Ticketkäufer beim Erwerb entsprechende Daten hinterlegt und dieser im Fall einer erlaubten Weitergabe eines Tickets auch die Daten des Ticketnutzers mit Blick auf eine mögliche spätere Nachverfolgung von Infektionsketten erfasst", erklärte die DFL.

Zur Entscheidung genügt die einfache Mehrheit

Die DFL hatte einen Leitfaden für die Rückkehr der Fans in die Stadien erstellt und die Klubs aufgefordert, lokale Konzepte zu erarbeiten. Sie sieht jedoch Abstimmungsbedarf, "ob es mit Blick auf bestimmte Aspekte ein einheitliches Vorgehen aller Klubs geben sollte". Bei den Entscheidungen genüge eine einfache Mehrheit. Gut möglich, dass einzelne Fangruppierungen ihren Einfluss geltend machen sollen. Gerade bei den Bundesligisten Eintracht Frankfurt und Union Berlin oder beim Zweitligisten FC St. Pauli dürfte sich massiver Widerstand formieren.

Die DFL und die Klubs müssen bei ihrem Vorgehen generell mit Unmut aus der Fanszene rechnen. Das Bündnis "Unsere Kurve" hatte sich am Montag unter anderem für die Zulassung von Gäste-Fans ausgesprochen. Zudem warnte die Organisation davor, neue Technologien der Überwachung "durch die Hintertür des Gesundheitsschutzes" einzuführen. Ferner wurden Regeln wie das Abstandhalten oder Gesangsverbote abgelehnt, weil das "nicht mit dem freien Ausleben von Fankultur vereinbar" sei.

Sensibles Thema Stehplätze

Beim Alkoholausschank verwies die DFL darauf, dass dies ohnehin nur mit ausdrücklicher Einwilligung der örtlich zuständigen Behörden möglich ist. "Das Bekenntnis der DFL zum Erhalt von Stehplätzen in den Stadien der Bundesliga und 2. Bundesliga hat unverändert Bestand", betonte die DFL. Außer Frage stehe auch, "dass Auswärtsfahrten von Fans einen wichtigen Bestandteil der deutschen Fußballkultur ausmachen".

Das Thema Stehplätze gilt als ein besonders sensibles, da diese in manchen ausländischen Ligen wie in der englischen Premier League abgeschafft wurden. Zunächst würden Spiele in beiden Bundesligen bis zum 31. Oktober ohne Stehplatzbesucher durchgeführt, danach würde die Frage durch veränderte landesrechtliche Vorgaben neu bewertet.

dpa/sid/red | Stand: 28.07.2020, 12:25

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