Zu kurze Quarantäne bei Gladbach bleibt ohne Sanktionen

Das Hotel am Borussia-Park, in dem die Gladbacher Spieler wohnen (Archivbild)

Coronavirus

Zu kurze Quarantäne bei Gladbach bleibt ohne Sanktionen

Von Chaled Nahar und Marcus Bark

Das Konzept zum Sonderspielbetrieb der Bundesliga und der 2. Bundesliga schreibt sieben Tage Quarantäne vor dem ersten Spiel vor. Borussia Mönchengladbach spielt am Samstag in Frankfurt, befindet sich aber erst seit Montag im Quarantänehotel. Sanktionen bleiben aus. Die Politik hat neue Fragen.

Als Gladbachs Spieler am Montag (11.05.2020) in das Hotel in nächster Nähe zum Borussia-Park einzogen, schrieb der Klub bei Twitter: "Die Bedingungen sind optimal, um alle Sicherheitsvorkehrungen des DFL-Konzepts einzuhalten." Die Bedingungen sind möglicherweise optimal - aber alle Vorkehrungen des Konzepts hat der Klub nicht umgesetzt.

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Eberl: "Hotel erst seit Montag geöffnet"

Denn im Konzept der DFL steht auf Seite 5: "Als weitere Sicherungsmaßnahme werden mindestens die letzten sieben Tage vor Saisonbeginn als Trainingslager in Quarantäne verbracht." Gladbach spielt bei der Wiederaufnahme des Spielbetriebs am Samstag (16.05.2020, 18:30 Uhr) bei Eintracht Frankfurt. Zudem reist der Klub bereits am Freitag an. Das dortige Hotel in Frankfurt ist nach Gladbacher Angaben zwar ebenfalls auf die Umstände vorbereitet. Die Zeit von "mindestens sieben Tagen" in Quarantäne wird trotzdem unterschritten.

Eberl: "Erst seit Montag im Quarantänehotel" Sportschau 12.05.2020 00:55 Min. Verfügbar bis 12.05.2021 Das Erste

"Wir waren eigentlich die ganze Zeit auf Sonntag terminiert", sagte Sportdirektor Max Eberl unter Berufung auf den alten Spielplan des 26. Spieltags, der das Gladbacher Spiel in Frankfurt am Sonntag (21.03.2020, 15:30 Uhr) vorgesehen hatte. Die Liga habe das Spiel nun "kurzfristig" auf Samstag gelegt, so Eberl. Er habe dann mit der Task Force und der DFL Rücksprache gehalten, weil eine vorgeschriebene Quarantäne-Zeit nicht möglich gewesen sei. "Unser Hotel konnte erst am Montag geöffnet werden", sagte Eberl während einer Pressekonferenz.

"Daher gibt es keine Konsequenzen"

Diese Version bestätigte die DFL auf eine schriftliche Anfrage der Sportschau. "Die 'Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb' hat das medizinische Konzept entwickelt. Im Zusammenwirken aller Vorgaben und Maßnahmen, insbesondere einer Bildung von zwei isolierten Bereichen für die Spieler/Trainer/Betreuer im Klub und zu Hause, hat die Task Force das sechstägige Trainingslager als vertretbar beurteilt", heißt es in der Antwort der DFL. "Daher", so die DFL weiter, "gibt es keine Konsequenzen."

Auf den vorzeitigen Umzug der Borussia nach Frankfurt am fünften Tag der Quarantäne ging die DFL nicht ein, wie auch nicht auf andere Fragen. "Darüber hinaus kommentieren wir das Thema derzeit nicht", heißt es von der Liga.

DFL hat noch keine Sanktionsmöglichkeiten

Das sogenannte Hygienekonzept war der hauptsächliche Grund dafür, dass die Regierungsspitzen von Bund und Ländern der DFL am 6. Mai die Erlaubnis erteilten, in der zweiten Mai-Hälfte die Saison fortzusetzen. Es wurde zumindest nach außen so vermittelt, als sei die strikte Umsetzung eine Bedingung für das positive Signal der Politik.

Die Mitglieder des Sportausschusses des Deutsche Bundestags erfuhren aber schon am selben Tag, dass zumindest der DFL weitestgehend die Hände gebunden sind. Als Gast der nicht-öffentlichen Ausschusssitzung wird DFL-Präsidiumsmitglied Ansgar Schwenken in einer Pressemitteilung des Deutschen Bundestags zitiert.

Demnach kontrolliere die DFL die Einhaltung des Hygienekonzeptes in Stichproben. Die Verantwortung liege jedoch beim Verein und dem von dem Verein eingesetzten Hygienebeauftragten. "Schwenken räumte zugleich ein, dass die Sanktionsmöglichkeiten der DFL gegenüber den Vereinen bei Verstößen aktuell sehr gering seien", so der Deutsche Bundestag: "Man plane aber eine Satzungsänderung, damit die DFL verbandsrechtliche Durchsetzungsmöglichkeiten erhält."

Satzungsänderung geplant

Schon am Tag nach der Ausschusssitzung kamen Verteter der 36 Klubs und das Präsidium der DFL zu Beratungen zusammen. Warum das Konzept nicht schon am 7. Mai per Beschluss verbindlich in die Spielordnung der DFL integriert worden sei, beantwortete die DFL auf Anfrage der Sportschau nicht.

Sie teilte am Dienstag (12.05.2020) allerdings mit, dass zwei Tage später eine weitere außerordentliche Mitgliederversammlung per Videokonferenz abgehalten werde. Einer der Tagesordnungsordnungspunkte: eben jene verbindliche Integration des Konzepts der "Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb" als Anhang in die Spielordnung der DFL.

Kontrollinstanz bleiben wohl die Gesundheitsämter

Die entscheidenden Kontrollinstanzen blieben aber auch nach der verbindlichen Integration wohl die Gesundheitsämter. Daher fragte die Sportschau bei der Behörde in Mönchengladbach an, ob die verkürzte Quarantäne Folgen für die Borussia haben werde. Schriftlich teilte das Gesundheitsamt mit, "dass uns die Verlegung des Zeitpunktes des Spieles mitgeteilt wurde und die daraus resultierende scheinbare Verkürzung der Quarantänezeit nach sorgfältiger Prüfung keine Verletzung der Mindestanforderungen gemäß des Infektionsschutzgesetzes oder der Corona-Schutzverordnung darstellt. Die Vorgaben des Hygienekonzeptes sind inhaltlich eingehalten worden. Aus diesem Grund ergibt sich aus gesundheitsamtlicher und medizinischer Sicht zum jetzigen Zeitpunkt kein Handlungsbedarf."

Auf die Goldwaage sollte das Konzept der DFL also besser nicht gelegt werden, denn dann wäre ein Hotelbezug am Montagabend mit Abreise am folgenden Freitag nicht mit "mindestens die letzten sieben Tage vor Saisonbeginn als Trainingslager in Quarantäne" inhaltlich zu vereinbaren.

Anfrage der Grünen an die Bundesregierung

Da es weiterhin Irritationen um Kompetenzen und Zuständigkeiten hinsichtlich des Hygienekonzeptes gibt, bohrt nun die Politik nach. Nach Informationen der Sportschau hat die Partei Bündnis 90/Die Grünen eine Anfrage an die Bundesregierung gerichtet. Darin will sie wissen, wer die Einhaltung des Hygienekonzeptes genau kontrolliere. Außerdem soll die Bundesregierung beantworten, welche Konsequenzen Verstöße gegen das Konzept oder auch gegen die von Bund und Ländern in den vergangenen Wochen beschlossenen Maßgaben für eine Fortsetzung des Spielbetriebs in der Bundesliga und 2. Liga hätten.

Stand: 12.05.2020, 17:56

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