Bundesliga - die wichtigsten Fragen und Antworten zur Fortsetzung

Ein Spiel vor der leeren Südtribüne in Dortmund (Archivbild)

Coronavirus

Bundesliga - die wichtigsten Fragen und Antworten zur Fortsetzung

Von Chaled Nahar

Die Bundesliga nimmt ihren Sonderspielbetrieb auf. Der Ablauf der Spiele ohne Fans ist genau geplant, an vielen Details gibt es aber Kritik.

Die Sportschau beantwortet die wichtigsten Fragen zum Sonderspielbetrieb mit den sogenannten Geisterspielen in der Bundesliga und der 2. Bundesliga.

Wer darf ins Stadion?

Die Zahl von rund 300 Personen soll laut des DFL-Konzepts "Sonderspielbetrieb" nicht überschritten werden. Die Stadien werden in drei Zonen eingeteilt:

  • Innenraum: Dabei geht es um das Spielfeld und die unmittelbare Umgebung sowie die Kabinen und den Spielertunnel. Hier dürfen sich Spieler, Schiedsrichter, Funktionsteams der Mannschaften, "Ballkinder" (Mindestalter 16 Jahre), Ordnungsdienste sowie Personal der TV-Produktion aufhalten.
  • Tribüne: Hier sitzen einige wenige Journalisten sowie Kameraleute. Hinzu kommt die Leitstelle für die Stadionüberwachung. Die Klubs werden mit kleinen Delegationen zusehen dürfen.
  • Stadionaußenbereich: Hiermit ist das Gelände gemeint, bevor der öffentliche Raum beginnt. Ordnungspersonal und die Mitarbeitenden in den Übertragungswagen werden sich hier aufhalten dürfen.

In jeder der drei Zonen sollen sich etwa 100 Menschen aufhalten dürfen. Eine Verrechnung zwischen den Zonen ist in dem Konzept nicht vorgesehen.

Fragen und Antworten zum Neustart der Bundesliga Sportschau 15.05.2020 27:07 Min. Verfügbar bis 15.05.2021 Das Erste

Was passiert auf dem Platz?

Beim Torjubel sollen Umarmungen oder Abklatschen unterlassen werden, stattdessen sollen sich die Spieler nur kurz mit den Füßen oder dem Ellbogen berühren dürfen. Die Spieler wurden auch aufgefordert, nicht auf den Rasen zu spucken.

Einwechselspieler müssen auf der Bank Masken tragen. Auch die Trainer sollten dies ursprünglich tun, doch die DFL hob am Freitagnachmittag (15.05.20) dies mit der Begründung auf, die Coaches seien in ihrer Tätigkeit zu sehr eingeschränkt.

Wer wird wann getestet?

"Während der laufenden Saison wird eine zweimalige wöchentliche Durchführung von PCR-Tests als angemessen erachtet, in jedem Fall möglichst kurz vor jedem Spiel", heißt es in dem medizinischen Teil des Konzepts der DFL. In der Praxis werden alle Beteiligten am Tag vor einem Spiel oder am Spieltag selbst getestet. Der reine Labornachweis dauert zwischen vier und fünf Stunden, Boten könnten eine schnelle Einreichung von Proben in den Laboren sicherstellen, die zu schnellen Ergebnissen führen.

Es gibt auch Personengruppen in den Stadien, die nicht getestet werden. Dazu gehören die mindestens 16 Jahre alten "Ballkinder", aber auch die Bildregisseure, Kameraleute oder Kabelträger der DFL-eigenen Firma "Sportcast", die das TV-Signal produziert. Man fühle sich als "Menschen zweiter Klasse", zitiert die Süddeutsche Zeitung nicht genannte Mitarbeiter.

Was passiert bei einem positiven Test?

Ein positiver Test muss den Gesundheitsbehörden gemeldet werden. Diese entscheiden dann, ob die Mitspieler eines infizierten Spielers nach Definition des Robert-Koch-Instituts Kontaktpersonen der Kategorie 1 oder 2 sind. Für die Kategorie 1 wird angenommen, dass zwei Menschen zusammengerechnet 15 Minuten engeren Kontakt hatten, beispielsweise in einem persönlichen Gespräch.

Sind die Mitspieler in Kategorie 1 zu verorten, muss das komplette Team 14 Tage in Quarantäne. Durch ihr Hygienekonzept, das beim Trainingsbetrieb wie im Stadion auch auf schlichten Grundregeln wie Abstandhalten, Händewaschen, Desinfizierungen oder dem Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes basiert, hofft die DFL auf eine Einstufung der Spieler in Kategorie 2.

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In Dresden sah das Gesundheitsamt die Lage anders, nachdem es wiederholt zu positiven Tests kam und das Mannschaftstraining mit Zweikämpfen begonnen hatte - die ganze Mannschaft musste für zwei Wochen in Quarantäne. Für die DFL ist von entscheidender Bedeutung, wie die Ämter diese Kategorisierung in den kommenden Wochen bei positiven Tests vornehmen.

Was passiert, wenn ein Schiedsrichter positiv getestet wird?

Das Team der Schiedsrichter besteht weiter aus vier Personen, einen Beobachter gibt es im Sonderspielbetrieb nicht. Die Anreise erfolgt meist getrennt voneinander. Kommt es zu einem positiven Test im Team der Unparteiischen, soll ein Ersatz anreisen. Ist das nicht möglich, beispielsweise an etwas abgelegeneren Standorten wie Leipzig oder Freiburg, müssen die anderen drei die Rollen neu verteilen. In den Spielen dort werden deshalb vorzugsweise Bundesliga-Schiedsrichter als vierte Offizielle angesetzt, um im Ernstfall einspringen zu können. Die Schiedsrichter reisen am Spieltag an und werden am Tag davor getestet.

Neu ist, dass Schiedsrichter Mannschaften aus ihrem Landesverband pfeifen dürfen. Spiele von Mannschaften aus ihrer Stadt bleiben weiter ausgeschlossen. Felix Brych aus München dürfte also ausnahmsweise den FC Augsburg pfeifen, zum FC Bayern darf er aber weiterhin nicht.

Wann kann ein Spiel noch abgesagt werden?

Spiele können zu jeder Zeit abgesetzt werden, auch wenn das kurzfristig erforderlich wird. Das gilt bei extremen Wetterverhältnissen oder Stromausfällen wie auch bei einer Quarantäne einer kompletten Mannschaft. Kommt es am Tag vor einem Spiel oder am Spieltag selbst zu einem positiven Test, müssen die Gesundheitsbehörden aktiv werden. Entscheiden sie sich zu einer Gruppenquarantäne einer oder beider Mannschaften, kann das Spiel nicht stattfinden.

Bleibt es garantiert beim Heimrecht eines Klubs?

Nein. Die DFL teilte am Donnerstag (14.05.2020) mit, es gebe nun "die Möglichkeit, ein Spiel aus übergeordneten zwingenden rechtlichen, organisatorischen und/oder sicherheitstechnischen Gründen kurzfristig in einem anderen Stadion auszutragen". Hintergrund sei, dass regional ein unterschiedliches Infektionsgeschehen denkbar ist. Die Verlegung an einen neutralen Spielort ist bei Bedarf nun möglich. Am Ende könnte eine Mannschaft also weniger Heimspiele gehabt haben als eine andere.

Welche Schwächen hat das Hygienekonzept?

Das Konzept mag Risiken verkleinern und professionell erstellt sein, derzeit wird es aber an vielen Stellen nicht korrekt umgesetzt. Den neuesten Vorgang lieferte Heiko Herrlich, Trainer des FC Augsburg. "Wir sind im Hotel in Quarantäne und sollen da eigentlich auch nicht rausgehen. Aber es gibt Situationen, die es erfordern", sagte er und leitete damit eine Geschichte ein, bei der er von einem Gang zum Supermarkt sprach, um "Zahnpasta und Hautcreme" zu kaufen. Ein klarer Verstoß gegen das Konzept.

Zuvor hatte ein Video aus dem Alltag von Hertha BSC, das der Spieler Salomon Kalou veröffentlichte, nicht eingehaltene Abstandsregeln bei mehreren Personen gezeigt. Das Video belegt wahrscheinlich auch eine falsche Abstrichnahme während eines Coronatests bei einem Spieler. Das kann trotz des Verweises auf unabhängige Labore zu falschen negativen Ergebnissen führen.

Ein Kritikpunkt ist, dass die Klubs die Probeentnahmen selbst durchführen. Unvermögen oder schlimmstenfalls Manipulation könnten im Labor zu für die Klubs vorteilhafteren negativen Ergebnissen führen. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte im NDR mit Blick auf sportliche Drucksituationen: "Die Versuchung ist sehr groß, dass man nicht testet oder den Abstrich so macht, dass er nicht positiv sein kann."

Zudem werden Ausnahmen bei den Regeln des Konzepts ermöglicht: Darin ist vor der Wiederaufnahme des Spielbetriebs eine Quarantäne der Mannschaften von "mindestens sieben Tagen" vorgesehen. Für Borussia Mönchengladbach reichten der DFL bereits sechs Tage. Union Berlins Trainer Urs Fischer verließ am Mittwoch (13.05.2020) aus privaten Gründen die Quarantäne seines Klubs. In das Trainingslager seiner Mannschaft wird er zwar nicht zurückkehren. Doch wenn er am Samstag negativ getestet wird, darf er nach Vereinsangaben am Sonntag (17.05.2020) gegen Bayern München auf der Bank sitzen - ohne die Quarantäne eingehalten zu haben.

Was passiert bei Verstößen gegen das Hygienekonzept?

Das Konzept der DFL ist kein Gesetz, in der Spielordnung hat es zunächst auch gefehlt. Die DFL beschloss am Donnerstag (14.05.2020) die Aufnahme des Konzepts als Anhang in die Spielordnung. Damit habe es "auch rechtliche Verbindlichkeit für alle Clubs", teilte die DFL mit. Damit es aber zu Verfahren vor dem DFB-Sportgericht kommen kann, muss ein Verstoß gegen das Konzept auch als entsprechendes Vergehen gekennzeichnet sein. Die genaue Formulierung der neuen Spielordnung liegt bislang nicht vor.

Aktiv werden kann ansonsten nur das jeweilige Gesundheitsamt vor Ort. Die meisten Ämter arbeiten jeweils mit den Vereinen bei der Umsetzung des Konzepts zusammen. "Der 1. FC Köln trainiert nach einem mit dem Gesundheitsamt der Stadt Köln abgestimmten Konzept, wonach die Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes im Spielbetrieb umgesetzt werden", heißt es beispielsweise vom Gesundheitsamt Köln. Unklar bleibt, wie effektiv Kontrollen der Ämter sein können.

WDR und NDR haben die rund 400 Gesundheitsämter Deutschlands befragt, knapp die Hälfte antwortete. 67 Prozent davon teilten mit, dass sie gemessen an den Bund-Länder-Vorgaben nicht genügend Mitarbeiter haben, um die Verfolgung enger Kontaktpersonen gewährleisten zu können. Gesundheitsämter überwachen selbstverständlich nicht nur den Profifußball, sie haben derzeit auch viele gesundheitliche Fragen beispielsweise in Kindertagesstätten, Flüchtlingsunterkünften oder Schulen zu klären.

Das Hygienekonzept war die Grundlage für die Bund-Länder-Konferenz, dem Spielbetrieb zuzustimmen. In der Beschlussvorlage war eine verbindliche zweiwöchige Quarantäne vor der Wiederaufnahme des Spielbetriebs gestrichen worden.

Sind Ansammlungen von Fans zu befürchten?

Vertreter der Gewerkschaft der Polizei warnten mehrfach vor Fanansammlungen oder Protesten von Ultra-Gruppierungen vor dem Stadion. Allerdings deutet darauf derzeit nichts hin, im Gegenteil. Fanforscher wie Jonas Gabler aus Berlin oder Harald Lange aus Würzburg glauben nicht an Treffen der Anhänger. Lange hält die Diskussion, die dazu im Vorfeld geführt wurde, für "ein bisschen zu künstlich." Es gebe keinerlei belastbare Indizien. Ähnlich äußerte sich Gabler. Vielmehr hätten Ultras die Solidarität in der Krise beispielsweise mit Einkaufshilfen gestärkt.

Mehrere Ultragruppen riefen nun erneut dazu auf, nicht zu den Stadien zu kommen. Man werde "weder öffentliche noch interne Treffen für die Spiele veranstalten", schreiben die Ultras Düsseldorf beispielsweise. Die Kölner Gruppe DMC schließt eine kritische Erklärung zur Saisonfortsetzung mit den Worten: "Fans sind nicht dumm und Fans sind bei den kommenden Geisterspielen bestimmt kein Sicherheitsrisiko."

Die Polizei Dortmund appellierte im Vorfeld des Derbys zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 an alle Fans, nicht zum Stadion zu kommen. Zugleich sagte ein Sprecher, dass die Gefahr von ganz woanders kommen könnte. Gemeint ist: Die derzeit in mehreren deutschen Städten demonstrierende Allianz aus Impfgegnern, Verschwörungstheoretikern und Rechtsextremisten könnte sich eine neue Öffentlichkeit vor den Stadiontoren suchen.

Warum sind viele Fans gegen die Geisterspiele?

Die Ablehnung der aktiven oder organisierten Fanszene und Ultras basiert auf dem Vorwurf, dass sich der Profifußball alleine von finanziellen Erwägungen leiten lässt. Mehrere Gruppierungen forderten DFL und DFB auf, in der Krise ein Umdenken einzuleiten. In einem Interview mit dem ZDF räumte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert ein, worum es geht. "Das ist eine rein von der wirtschaftlichen Überlegung getriebene Entscheidung", sagte er mit Blick auf die Spiele unter Zuschauerausschluss. Genau das ist der Kritikpunkt.

Unter dem Namen "United supporters of Europe" fordern Gruppierungen aus mehreren Ländern eine Aussetzung des Spielbetriebs in allen europäischen Ligen, bis in den Stadien wieder Zuschauer zugelassen sind: "Nein zum Fußball ohne Fans!" Es sei unverständlich, dass wirtschaftliche Interessen über die Gesundheit der Menschen gestellt würden.

Wie denken die Spieler über die Fortsetzung?

Authentische öffentliche Aussagen gibt es nur wenige. Eine ist die von Kölns Mittelfeldspieler Birger Verstraete, der im belgischen Fernsehen seine Verwunderung äußerte, dass er nicht in Quarantäne gesteckt wurde, nachdem er mit drei infizierten Personen im Umfeld des 1. FC Köln Kontakt hatte. Zudem äußerte er Sorge um seine Lebensgefährtin, die eine Vorerkrankung hat.

Neven Subotic beklagte im Deutschlandfunk eine mangelnde Beteiligung der Spieler. "Wir als Spieler in Deutschland wurden informiert, nachdem alle Entscheidungen über den weiteren Verlauf gefallen sind", sagte der Verteidiger von Union Berlin. Marc Lorenz vom Zweitligisten Karlsruher SC kritisierte in den Badischen Neuesten Nachrichten: "Es ist für mich ein Durchdrücken ohne Rücksicht auf Verluste."

Einige Spieler äußerten dagegen "Vorfreude", so beispielsweise Martin Hinteregger von Eintracht Frankfurt und Lukas Hradecky von Bayer Leverkusen.

Wie viele Auswechslungen darf eine Mannschaft pro Spiel vornehmen?

Die DFL hat die Möglichkeit wahrgenommen, dass die Teams künftig fünf statt bisher drei Mal pro Spiel auswechseln dürfen. Dabei darf es pro Team höchstens zu drei Spielunterbrechungen kommen, um Zeitspiel zu verhindern. Kommt es zu einer Verlängerung, beispielsweise in der Relegation, ist weiterhin ein zusätzlicher Wechsel möglich - dann wären es also sechs.

Die Fußball-Regelhüter des IFAB hatten diese Regel auf Vorschlag der FIFA zunächst bis zum Saisonende befristet beschlossen. Hintergrund ist, dass durch die wegen des Coronavirus veränderten Spielpläne für viele Teams in kurzer Zeit viele Spiele anstehen, und das möglicherweise in den heißesten Monaten des Jahres.

Was ist eigentlich mit Doping?

Die Legende, dass Doping im Fußball nicht vorhanden oder nicht von Vorteil sei, ist lange überholt. Die Spieler wurden in den vergangenen beiden Monaten wenig kontrolliert, die Kontaktbeschränkungen stellten das Dopingkontrollsystem im gesamten Sport vor große Probleme. Ob Spieler sich bei Verletzungen oder im individuellen Training mit verbotenen Substanzen weitergeholfen haben, kann nun nicht mehr nachgewiesen werden.

Die Nationale Antidoping-Agentur teilte der Sportschau auf Anfrage mit, dass die Kontrollen bei den Spielen wieder regulär laufen. Ungenannt bleibe dabei stets die Zahl der Spiele und die Zahl der Spieler, die überprüft werden. "Das System soll nicht ausrechenbar sein", sagte eine Sprecherin.

Was passiert, wenn die Saison doch abgebrochen wird?

Die DFL hat in ihren Statuten nie festgelegt, was bei einem Saisonabbruch passiert. Bei einer Konferenz gab es zwischen den Klubs Streit. Die Optionen sind eigentlich klar: Man könnte die letzte Tabelle als Abschlusstabelle nehmen, auch die Hinrundentabelle wäre eine Option oder man streicht die komplette Saison. Am Donnerstag teilte die DFL nach ihrer Mitgliederversammlung mit, dass "innerhalb der nächsten beiden Wochen eine Regelung hinsichtlich der sportlichen Wertung entwickelt werden" soll. Die Saison wird also zunächst weitergehen, ohne dass Klarheit über diesen Fall herrscht.

Vermeiden will die DFL den Abbruch ohnehin mit aller Macht. Bei der Mitgliederversammlung wurde beschlossen, die Saison notfalls auch im Juli auszutragen. Weil viele Verträge mit Spielern oder Sponsoren am 30. Juni enden, gilt dieser Termin logischerweise als gewünschtes Saisonende. In Stein gemeißelt ist er nun nicht mehr. Das DFL-Präsidium ließ sich von den Klubs die Befugnis erteilen, das Saisonende, den Saisonbeginn und die Transferfenster verlegen zu dürfen.

Stand: 15.05.2020, 08:25

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