Weniger Korrekturen durch Videobeweis

Schiedsrichter Harm Osmers schaut sich eine strittige Szene an.

Fußball-Bundesliga 2017/18

Weniger Korrekturen durch Videobeweis

Von Chaled Nahar

Für die Schiedsrichter war es eine besondere Saison, denn es war die erste mit Videoassistent - und die Zahlen zeigen, wie sehr sich dessen Nutzung nach der Winterpause verändert hat.

Die erste Saison in der Bundesliga mit dem "Video Assistant Referee" (VAR) verlief zumindest in der Hinrunde durchwachsen. Im Vergleich mit der ersten Saisonhälfte zeigt sich aber nun: Die Zahl der Korrekturen ist nach der Winterpause deutlich kleiner geworden.

Korrekturen Video-Assistent inkl. "Review Area" (Quelle: Collinas Erben/Deltatre)
SaisonphaseKorrekturen
Hinrunde48
Rückrunde28
Gesamt76

Die erhobenen Daten zum Videobeweis sind keine offiziellen Statistiken der DFL, sondern beruhen auf Beobachtungen des Datenanbieters deltatre sowie der Schiedsrichter-Blogger von Collinas Erben.

Videoassistent ständig in der Diskussion

Der Videoassistent blieb über die ganze Saison umstritten. Formal korrekte, aber schwer nachvollziehbare Entscheidungen wie der Halbzeit-Elfmeter zwischen Mainz und Freiburg waren den Zuschauern schwer zu vermitteln. Es gab auch harte Fehler, wie die Schwalbe des Mainzers Pablo De Blasis gegen Köln, die Schiedsrichter Felix Brych nicht korrigierte.

Hinzu kamen technische Schwierigkeiten. Bei einigen Spielen zu Beginn der Saison fiel das technische Hilfsmittel komplett aus, die kalibrierten Abseitslinien fehlten sogar bis zum Saisonende. Ein Schiedsrichter beklagte im WDR-Magazin Sport Inside die Qualität der Bilder im Kontrollzentrum in Köln sowie die Auswahl der Kameraperspektiven durch die Operatoren.

Angesichts der massiven Kritik änderte der DFB zwischenzeitlich intern die Vorgaben an die Schiedsrichter, machte diesen Schritt dann aber wieder rückgängig. Die zentrale Frage blieb, wann der VAR eingreifen darf.

Kurskorrektur macht sich positiv bemerkbar

Positiv hat sich dann die Kurskorrektur ausgewirkt, nachdem Lutz Michael Fröhlich das Projekt von Hellmut Krug zur Rückrunde übernommen hatte. Seitdem gelten die neuen Maßgaben, die das IFAB (International Football Association Board) vorschreibt und die auch bei der WM gelten werden:

  • Ein Eingriff durch den VAR soll nur bei "klaren, offensichtlichen Fehlentscheidungen" erfolgen. Und das ausschließlich bei vier Situationen: Tore, Strafstöße, glatt Rote Karten und Spielerverwechslungen.
  • Der VAR korrigiert nur Ja/Nein-Fragen direkt auf das Feld: Das sind alle Entscheidungen, die Abseitsstellungen betreffen sowie Fragen, ob ein Ball zuvor im Aus war, ob ein Foul wirklich innerhalb des Strafraums stattfand oder ob ein falscher Spieler bestraft wurde. Grundsätzlich hat aber der Schiedsrichter im Zweifel das letzte Wort.
  • Alle Entscheidungen, die interpretierbar sind, soll der Schiedsrichter am Bildschirm hinter der Seitenline - der "Review Area" - klären. Das gilt für Fouls, Handspiele oder die Frage, wer bei einer Abseitsstellung zuletzt am Ball gewesen war.

Was durch den VAR korrigiert wurde

Der VAR hat vor allem Strafstoßfragen in beide Richtungen geklärt und einige Tore wieder von der Anzeigetafel genommen.

Entscheidungen des VAR (Quelle: Deltatre)
EntscheidungHinrundeRückrundeGesamt
Tor gegeben101
Tor aberkannt91423
Strafstoß gegeben19726
Strafstoß aberkannt10313
Rote Karte gezeigt516
Rote Karte revidiert/nicht gezeigt426
Spielerverwechslung011
Summe482876

Am häufigsten war der VfB Stuttgart Profiteur vom Videoassistenten. Neun Entscheidungen wurden zugunsten des VfB korrigiert, bei Borussia Dortmund waren es acht. Werder Bremen hat in dieser Zeile eine Null stehen. Bayer Leverkusen hingegen war acht Mal Leidtragender von geänderten Entscheidungen, Schalke sieben Mal, Hoffenheim nie.

Einsatzzahlen der Schiedsrichter als VAR

Ganz vorne bei den Einsätzen an den Bildschirmen in Köln-Deutz sind Günter Perl, Jochen Drees und Wolfgang Stark, die als Hauptschiedsrichter zum Ende der Vorsaison die Altersgrenze erreicht hatten. Alle drei haben jeweils fast oder sogar mehr als 40 Einsätze gehabt. 

Einsätze als VAR (Quelle: Deltatre)
SchiedsrichterInEinsätzeKorrekturen
Wolfgang Stark416
Jochen Drees3812
Günter Perl3711
Tobias Welz165
Marco Fritz154
Benjamin Brand130
Robert Kampka124
Christian Dingert113
Daniel Siebert113
Guido Winkmann111
Bastian Dankert (VAR WM 2018)104
Robert Hartmann100
Harm Osmers93
Sascha Stegemann92
Patrick Ittrich82
Frank Willenborg82
Markus Schmidt80
Tobias Stieler73
Benjamin Cortus72
Felix Zwayer (VAR WM 2018)72
Martin Petersen52
Deniz Aytekin40
Felix Brych (Schiedsrichter WM 2018)33
Bibiana Steinhaus31
Manuel Gräfe21
Sören Storks10
Durchschnitt11,772,92
Summe30676

Bemerkenswert ist, dass Bastian Dankert und Felix Zwayer mit zehn bzw. sieben Spielen zu vergleichsweise wenig Einsätzen vor den Bildschirmen gekommen sind. Das mag daran liegen, dass beide 14 beziehungsweise 13 Mal als Hauptschiedsrichter in der Bundesliga gebraucht wurden. Dennoch wurden sie als VAR zur WM berufen, obwohl die FIFA davon sprach, dass die Erfahrung mit dem System bei der Auswahl der Video-Assistenten eine besonders große Rolle gespielt habe.

Gräfe als Hauptschiedsrichter gefragt

Fernab vom VAR kann Manuel Gräfe den Bestwert von 18 Einsätzen als Hauptschiedsrichter für sich beanspruchen. Sein durchaus kritisches Interview im Berliner Tagesspiegel hat ihm zumindest von den Einsatzzahlen in der Bundesliga also nicht geschadet.

Einsätze als Hauptschiedsrichter (Quelle: Deltatre)
SchiedsrichterInEinsätze
Manuel Gräfe18
Daniel Siebert17
Tobias Stieler17
Deniz Aytekin17
Felix Brych (Schiedsrichter WM 2018)17
Sascha Stegemann16
Christian Dingert15
Robert Hartmann14
Bastian Dankert (VAR WM 2018)14
Benjamin Brand13
Patrick Ittrich13
Felix Zwayer (VAR WM 2018)13
Harm Osmers13
Guido Winkmann13
Markus Schmidt13
Marco Fritz12
Benjamin Cortus12
Robert Kampka12
Frank Willenborg11
Sören Storks10
Bibiana Steinhaus8
Sven Jablonski8
Martin Petersen8
Tobias Welz3
Durchschnitt12,79
Summe307

Die Summe der Einsätze (307) ist höher als die der Saisonspiele in der Bundesliga (306), weil Sören Storks beim Kölner Heimspiel gegen den HSV während des Spiels die Leitung für den verletzten Felix Brych übernahm. Die Zahlen wirken bei manchem Unparteiischen klein - man darf jedoch nicht vergessen, dass viele Schiedsrichter auch in der 2. Bundesliga oder in internationalen Wettbewerben im Einsatz sind.

Stand: 14.05.2018, 08:00

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