Gladbach - Zakaria und die besten Minuten seines Lebens

Mönchengladbachs Denis Zakaria beim Spiel gegen Inter Mailand

Comeback nach achteinhalb Monaten Leiden

Gladbach - Zakaria und die besten Minuten seines Lebens

Von Christian Hornung

Es waren nur zwei Minuten, aber Denis Zakaria bezeichnet sie als die besten seines Lebens. Der Gladbacher spricht über sein Comeback, Bayern-Gerüchte und das Duell mit Real Madrid.

21. November, 17.13 Uhr. In der Bundesliga-Begegnung zwischen Gladbach und dem FC Augsburg ist die 89. Minute angebrochen. An der Seitenlinie steht Zakaria und wartet auf seine Einwechslung. Fünf Minuten später ist die Partie zu Ende, viele Borussen sinken enttäuscht zu Boden: Trotz 25 Minuten in Überzahl haben sie gegen die Augsburger eine Führung aus der Hand gegeben und stehen am Ende nur mit einem Punkt da. Zakaria ist trotzdem glücklich.

"Einer der besten Momente"

Natürlich nicht über das Ergebnis. Aber über das Erlebnis. Achteinhalb Monate hat der Schweizer für diesen Moment gelitten, geschuftet, sich rangearbeitet, Rückschläge erlitten, neu angefangen. Mehr Rehazentrum als Rasen. Und dann endlich das Comeback.

Zakaria sagt auf Sportschau-Nachfrage über seine Rückkehr: "Ich denke, dass es einer der besten Momente in meinem Leben war. Nach so einer schweren Verletzung wieder in der Mannschaft zu sein und wieder spielen zu können, ist ein Traum."

Nicht alles nach Plan verlaufen

Vorausgegangen war ein Dreivierteljahr, in dem sicher nicht immer alles glatt gelaufen ist. Der Schweizer Nationalspieler war im März bei der 1:2-Niederlage gegen Dortmund mit seinem Landsmann und Teamkollegen Yann Sommer zusammengeprallt und hatte sich am Knie verletzt.

Diagnostiziert wurde zunächst eine Knochenabsplitterung, die Gladbacher versuchten zunächst eine konservative Behandlung ohne Operation. Zwei Monate gingen ins Land, bis Zakaria sich dann doch unters Messer begab. Erst sehr viel später kam heraus, dass ein Knorpelschaden vorlag, der die extrem lange Ausfallzeit verursachte.

"Probiert, möglichst schnell zurückzukehren"

Auf die Frage, ob er am Anfang Zeit verschenkt habe, antwortet er jetzt diplomatisch: "Die Schmerzen waren zuerst okay. Ich habe hart gearbeitet und konnte nach einem Monat wieder trainieren. Danach habe ich aber wieder Probleme gehabt und wurde operiert. Ich denke nicht, dass wir dadurch Zeit verloren haben. So ist eben manchmal der Fußball. Ich habe probiert, so schnell wie möglich zurückzukehren, leider hat es nicht so schnell funktioniert. Ich denke aber, dass wir die richtigen Entscheidungen getroffen haben."

Inzwischen hat Zakaria wieder Anschluss gefunden, in den Partien gegen den FC Schalke (1:4) sowie in der Champions League gegen Schachtjor Donezk (4:0) und Inter Mailand (2:3) mehr und mehr Spielpraxis bekommen. Gegen Inter musste er nach der Pause der Mannschaft auf der für ihn ungewohnten Innenverteidiger-Position helfen, begann stark, hatte dann aber mit dem zweifachen Torschützen Romelu Lukaku Riesenprobleme. Zakaria: "Es war unglaublich schwer gegen ihn, er ist einer der Top-Fünf-Stürmer der Welt. Da habe ich gemerkt, dass ich noch viel zulegen und auch lernen muss."

Interesse von vielen Top-Klubs

Trotzdem wird Zakaria bereits seit längerer Zeit sehr hoch gehandelt. Immer wieder gab es Medienberichte über Interesse von Top-Klubs aus der Premier League, der spanischen und italienischen Liga. Zuletzt verortete ihn die "Sportbild" auf die Einkaufsliste von Bayern München.

Was Zakaria dazu sagt, könnte in der Diplomatenfibel für Bundesligaprofis stehen: "Natürlich ist so ein Interesse ein Kompliment, dann kann man keinen so schlechten Job gemacht haben. Aber ich beschäftige mich aktuell nicht mit meiner Zukunft, sondern habe mit Gladbach noch sehr viel vor."

19 Jahre kein Sieg in Freiburg

Was nach Phrasen klingt, stimmt für die nächsten Wochen aber auf jeden Fall: Gladbach hat die für Vereinsverhältnisse historische Chance, in die K.o.-Runde der Königsklasse einzuziehen. In der Bundesliga geht es um den Anschluss nach oben nach zuletzt vielen in der Schlussphase verschenkten Punkten. Dafür plant Coach Marco Rose mit Zakaria: "Denis wird sukzessive immer mehr ans Team herangeführt. Er ist ein extrem wichtiger Faktor für unsere Mannschaft."

Am Samstag (05.12.20) tritt der VfL beim SC Freiburg an, den letzten Sieg dort gab es vor 19 Jahren. Am Mittwoch danach reicht bei Real Madrid ein Punkt, um die Top-16 von Europa zu erreichen.

"Außenstehende denken, wir sind ein kleiner Klub"

Zakarias Augen glänzen, als seine er über beide Aufgaben spricht: "Die Ziele sind klar: Wir wollen beide Spiele gewinnen. Wir fahren nach Freiburg, um dort drei Punkte zu holen. Und dann werden wir in Madrid alles dafür tun, um weiterzukommen. Wir haben viele gute Spieler. Das gibt uns Kraft. Außenstehende denken vielleicht, dass wir ein kleinerer Klub sind, der nicht so oft in der Champions League dabei ist. Aber wir wissen, dass wir eine gute Mannschaft sind."

In der Zakarias Konkurrenten auf der Doppel-Sechs die Zeit seiner Abwesenheit durchaus auch für sich genutzt haben: Florian Neuhaus ist inzwischen Nationalspieler geworden, Christoph Kramer spielt weniger Quer- und Rückpässe und führt die Mannschaft deutlich lautstärker als in der Vergangenheit. Zakaria macht sich da aber noch keinen Stress: "Ich weiß, dass es nach einer Verletzung schwierig wird, mir einen Stammplatz zu erkämpfen, dafür muss ich hart arbeiten. Aber ich habe Vertrauen in mich selbst und kann der Mannschaft helfen."

Stand: 03.12.2020, 20:41

Bundesliga | Tabelle

RangTeamSP
1.Bayern München1533
2.RB Leipzig1632
3.Bayer Leverkusen1629
4.Bor. Dortmund1629
5.Union Berlin1628
6.VfL Wolfsburg1626
 ...  
13.Hertha BSC1617
14.1899 Hoffenheim1616
15.Arm. Bielefeld1614
16.1. FC Köln1612
17.1. FSV Mainz 05167
18.FC Schalke 04157
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