Fall Tönnies - DFB-Ethikkommission unter Druck

Clemens Tönnies

Rassismus-Vorwurf

Fall Tönnies - DFB-Ethikkommission unter Druck

Die DFB-Ethikkommission befasst sich mit den rassistischen Äußerungen von Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies. Nach dem milden Urteil des Schalker Ehrenrats steht die Kommission unter Druck. Sie könnte ein Verfahren beim Sportgericht einleiten.

Die Ethikkommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wird sich am Donnerstag (15.08.2019) erstmals mit den umstrittenen Äußerungen von Schalkes Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies befassen. Nikolaus Schneider, der Vorsitzende der Ethikkommission, wollte im Vorfeld nichts über den Ausgang oder mögliche Konsequenzen des Untersuchungsverfahrens sagen.

Druck auf Ethikkommission

Doch nach dem milden Urteil des Ehrenrates von Schalke 04, der Tönnies vom Vorwurf des Rassismus freigesprochen hatte, ist der Druck auf das Verbands-Gremium gestiegen. Die Stellungnahme, die der Vorsitzende Schneider im Anschluss an die Sitzung angekündigt hatte, sollte es nach Meinung von Fan-Forscher Gunter A. Pilz besser in sich haben. Sonst, so Pilz, werde sogar der anstehende DFB-Bundestag von der Causa Tönnies überschattet.

"Der Sitzung des Ehrenrates des Deutschen Fußball-Bundes kommt eine Signalfunktion zu", sagte Pilz, der die Bezeichnung "Ehrenrat" für die Ethikkommission verwendete, dem Reutlinger General-Anzeiger: "Sollte sich der Ehrenrat des Verbandes äußern wie der des Vereins, können wir uns die Implementierung der Menschenrechts-Charta in die Satzung des DFB beim Bundestag im September sparen."

Fall Tönnies: Was entscheidet die Ethik-Kommission?

WDR 5 Morgenecho - Interview 15.08.2019 05:19 Min. Verfügbar bis 13.08.2020 WDR 5

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Was kann die Ethikkomission ausrichten?

Die vierköpfige Ethikkommission kann zwar keine Sanktionen aussprechen, sie kann allerdings Untersuchungen einleiten und bei hinreichendem Tatverdacht Anklage bei der Ethik-Kammer des Sportgerichts erheben. Das Gremium, dem neben Schneider auch Rechtsanwalt Bernd Knobloch, die auf Strafrecht spezialisierte Rechtsanwältin Anja Martin und Betrugsermittlerin Birgit Galley angehören, ist unabhängig und überwacht den Ethik-Kodex des DFB, in dem sich der Verband zu Qualität, Objektivität, Ehrlichkeit, Fairness und Integrität bekennt. In allen Fällen, die der Integrität und dem Ansehen des Verbandes schaden, soll die Kommission Ermittlungen aufnehmen.

Gauck über Tönnnies: "Mir klingt das zu rassistisch" Sportschau 15.08.2019 02:31 Min. Verfügbar bis 15.08.2020 Das Erste

Ob das im Fall Tönnies geschehen wird, ist derzeit völlig offen. Schneider betonte, dass zunächst "rein formal auch die Zuständigkeit der Kommission" geklärt werden müsse. Somit ist es auch möglich, dass das Thema zügig zu den Akten gelegt wird.

Pilz: Kein Verfahren wäre "fatales Zeichen"

Für Soziologe Pilz kommt der Haltung der DFB-Kommission entscheidende Funktion zu. Sie solle anders agieren als der Ehrenrat des Fußball-Bundesligisten Schalke 04. Pilz sprach in diesem Zusammenhang von einem "fatalen Zeichen". Er sei erschüttert, "wie der sogenannte Ehrenrat des Vereins mit Clemens Tönnies umgegangen ist. Das widerspricht allen Idealen, die dieser Klub in seiner Arbeit für sich reklamiert." Für Pilz ist klar: "Ich kann und darf nach Aussagen, wie sie Clemens Tönnies getätigt hat, nicht zur Tagesordnung übergehen."

Clemens Tönnies drei Monate außer Amt

Sportschau 06.08.2019 00:38 Min. Verfügbar bis 06.08.2020 ARD Von WDR-Reporter Jan Wochner

Auch DFB-Präsidentschaftskandidatin Ute Groth hofft vor der Sitzung der Ethikkommission auf eine härtere Sanktionierung. "Das ist mir mit drei Monaten selbstgewählter Auszeit zu wenig. Da muss ein deutliches Zeichen kommen, was Rassismus angeht, sonst werden wir das Thema nie los", sagte Groth der Deutschen Presse-Agentur.

Gauck: "Niemals akzeptieren"

Kritik kam auch vom früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck. Er würde das "niemals akzeptieren, was er sagt, weil es mir zu rassistisch klingt", sagte Gauck am Mittwoch in der ARD-Talkshow "maischberger. die woche". "Aber so lange der Mann noch zuhört und Argumenten zugänglich ist oder sich sogar entschuldigt, würde ich mit ihm kämpfen und streiten."

Aufsichtsratschef Tönnies hatte bei der Festveranstaltung zum "Tag des Handwerks" in Paderborn eine Rede zum Thema "Unternehmertum mit Verantwortung - Wege in die Zukunft der Lebensmittelerzeugung" gehalten. Tönnies empfahl dabei die Finanzierung von Kraftwerken in Afrika und sagte: "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren."

Tönnies entschuldigte sich danach und kündigte an, seinen Posten drei Monate ruhen zu lassen. Diesem Vorschlag wurde durch den Schalker Ehrenrat, der Tönnies vom Rassismus-Vorwurf freisprach, entsprochen.

Schalker Ehrenrat: "Vorwurf des Rassismus unbegründet" Morgenmagazin 07.08.2019 01:52 Min. Verfügbar bis 07.08.2020 Das Erste

Unterstützung für Tönnies aus der Liga

Zuletzt hatte Tönnies Unterstützung von prominenten Vertretern aus der Bundesliga erhalten. Friedhelm Funkel (Trainer von Fortuna Düsseldorf), Max Eberl (Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach), Armin Veh (Manager des 1. FC Köln) und Simon Rolfes (Sportdirektor von Bayer Leverkusen) bescheinigten Tönnies zwar einen "schweren Fehler", die heftige Kritik sei nach seiner Entschuldigung aber nicht angebracht. Tönnies habe eine zweite Chance verdient.

Rote Karte von Schalker Fans

Ein großer Teil der Schalker Fans sieht das anders: Während des Pokalspiels beim SV Drochtersen/Assel zeigten sie Tönnies symbolisch die Rote Karte. Schauspieler Peter Lohmeyer hat sogar persönliche Konsequenzen gezogen und ist als Mitglied ausgetreten, weil Tönnies seiner Meinung nach den Kampf des Vereins gegen Rassismus und Diskriminierung infrage stelle.

msc/sid | Stand: 14.08.2019, 15:30

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