"I don't like mondays" - Debatte um Montagsspiele verstummt nicht

Protest der Fans vor dem Spiel zwischen Bayer 04 Leverkusen und dem 1.FC Nürnberg

Termine in der Bundesliga

"I don't like mondays" - Debatte um Montagsspiele verstummt nicht

Von Frank Hellmann

Mit der Begegnung 1. FC Nürnberg gegen Bayer Leverkusen hat am 13. Spieltag das erste Montagsspiel der Saison stattgefunden. 2021 wird dieser Ausweichtermin abgeschafft, aber vielen Fans ist das zu spät.

Die Nürnberger Stadionregie eiferte nicht dem Frankfurter Vorbild nach, spielte am Montagabend (03.12.2018) zur Paarung zwischen dem 1. FC Nürnberg und Bayer Leverkusen nicht das Lied ein, mit dem die Boomtown Rats einst einen Welthit hatten: "I don’t like Mondays". Der ungeliebte Montag. Der schlimmste Tag der Woche?

Dieser Song schepperte tatsächlich durch die Stadionlautsprecher der Frankfurter Arena, als das Bundesligaspiel Eintracht Frankfurt gegen RB Leipzig am 19. Februar 2018 den Beginn einer neuen Zeitrechnung einläutete: die ersten regulären Montagsspiele der Bundesliga-Geschichte.

Die ersten Proteste waren grenzwertig

Dass sich der Verein an dieser selbstironischen Inszenierung beteiligte, verwunderte damals – aber es sollte dazu dienen, die erwarteten Proteste der Fans in einen gewaltfreien Rahmen zu gießen.

Trotzdem wirkten die massiven Fandemonstrationen bei der Premiere grenzwertig. Ein kontrollierter Einmarsch der Anhänger in den Innenraum oder ein Hagel von Tennisbällen oder Klopapierrollen gehörten nämlich auch zu den geduldeten Demonstrationsformen.

In Nürnberg soll es still sein

Beim ersten Montagsspiel dieser Saison gab es Widerstand in geräuschloser Form. Die organisierte Nürnberger Fanszene hatten dazu aufgerufen, die ganze erste Halbzeit still zu bleiben und jede Unterstützung in den ersten 45 Minuten zu verweigern.

Protest der Fans vor dem Spiel zwischen Bayer 04 Leverkusen und dem 1.FC Nürnberg

Protest der Fans vor dem Spiel zwischen Bayer 04 Leverkusen und dem 1.FC Nürnberg

Die Atmosphäre im Max-Morlock-Stadion war entsprechend ungewöhnlich. Von Seiten der Ultras gibt es in den Fanforen verschiedene Äußerungen, es sei Zeit, "die Proteste wieder hochzufahren".

Fans wollen ernst genommen werden

Bereits vergangene Woche hatte es eine öffentlichkeitswirksame Aktion quer durch alle Spielklassen gegeben. Zum Beispiel beim Bundesligaspiel zwischen Werder Bremen und Bayern München (1:2) schwieg  der harte Kern der Anhänger genau 20:30 Minuten lang, und im Bremer Weserstadion herrschte eine eigenartige Stimmung, die gar nicht zu diesem Klassiker passte.

Es habe immer Proteste gegeben "und das gehört auch dazu", sagt Michael Gabriel, der Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS). Die Montagsspiele sind nur eines von vielen Themen, die in den Fanszenen diskutiert werden.

"Es geht den Fans in erster Linie um Mitbestimmung. Darum, dass sie ernst genommen und in Entscheidungen mit einbezogen werden." Aus seiner Sicht müsse es wieder viel mehr Gespräche geben: Das gehe aber nicht von heute auf morgen.

Vereine in der Verantwortung

Die Fans haben inzwischen erkannt, "dass die Vereine eine entscheidende Rolle in der Vermarktungsspirale innehaben", wie es in ihrer Erklärung heißt. Das zeigte sich nicht zuletzt bei den Montagsspielen, an deren Einführung und Abschaffung die Bundesliga-Klubs entscheidend mitwirkten. Und deshalb werden diese auch weiterhin von Unmut und Protest begleitet.

Nürnberg spielte am Montag gegen einen Gegner, der in der Europa League beschäftigt ist. Die Werkself hatte sich vergangenen Donnerstag bei einem 1:1 gegen Ludogorez Rasgrad nicht gerade mit Ruhm bekleckert, aber nun einen Tag mehr Zeit zur Vorbereitung.

Für den "Club" ist die fehlende Anfeuerung sicher ein Nachteil, denn Trainer Michael Köllner erinnert sich gut an das jüngste Montagsspiel in der zweiten Liga - ein 2:0 gegen Eintracht Braunschweig am 30. April dieses Jahres - als die Fans in Aufstiegsstimmung waren und nichts an dem Termin auszusetzen hatte. "Man kann alles auch wieder einmal von dieser Seite aus betrachten", sagte Köllner.

Abschaffung erst 2021

Doch Montagsspiele in der ersten Liga sind so etwas wie ein Fanal, an dem sich weitere Teile der Fanszene abarbeiten. Nicht einmal das Signal, dass die Deutsche Fußball Liga (DFL) und die Vereine in Zukunft darauf verzichten wollen, hat die Gemüter beruhigt. Denn bis zur Saison 2020/2021 müssen die geschlossenen Fernsehverträge erfüllt werden.

DFL bestätigt das Ende der Montagsspiele ab 2021

Sportschau | 21.11.2018 | 00:47 Min.

In der Vorsaison war es gewiss nicht klug, erst in der Rückrunde mit den Montagsspielen zu beginnen. Auf einmal waren im März mit dem Spiel Werder Bremen gegen den 1. FC Köln und im April bei der Begegnung 1. FSV Mainz 05 gegen den SC Freiburg vier Klubs in die Montagsspiele involviert, die gar keine Mehrbelastung in der Europa League hatten. Damit war das Hauptargument eigentlich ad absurdum geführt.

Vier Montagsspiele in der Rückrunde

In dieser Spielzeit müssen in der Rückrunde noch vier Montagsspiele angesetzt werden. Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen überwintern sicher in der Europa League, aber für RB Leipzig wird es denkbar knapp, die TSG Hoffenheim hat als Gruppenletzter der Champions League nur noch theoretische Chancen, sich auf den dritten Platz vorzuarbeiten und über diesen Umweg in die Europa League zu kommen.

Und weil der FC Bayern München, Borussia Dortmund und FC Schalke 04 schon sicher für das Champions-League-Achtelfinale qualifiziert sind, könnte es erneut das Szenario geben, dass auf einmal Montagspaarungen mit Mannschaften zustande kommen, die mit dem Europapokal gar nichts zu tun haben. Die Anhängerschaft von Bundesligavereinen ist für den ungeliebten Montag so oder so wohl nicht mehr zu erreichen.

mit dpa | Stand: 03.12.2018, 22:15

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