DFL und der Corona-Plan - keine Gruppenquarantäne

Fortsetzung der Bundesliga? Diskussion nimmt Fahrt auf Tagesthemen 21.04.2020 03:03 Min. Verfügbar bis 21.04.2021 Das Erste

Coronakrise

DFL und der Corona-Plan - keine Gruppenquarantäne

Von Marcus Bark

Am Donnerstag (11 Uhr) sprechen die deutschen Profiklubs bei der Vollversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) über die Bedinungen einer Wiederaufnahme der Saison. Bereits durchgesickerte Pläne zeigen: Sollte ein Spieler mit dem Coronavirus infiziert sein, soll eine Gruppenquarantäne vermieden werden. Es gibt weitere heikle Punkte.

Noch ist es als Entwurf mit Stand vom 15. April gekennzeichnet, doch das 41 Seiten umfassende Papier mit dem Titel "Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb im Profifußball" sieht nach einem ausgereiften Plan aus. Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" veröffentlichte am Dienstag (21.04.2020) die Anleitung, die den deutschen Klubs in Zeiten der Corona-Pandemie das wirtschaftliche Überleben sichern soll.

Am Mittwoch dokumentierte die Frankfurter Allgemeine Zeitung ebenfalls das Dokument, zusätzlich aber auch ein "Medizinisches Konzept für Training und Spielbetrieb im professionellen Fußball in den Monaten April bis Juli 2020". Darin wird der Punkt herausgestellt, der elementar wichtig dafür sein dürfte, die Saison - wie vorgesehen - im Sommer zu beenden. "Alle aufgeführten Maßnahmen führen zu einer erheblich verbesserten Sicherheit der beteiligten Personen vor einer Ansteckung und eliminieren weitestmöglich die beispielhaft im RKI-Dokument genannten Konstellationen", heißt es in dem Konzept. Beim RKI handelt es sich im das Robert Koch-Institut. Die Einrichtung berät maßgeblich die Politik, an deren Vorgaben sich der Fußball streng halten will - und muss.

Die Task Force schließt aus ihrem erarbeiteten Katalog eine "Einstufung der potenziellen Kontaktpersonen von Infizierten aus dem Kreis der Spieler und Betreuer in die Kategorie II des RKI (geringes Infektionsrisiko)". Solche Personen müssten nicht zwingend in Quarantäne gehen. Vereinfacht gesagt: Infiziert sich etwa ein Spieler mit dem Coronavirus, wird nur er isoliert, die anderen können weiter trainieren und spielen.

Vorstellung am Donnerstag

Den Vereinen der 3. Liga, für die das Konzept genau wie für die Frauen-Bundesligisten und Nationalmannschaften gültig sein soll, ist es nach Informationen der Sportschau am Dienstag bei einer Videoschalte noch nicht vorgestellt worden. Am Donnerstag wird das Papier dann während der Vollversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) aber gewiss ein Thema sein.

Bundesliga - Hoffnungen zu schüren ist daneben Tagesthemen 21.04.2020 01:18 Min. Verfügbar bis 21.04.2021 Das Erste

Etwa 300 Personen rund um ein Spiel

Auf den ersten 29 Seiten des vom "Spiegel" und "FAZ" veröffentlichten Entwurfs wird detailliert aufgezeigt, wer sich bei den sogenannten Geisterspielen im Innenraum von Stadien, auf den Tribünen und außen in unmittelbarer Nähe des Stadions aufhalten darf. Das sollen in den höchsten beiden Ligen etwa 300 Personen sein, inklusive der beiden Mannschaften.

Söder zur Bundesliga-Fortsetzung: "Auf Bewährung wagen" Tagesthemen 21.04.2020 04:48 Min. Verfügbar bis 21.04.2021 Das Erste

Ab der 30. Seite gibt die Task Force, die Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer leitet, dann Anweisungen "zur Wiederaufnahme des Mannschaftstrainings". Aufgrund der in Deutschland gültigen Kontaktbeschränkungen dürfte dies frühestens ab dem 4. Mai möglich sein. Der vor allem von den beiden Ministerpräsidenten Markus Söder (Bayern/CSU) und Armin Laschet (Nordrhein-Westfalen/CDU) ins Spiel gebrachte Termin des 9. Mai für die Fortsetzung der Bundesligen klingt daher sehr ambitioniert.

Abstrich-Diagnostik im Drive in

Das Papier der Task Force nennt keine Daten, es gibt stattdessen ausführliche Hinweise, wie der Fußballbetrieb möglichst ohne Coronainfizierte ans Ende der Saison und damit auch ans Geld kommen soll. So soll bei allen Personen, die auf das Trainingsgelände kommen, Fieber gemessen werden. Türen sollen stets offen bleiben, damit keine Griffe benutzt werden müssen. Den eher allgemein gültigen Hygienehinweisen folgen die spezifischen. So soll die "Abstrich-Diagnostik bei symptomatischen Personen im Auto (Drive in)" erfolgen oder eine "prophylaktische Isolierung bis zum Testergebnis". Bei einem positiven Test, so die Empfehlung der Task Force, soll eine "anonyme Meldung der Infizierten ausschließlich an DFL/Prof. Meyer" folgen.

Corona erzwingt wirtschaftliches Umdenken bei Vereinen Sportschau 18.04.2020 05:24 Min. Verfügbar bis 18.04.2021 Das Erste

Hotels exklusiv

All diese Empfehlungen sind nachzuvollziehen. Sie dürften in anderen Wirtschaftszweigen ähnlich ausgearbeitet sein. Auf einen Sonderweg des Fußballs, der von vielen Seiten in der aktuellen Diskussion kritisiert und der von der DFL wie auch vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) von sich gewiesen wird, deutet wenig hin.

Das ändert sich allerdings bei den "Vorgaben für eine Hotelunterbringung". Hier empfiehlt die Task Force den Vereinen, ein Hotel exklusiv anzumieten. Zudem solle es "keine Reinigung der Zimmer, während das Team im Hotel ist" geben. Außerdem: "Minimale Anzahl an Hotelpersonal, vereinseigener Betreuerstab erbringt Dienstleistungen". Derzeit ist offen, wann Hotels wieder geöffnet werden dürfen.

Was bedeutet "ausreichend großer Kader"?

Nach den Ratschlägen zur Hygiene in der Privatsphäre folgen die "Empfehlungen für das Vorgehen im Fall einer positiv getesteten Person". Hierbei wirft vor allem ein Punkt Fragen auf. Was heißt es, "frühzeitig für einen ausreichend großen Kader im Saisonfinale sorgen" zu sollen? Vielleicht, dass sich die Spieler der zweiten Mannschaften und auch der U19 bereithalten sollen, falls die Profis doch in Gruppenquarantäne müssen? Die Spielordnung der DFL sieht vor, dass ein Verein den Einsatz von mehr als die üblicherweise zulässigen drei "Amateure und Vertragsspieler" beantragen darf, falls im Profikader "wegen Erkrankung und/oder Verletzung" weniger als 14 Spieler zur Verfügung stünden.

Die Task Force empfiehlt den Vereinen, "keine automatische Meldung" eines Infizierten im Mannschaftskreis an die Medien, also die Öffentlichkeit, herauszugeben. Das könnte im Fall von Borussia Dortmund juristisch interessant werden, denn der Klub ist an der Börse notiert und muss melden, wenn im Unternehmen etwas passiert, das erheblichen Einfluss auf den Aktienkurs haben dürfte. Wäre die Erkrankung an Covid-19 eines wichtigen Spielers und die damit vielleicht doch verbundene Quarantäne vieler seiner Mitspieler ein solcher Fall?

Stand: 22.04.2020, 12:14

Darstellung: