Bundesliga will die Fans zurück - Politik macht Hoffnung

Das leere Stadion von Borussia Dortmund im Signal Iduna Park.

Rückkehr der Fans

Bundesliga will die Fans zurück - Politik macht Hoffnung

Zahlreiche Funktionäre aus dem Profifußball wollen eine Rückkehr der Zuschauer in die Stadien. In der laufenden Saison wird das wohl nicht mehr passieren - für die neue Saison gibt es aber Optionen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer ist ein wichtiger Fürsprecher der Forderung, Fußballspiele wieder vor Zuschauern auszutragen. In einem Interview mit der "Funke Mediengruppe" sagte Seehofer: "Ich habe schon die Zuversicht im Herzen, dass wir in der neuen Saison nach und nach wieder Publikum zulassen können. Nicht sofort, nicht wie vor dem Corona-Ausbruch, aber mit reduzierten Zuschauerzahlen und so, dass die Abstände zwischen den Stadionbesuchern eingehalten werden." Erst solle jedoch die laufende Saison zu Ende gespielt werden, sagte der CSU-Politiker, dessen Ministerium auch für den Sport verantwortlich ist.

FIFA-Präsident Gianni Infantino sagte in einer Videobotschaft an die 211 Mitgliedsverbände des Weltverbands: "Wir dürfen nicht vergessen, dass es einen Platz für die Fans geben muss. Fußball ohne Zuschauer ist nicht dasselbe." Aber der Fußball müsse geduldig sein.

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Die Idee: Nur wenige Plätze im Stadion mit Fans besetzen

In der Bundesliga gibt es mittlerweile einige Funktionäre, die über eine Öffnung der Tribünen unter der Beachtung der Abstandsregeln sprechen. "Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass in diesem Jahr wieder Spiele vor Zuschauern stattfinden werden", sagte Alexander Wehrle, Geschäftsführer des 1. FC Köln  und Mitglied im DFL-Präsidium, dem "Kölner Stadt-Anzeiger": "Wir beschäftigen uns beim 1. FC Köln schon länger damit, wie ein Teileinlass der Zuschauer in der neuen Saison wieder möglich werden und konkret aussehen könnte."

Ähnlich klingt das an anderen Bundesliga-Standorten. "Natürlich beschäftigen wir uns mit allen Optionen", sagte Borussia Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Bayern Münchens Vorstandsmitglied Oliver Kahn sagte bei "Sky": "Ich bin ein absoluter Freund davon, früher oder später wieder über Zuschauer nachzudenken." Auch Leverkusens Sportgeschäftsführer Rudi Völler äußerte sich hoffnungsvoll.

Negativbeispiel Ungarn wirft Fragen auf

Doch wie kann der Teileinlass aussehen? Wehrle sagte, es gebe "Möglichkeiten, durch eine Erweiterung des Organisations- und Hygienekonzepts der DFL diesen Teileinlass zu gewährleisten." In Köln könnten demnach möglicherweise rund 10.000 Menschen in das 50.000 Fans fassende Stadion gehen. Dafür spricht, dass sich Fans und Ultragruppen in Deutschland in der Krise bislang vorbildlich verhalten haben - es kam an den Stadien zu keinen Zwischenfällen.

Ein Konzept für Spiele mit wenigen Zuschauern hat auch Ungarn. Dort darf in Sitzreihen nur jeder vierte Platz besetzt werden, nur jede zweite Sitzreihe soll genutzt werden. Die Abstandsregel von 1,50 Metern gilt ohnehin. Doch beim ungarischen Pokalfinale sangen und sprangen die Fans hinter den Toren in nächster Nähe zueinander.

Das Spiel war ein Hinweis darauf, dass ein reduzierter Besuch schwierig umzusetzen sein wird, wenn man die Einhaltung der Abstandsregeln gewährleisten will. Lösungen braucht es auch für die An- und Abreise, den Einlass oder die Toiletten und die Verpflegung. Ein Konzept dafür liegt noch nicht vor.

Zuschauer zurück im Stadion - Ungarn legt vor Sportschau 01.06.2020 00:53 Min. Verfügbar bis 01.06.2021 Das Erste

Seehofer: "Werden kluge Lösungen finden"

In der Bundesliga sowie der 2. und der 3. Liga werden seit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs alle Partien ohne Zuschauer ausgetragen. Das Hygienekonzept der DFL war die Grundlage für die politische Entscheidung, die Spiele zuzulassen. Wird das Konzept nun gelockert? "Wir werden hier - wie in anderen Bereichen auch - kluge Lösungen finden, bei denen wir Lebensfreude und Infektionsschutz miteinander vereinen", sagte Seehofer. Auch Abgeordnete aus den Bundestagsfraktionen der SPD und der FDP forderten zuletzt, dass Spiele auch in Deutschland wieder mit Zuschauern möglich sein sollten. 

Kölns Geschäftsführer Wehrle warnt dabei vor Alleingängen einzelner Vereine. "Ich halte es für zielführend, dass wir da behutsam und zusammen mit der Politik eine einheitliche, bundesweite Lösung hinbekommen", erklärte er: "Es macht weniger Sinn, wenn einzelne Vereine vorpreschen. Dennoch steht jeder Klub in der Verantwortung, sich über dieses Konzept Gedanken zu machen."

Ein solches Konzept forderte Nordrhein-Westfalens SPD-Chef Sebastian Hartmann im Gespräch mit dem ARD-Hauptstadtstudio. Sein Vorschlag erinnert an die Regeln aus Ungarn: "Wenn Stehplätze gesperrt würden und bei Sitzplätzen beispielsweise nur jede zweite Reihe und jeder dritte Platz besetzt würde, wären diese Regeln gerade bei offenen Sportstadien gut zu gewährleisten."

nch/sid/dpa | Stand: 06.06.2020, 12:52

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