DFB-Arzt Meyer: "Konzept kann sicher ins Wanken kommen"

DFB-Arzt Dr. Tim Meyer: "Wir wollten Personen finden, die ansteckend sind" Sportschau 02.05.2020 03:45 Min. Verfügbar bis 03.05.2021 Das Erste

Fußball-Bundesliga: Folgen der Coronafälle beim 1. FC Köln

DFB-Arzt Meyer: "Konzept kann sicher ins Wanken kommen"

Zu viele Coronafälle könnten das DFL-Konzept für einen Neustart der Bundesliga gefährden - das räumt Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer nach drei positiven Tests beim 1. FC Köln ein. Auch Innenminister Horst Seehofer äußert Bedenken.

"Wenn es zu viele positive Fälle gibt, kann dieses System sicherlich ins Wanken geraten. Das ist gar keine Frage", sagte der Leiter der "Taskforce Sportmedizin/Sonderspielbetrieb" der Deutschen Fußball Liga (DFL) im Interview mit "Sport1" - ohne dabei konkrete Zahlen zu nennen.

Das aktuelle Testergebnis aus Köln nannte Meyer am Samstag (02.05.2020) im Sportschau-Interview "im Rahmen der Erwartungen. Wir wollten Personen finden, die ansteckend sind, um sie ausschließen zu können. Wir haben in diesem Fall drei gefunden, sie sind ausgeschlossen - damit ist ein Teilziel erreicht."

Tim Meyer: "Extreme Disziplin wichtig"

Damit nicht noch deutlich mehr positive Fälle auftauchen, sei "extreme Disziplin wichtig", sagt Meyer, auf und vor allem auch neben dem Platz. "Spieler müssen selbstverständlich auch zu Hause entsprechende Vorsichtsmaßnahmen einhalten. Denn in dem Moment, in dem sie sich aus der Quasi-Quarantäne hinausbegeben, droht natürlich potenziell eine höhere Gefahr. Dafür sind ihnen Verhaltensregeln an die Hand gegeben worden. Auch Kontrollen für die Haushaltsangehörigen sind in das Konzept eingestellt worden."

Ohne Disziplin könne das beste Konzept ins Wanken geraten, sagt Meyer - und verteidigt die von ihm maßgeblich mitgestalteten Pläne gleichzeitig. "Meines Erachtens ist das ein System, wie man es derzeit kaum sicherer auf die Beine stellen kann." Die aktuell entstandene Kritik hält der Professor für Sport- und Präventivmedizin an der Universität des Saarlandes für verfrüht, man könne erst in vier bis fünf Wochen beurteilen, ob das System funktioniere.

Pläne von RB Leipzig "nicht überall umsetzbar"

Angesprochen auf die Vorgehensweise von RB Leipzig, das am Montag (04.05.2020) ins Mannschaftstraining einsteigen und die Spieler in einem Hotel isolieren möchte, sagte Meyer: "Wenn man in einem völlig geschlossenen Raum ist mit Personen, die nicht ansteckend sind, geht man natürlich ein äußerst geringes Risiko ein. Es ist aber auch eine gewisse Belastung für alle Beteiligten und nicht überall umsetzbar." Das Konzept der Taskforce beziehe sich schließlich auch auf die zweite und dritte Liga der Männer sowie die Frauen-Bundesliga.

Kritik auch von FC-Spieler Verstraete

Kritisch geäußert hat sich auch FC-Spieler Birger Verstraete. Im Gespräch mit dem flämischen Fernsehsender "VTM" sagte er, er habe mit den zwei positiv getesteten Kölner Spielern in einer gemeinsamen Gruppe trainiert und sei vom betroffenen Physiotherapeuten wochenlang behandelt worden. Trotzdem müssen Verstraete und die anderen Beteiligten der Trainingsgruppe nicht in vorläufige Quarantäne, da sie das Gesundheitsamt der Stadt Köln nicht als Kontaktperson der höchsten Risiko-Kategorie sieht. "Das ist ein bisschen bizarr", sagt Verstraete.

Horst Seehofer für Neustart und Gruppenquarantäne

Unklar ist noch, wie mit positiven Coronatests umgegangen werden soll, sobald sich die Teams im Mannschaftstraining und Spielbetrieb befinden. Innenminister Horst Seehofer fordert im Spielbetrieb eine Gruppenquarantäne von 14 Tagen für den gesamten Klub - und gegebenenfalls auch für die Mannschaft, gegen die der Verein zuletzt gespielt hat. "Ich will kein Fußball-Spielverderber sein, aber was für alle gilt, gilt auch für Fußballprofis", sagte Seehofer in der "Bild am Sonntag". "Es bestehen also Risiken für den Spielplan und die Tabelle. Das erfordert bei allen Beteiligten hohe Disziplin bei der Coronavorsorge."

Grundsätzlich aber sprach sich Seehofer für die Pläne der Taskforce aus. "Ich finde den Zeitplan der DFL plausibel und unterstütze einen Neustart im Mai." Grundbedingung sei aber, dass ein höheres Testaufkommen im Sport an keiner Stelle zu Engpässen im öffentlichen Gesundheitswesen führen dürfe - etwa bei den Tests oder in den Laboren. "Und es kann nicht sein, dass Profispieler öfter getestet werden als etwa Ärzte, Pfleger oder Polizisten, die in täglichem Kontakt mit den Menschen sind." Das Interview wurde nach Auskunft der Zeitung vor dem Bekanntwerden der drei aufgetretenen Coronafälle beim 1. FC Köln geführt.

Die DFL hofft, am 6. Mai bei der nächsten Konferenz der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten die Erlaubnis für Geisterspiele zu erhalten. Die Klubs haben bereits damit begonnen, die Spieler und Betreuer der 36 Erst- und Zweitligisten zu testen.

Die Folgen der positiven Coronatests beim 1. FC Köln

Sportschau 01.05.2020 02:19 Min. Verfügbar bis 01.05.2021 ARD Von Christian Schulze

red/sid/dpa | Stand: 03.05.2020, 09:09

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