Streit um DFB-Vertrag mit der Liga

DFB-Präsident Reinhard Grindel bei einer Pressekonferenz des DFB

Liga zahlte weniger Geld an den Verband

Streit um DFB-Vertrag mit der Liga

Die Fußball-Bundesliga zahlte dem DFB über Jahre weniger, als dem Verband laut Grundlagenvertrag zustand. Die geheimen Absprachen haben auch DFB-Präsident Reinhard Grindel in die Kritik gebracht. Doch der wehrt sich gegen Vorwürfe.

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sich auch Theo Zwanziger zu den nebulösen Geldflüssen zwischen den Profiklubs und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu Wort meldete. Der frühere DFB-Präsident führt bereits länger einen Streit mit dem Verband, der längst auf persönlicher Ebene und inzwischen auch vor Gericht angekommen ist.

Nun hat sich auch Zwanziger zu den Enthüllungen um den Grundlagenvertrag geäußert, der seit 2004 die Zahlungen zwischen der Deutschen Fußball-Liga, der Dachorganisation der Profiklubs, und dem DFB regelt.

Das steht im Grundlagenvertrag

Die Vereinbarung legt fest, dass die DFL dem Verband pro Jahr drei Prozent ihrer Medien- und Ticketeinnahmen als so genannten Pachtzins für die Rechte an der Bundesliga überweist.

Im Gegenzug zahlt der DFB, der die Amateure und damit die Fußball-Basis vertritt, aber auch die lukrative Nationalmannschaft vermarktet, zwischen 15 und 30 Prozent aus den Erlösen mit dem DFB-Team an die Liga - gewissermaßen als Entschädigung für die Abstellung der Nationalspieler.

Geheime Zusatzvereinbarungen

In den vergangenen Wochen wurde jedoch bekannt, dass es seit 2009 geheim gehaltene Zusatzvereinbarungen zu diesem Grundlagenvertrag gibt. Demnach werden seit 2013 Zahlungsflüsse in beide Richtungen gedeckelt. So muss die DFL dem DFB pro Jahr nur 26 Millionen Euro zahlen. Die Zahlungen des DFB an die DFL sind auf maximal 20 Millionen Euro begrenzt. Die Süddeutsche Zeitung zitierte aus einem schriftlichen Jahresbericht des langjährigen DFB-Schatzmeisters Horst R. Schmidt, demnach werde das Delta "auf sechs Millionen Euro fixiert".

Amateur- und Jugendfußball sind Verlierer

Wer bei dieser Rechnung der Verlierer ist, wird schnell klar - angesichts der TV-Einnahmen der Liga, die im kommenden Sommer auf einen Rekordwert steigen: Ab der Saison 2017/18 erhalten die 36 deutschen Profiklubs pro Jahr rund 1,16 Milliarden statt bislang 680 Millionen Euro an Medienerlösen.

Würde der DFB nach Abschluss dieses Vertrages tatsächlich die einmal vereinbarten drei Prozent der Liga-Einnahmen erhalten, wären dies knapp 35 Millionen Euro - anstatt der laut Zusatzabsprache fälligen 26 Millionen. Geld, das vor allem dem Amateur- und Jugendfußball fehlt.

Zwanziger: "DFB verzichtet auf 30 Millionen Euro jährlich""

"Faktisch verzichtet der DFB jährlich auf rund 30 Millionen Euro für einen gemeinnützigen Verband", sagte Zwanziger am Donnerstag (04.05.2017) bei einer eigens anberaumten Pressekonferenz und rechnete die entgangenen Einnahmen offenbar auf die gesamte Laufzeit des TV-Vertrags bis 2021 hoch. Zwanziger warf dem Verband fehlende Transparenz vor, angesichts der geheim gehaltenen, von Spitzenfunktionären vereinbarten Nebenabsprachen im Grundlagenvertrag, der im vergangenen Herbst auf dem DFB-Bundestag von den ahnungslosen Delegierten verlängert wurde. "Ich halte das für respektlos. Was man mit diesem Geld alles machen könnte."

Grindel wehrt sich gegen Kritik: "Bin sehr verärgert"

Im Fokus der Kritik steht nun DFB-Präsident Reinhard Grindel, der den von Vorgänger Wolfgang Niersbach ausgehandelten Deal zugunsten der Profivereine übernommen hat, die Basis aber offenbar weiter im Unklaren über die wahre Höhe der Geldflüsse ließ. Grindel wies Zwanzigers Kritik zurück: "Ich bin sehr verärgert, dass der frühere DFB-Präsident ein Verfahren rund um den Grundlagenvertrag kritisiert, das er selber erfunden hat", sagte Grindel am Freitag. "Die Zahl von 30 Millionen, die angeblich dem DFB verloren gegangen sind, ist erfunden."

Grindel räumte gegenüber der Süddeutschen Zeitung ein, dass er von den Zusatzvereinbarungen mit der DFL gewusst habe. Er verteidigte das Konstukt aber mit der Planungssicherheit für den Verband durch fixierte, jährliche Zahlungen der Liga, verbunden mit der Garantie, dass der DFB weiter den Großanteil der Einnahmen mit der Nationalmannschaft einstreichen darf. "Es ist so, dass wir vom Grundlagenvertrag und auch der Zusatzvereinbarung sehr profitieren, weil wir dadurch die Möglichkeit haben, mit unseren Nationalspielern zu werben", sagte er.

Grindel argumentierte zudem mit steuerlichen Vorteilen, weil die Abgaben an die Liga als Betriebsausgaben in die Bilanz fließen. Allerdings würden sich höhere Ausgaben wiederum steuermindernd auswirken. Grindel kündigte nun wenigstens an, die Zusatzabsprachen direkt in den Vertrag aufnehmen zu lassen.

Kupka: "Auf Druck der Profis umgefallen"

Engelbert Kupka, langjähriger Präsident der SpVgg Unterhaching und Gründer der Initiative "Rettet die Amateure", der mehr als 100 Vereine angehören, erhob im Interview mit dem Münchner Merkur schwere Vorwürfe gegen den DFB-Präsidenten. "Reinhard Grindel trat mit der Aussage an, ein DFB-Präsident der Amateure zu sein. Aber er ist auf Druck der Profis umgefallen und hat sich so seine Wahl gesichert", sagte Kupka. Kupka hatte den Grundlagenvertrag bereits im Vorjahr kritisiert und selbst die ursprünglich vereinbarte Einnahmenbeteiligung von drei Prozent als "Peanuts" bezeichnet.

Das Profilager hatte sich in der vergangenen Woche scharf gegen die Kritik gewehrt. "Wir lassen uns nicht als diejenigen darstellen, die die Amateure über den Tisch gezogen haben. Das ist nicht nur unfair, sondern auch ungehörig", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. Seifert sprach von einer "belasteten Beziehung" zum DFB und wies auch Vorwürfe zurück, "man würde im Hinterzimmer Geheimklauseln vereinbaren. Transparenz von Zahlen, Fakten und Verträgen sind elementar für uns."

Profiklubs sitzen am längeren Hebel

Seiferts deutliche Worte sind auch ein Indiz dafür, dass die Profiklubs am längeren Hebel sitzen. Schließlich müssen sie ihre Stars, die immer mehr Millionen an Transfergeldern und Gehältern verschlingen, immer wieder zu Länderspielen abstellen. Und ohne Boateng, Neuer und Co. würde der DFB womöglich auch nicht mehr so viel Geld mit Länderspielen verdienen.

red/sid/dpa | Stand: 05.05.2017, 13:30

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