"Do you speak English?" - Sprachprobleme in der Liga

Nabil Bentaleb auf dem Trainingsgelände des FC Schalke 04 in Gelsenkirchen.

Suspendierung auf Schalke

"Do you speak English?" - Sprachprobleme in der Liga

Von Frank Hellmann

Immer wieder schwänzen Bundesliga-Profis den Sprachunterricht. Der FC Schalke 04 reagiert mit Suspendierungen. Aber vielleicht braucht es bei der Problematik einen anderen Ansatz. Nämlich mehrsprachige Trainer.

Die Unruhe kommt beim FC Schalke 04 zur Unzeit: Ausgerechnet vor dem spannungsgeladenen Revierderby gegen Borussia Dortmund am Samstag um 15.30 Uhr (ab 15.10 Uhr live im Ersten) ist mal wieder der Betriebsfrieden gestört. Nabil Bentaleb, algerischer Nationalspieler und einst von Tottenham Hotspur nach Gelsenkirchen gelockt, ist das zweite Mal zur U23 abkommandiert worden.

Die erneute Versetzung ins Oberliga-Team hatte der Verein offiziell mit "einer erneuten disziplinarischen Verfehlung" begründet, die Suspendierung gelte "bis auf Weiteres". Auf der Pressekonferenz war Trainer Huub Stevens bei der Causa Bentaleb ungehalten: "Ich gehe nicht in Details: Aber glauben Sie mir, dass es nicht umsonst ist, dass wir zu dieser Maßnahmen greifen mussten. Ich finde es schade, dass ich das tun muss. Aber es ging nicht anders."

Zu den Versäumnissen, die sich der 24-jährige Bentaleb leistete, gehört nach Informationen von sportschau.de mindestens ein verpasster Sprachkurs. Auch der 21 Jahre alte Amine Harit ist in dieser Hinsicht negativ aufgefallen, hat in dieser Woche einmal gefehlt. Im Fall Bentaleb soll es sich nicht die einzige Verfehlung gewesen sein. Für den disziplintreuen Stevens ist das nicht tragbar, da sich alle Spieler den vom Klub vorgegebenen Spielregeln zu unterwerfen haben - und dazu gehört für ausländische Spieler, die kein oder kaum Deutsch beherrschen, eben auch der Sprachunterricht.

So gehen längst die meisten Profivereine vor, bei RB Leipzig ist das neuerdings sogar in den Arbeitsverträgen verankert. Nicht immer ist das allerdings von Erfolg gekrönt: Beim FSV Mainz 05 spielt Jean-Philippe Gbamin beispielsweise schon im dritten Jahr in der Bundesliga, aber der Franzose mit ivorischen Wurzeln spricht noch immer kein Wort Deutsch.

Jeder zweite Akteur ist Ausländer

Auch bei Franck Ribery, seit Jahren längst eine Identifikationsfigur für viele Fans des FC Bayern, hat es lange gedauert, bis ihm ein Satz auf Deutsch flüssig über die Lippen ging. Und legendär, wie einst der Brasilianer Ailton beim SV Werder Bremen durch den Deutsch-Unterricht kam: indem das Unikum immer wieder das eine Wort "Pause" vortrug. Trotzdem hat er jüngst aus Brasilien vor dem DFB-Pokalhalbfinale Werder versus Bayern eine putzige Botschaft auf Deutsch übermittelt, die mit den Worten "toi, toi, toi" endete.

Ailton kam 1998 in die Bundesliga, als so manch Ausländer als Exot galt oder wie in seinem Fall als Paradiesvogel wahrgenommen wurde. Erst drei Jahre zuvor hatte das Bosman-Urteil den Arbeitsmarkt für Profifußballer radikal verändert, weil damit die übliche Arbeitnehmerfreizügigkeit für Ausländer aus EU-Staaten galt. Inzwischen kommt grob gesagt jeder zweite Bundesligaakteur nicht aus Deutschland. Und das verändert explizit die Kommunikation in der Kabine, zumal die Fluktuation in einem Kader noch erheblich zugenommen hat.

Trainer brauchen interkulturelle Kompetenz

Nach einer aktuellen Erhebung, die der Deutsche Fußball-Bund (DFB) für die Trainerausbildung vorgenommen hat, stehen im Schnitt pro Bundesligist 14 nicht-deutsche Spieler im Kader, die aus zwölf verschiedenen Nationen stammen. Deshalb möchte Tobias Haupt, der neue Akademieleiter, auch das Anforderungsprofil für die Ausbildung zum Fußballlehrer um den Bereich der "interkulturellen Kompetenz" erweitern.

Führungskompetenz und Menschenführung könnten nur zum Tragen kommen, wenn der Bundesliga-Trainer auf die verschiedenen Mentalitäten, Kulturen und Prägungen seiner Spieler eingeht. Und dass dazu auch Mehrsprachigkeit gehört, um im Alltag Gehör zu finden.

Englisch als Alltagsform?

Und nicht zwangsläufig muss dafür Deutsch die erste Amtssprache sein. Professor Haupt glaubt: "Ein Bundesligatrainer muss fließend Englisch sprechen. Und wie ein Unternehmensleiter in sein Team hineinwirken." Dass was in internationalen Konzernen wie dem Sportartikelgiganten Adidas längst Alltag ist - das selbst untereinander ausnahmslos in Englisch kommuniziert wird - könnte auf absehbare Zeit auch für Mitarbeiter- und Trainerstäbe eines deutschen Bundesligisten gelten.

Ferner könnte ein englischsprachiger Teil in die Ausbildung zum Fußballlehrer zum Pflichtprogramm gehören, da diese ohnehin nach den Vorgaben ähnlich der UEFA-Pro-Lizenz reformiert werden soll.

In Frankfurt funktioniert es

Adi Hütter im Kreis der Eintracht-Spieler

Adi Hütter im Kreis der Eintracht-Spieler

Die national und international überaus erfolgreiche Mannschaft von Eintracht Frankfurt setzt sogar auf ein Gemisch aus 17 Ländern. Danny da Costa, einer der Integrationsfiguren in dem Ensemble, findet die Kommunikation fast schon ulkig: "Der eine auf Serbisch, der andere auf Kroatisch, zwischendurch ruft noch einer auf Französisch oder Spanisch. Wir haben ein sehr interessantes Deutsch in der Kabine", sagte der 25-Jährige einmal.

Längst behaupten  viele, dass ein Frankfurter Erfolgsgeheimnis in der Verständigung liegt: Mit Stéphane Gödde, der zuvor bei Europapokalspielen von verschiedenen Vereinen als Übersetzer angeheuert wurde, hat die Eintracht einen extrem kompetenten Dolmetscher an der Seite, dessen Muttersprachen Deutsch und Französisch sind, der aber fließend Italienisch, Spanisch und Englisch beherrscht und Portugiesisch versteht. Damit erreicht Gödde alle Fraktionen. Und sein Sprachunterricht soll so abwechslungsreich sein, dass Fehlstunden in Frankfurt fast gar nicht vorkommen.

Stand: 26.04.2019, 08:41

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