Der Fußball wartet auf politische Signale aus Berlin

Der Spielball der Fußball-Bundesliga-Saison 2019/20

Geisterspiele der Profiklubs ab Mai?

Der Fußball wartet auf politische Signale aus Berlin

Kurz nach Ostern geht es auf politischer Ebene um mögliche Lockerungen der Corona-Restriktionen. Dies wird auch den Wiederbeginn der Fußballsaison betreffen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) feilt schon am Masterplan für Anfang Mai, doch einige Kritiker warnen noch.

Zwei Eckpunkte machte der seit Wochen im Fokus stehende Liga-Boss Christian Seifert in den Tagen vor dem ungewöhnlichen, fußballlosen Osterfest deutlich. Zum einen: DFL und Vereine werden bereit und gewappnet sein für den wochenlangen Ausnahmezustand, der derzeit trotz Coronakrise noch immer eine Beendigung der Liga-Saison bis 30. Juni ohne Zuschauer in den Stadien vorsieht.

Zum anderen: "Es wird nicht der Fall sein, dass auch nur eine Ärztin, ein Arzt, eine Krankenschwester oder ein Krankenpfleger, die für das System wirklich relevant sind, nicht getestet werden kann, weil Fußballspieler getestet werden müssen", stellte Seifert in der "New York Times" klar. Auch FIFA-Präsident Gianni Infantino ließ mit einer ordentlichen Portion Pathos verlauten: "Kein Spiel, kein Wettbewerb, keine Liga ist es wert, auch nur ein einziges Menschenleben zu riskieren."

Kritische Stimmen aus der Politik

Aus der Politik gibt es bezüglich einer baldigen Saisonfortführung durchaus Zweifel. SPD-Politiker Karl Lauterbach sagte dem "Spiegel": "Fußball wäre theoretisch nur denkbar, wenn die Spieler ein paar Tage vor dem Spiel getestet und dann bis zum Spielbeginn isoliert würden, damit sie sich nicht gegenseitig infizieren. Hat sich ein Spieler angesteckt, müssen er und alle Mannschaftskollegen in Quarantäne." Das würde erhöhte Test-Kapazitäten für den Fußball, monatelange Einschränkungen und strikte Maßnahmen für die Profis bedeuten, um eine Beendigung der Saison zu ermöglichen.

Während Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) den Ball "vielleicht absehbar" wieder rollen sieht und einen Konsens der Bundesländer mit Blick auf die angestrebten "Geisterspiele" anstrebt, sieht das der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer ganz anders. "Ich bin weiter der Auffassung, dass das keine gute Idee ist", äußerte der SPD-Politiker.

Bringt die Woche nach Ostern Aufschluss?

Wie politische Entscheidungen mit Blick auf den Fußball aussehen, soll sich bei den Beratungen zwischen der Bundesregierung und den Ländern zeigen. Am Mittwoch (15.04.2020) wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder über ihr weiteres Vorgehen in der Krise beraten. Auch davon wird abhängen, worüber das DFL-Präsidium und die 36 Profi-Vereine sprechen.

Die nächste außerordentliche DFL-Mitgliederversammlung steht am 23. April an. Es ist nach Mitte März und Ende März bereits die dritte in der Corona-Krise. Bisher wurde jeweils die Aussetzung der Ligen bis zu einem gewissen Zeitpunkt beschlossen, diesmal könnte es um einen Starttermin für die Wiederaufnahme gehen.

Fußball-Bundesliga: Wann und wie rollt der Ball wieder? Mittagsmagazin 09.04.2020 02:30 Min. Verfügbar bis 09.04.2021 Das Erste

In der Diskussion: Spiele ohne Zuschauer

Schon länger wird über die Möglichkeit diskutiert, die Fußballsaison mit Spielen ohne Zuschauer zu Ende zu bringen. Die DFL hat den Vereinen darüber ein Szenario an die Hand gegeben, in dem zunächst mit 239 Personen gerechnet wird.

Beim bis dato einzigen Geisterspiel (Mönchengladbach gegen Köln am 11. März) waren es noch etwa 600 Menschen. Nun sollen zum Beispiel weniger Ordner und weniger Balljungen eingesetzt werden, zudem soll es überhaupt kein Catering mehr geben. Auch für die Vereine sind pro Delegation nur acht Personen vorgesehen.

Wie groß sind die Finanzsorgen der deutschen Profiklubs?

Eine wichtige Determinante für die DFL: Die bereits eingeplanten TV-Gelder dürften für mehrere Profi-Klubs existenziell werden. So appellierte der FC Schalke 04 bereits an seine Dauerkartenbesitzer, von Rückforderungen für die verbleibenden Heimspiele abzusehen. Paderborns Geschäftsführer Martin Przondziono sagte bei "Sport1": "Es ist nicht so, dass wir nächsten Monat insolvent wären. Wir können das noch ein, zwei Monate hinauszögern, aber dann geht uns die Luft aus." Auch DFB-Präsident Fritz Keller fürchtet Insolvenzen und hält diese auch in der höchsten deutschen Spielklasse für möglich.

Viele Fragen sind noch offen

Für tragfähige Lösungen stehen derzeit aber noch zu viele Fragen im Raum. Diese reichen von den vorrangigen Gesundheitsaspekten über die Auswahl von Spielorten bis hin zu den nötigen Sicherheitsvorkehrungen. Alles steht und fällt mit den Vorgaben der Politik, die wohl in erster Linie über die schrittweise Öffnung von Schulen und weitere Lockerungen auf regionaler Ebene nachdenken wird. Das Schicksal von 13 Profiklubs, die angeblich von der Insolvenz bedroht sind, erscheint in diesem Zusammenhang zweitrangig.

jti/dpa/sid | Stand: 12.04.2020, 16:26

Darstellung: