Bremen und Bielefeld verweigern Abstellung - Länderspiele ohne viele Bundesligaprofis?

Milos Veljkovic (l.) und Marco Friedl vom SV Werder Bremen

Nationalspieler

Bremen und Bielefeld verweigern Abstellung - Länderspiele ohne viele Bundesligaprofis?

Werder Bremen und Arminia Bielefeld stellen einen Großteil ihrer Nationalspieler nicht für die anstehenden Länderspiele ab. Hoffenheims Direktor Profifußball Alexander Rosen berichtet von Spielern, die "mit Sorge" in seinem Büro vorsprechen.

Der Weltverband FIFA hatte im Oktober die Regeln zur Abstellungspflicht bis zum Jahresende geändert. Demnach müssen Klubs ihre Nationalspieler nicht abstellen, wenn am Ort des Vereins oder am Ort des Länderspiels "eine zwingende Quarantäne oder Selbstisolation von mindestens fünf Tagen" einzuhalten ist oder "eine Reisebeschränkung" für eine dieser Städte besteht. Wenn die örtlichen Behörden den jeweiligen Nationalmannschaften für diese Fälle eine "spezifische Ausnahmebewilligung" ausgestellt haben, müssen die Vereine ihre Nationalspieler hingegen weiter abstellen.

Quarantänepflicht durch Bremer Gesundheitsamt

Das Bremer Gesundheitsamt schreibt aber konsequent eine Quarantäne von fünf Tagen nach einer Rückkehr aus einem Corona-Risikogebiet vor. Einzig der tschechische Torhüter Jiri Pavlenka könnte somit zur Partie gegen Deutschland am Mittwoch (11.11.2020) in Leipzig reisen, weil Sachsen kein Risikogebiet ist. "Wir haben mit unseren Spielern und den Verbänden gesprochen. Wir wissen, dass die Spieler gerne zu ihren Teams reisen würden. Allerdings können wir das Risiko vor dem Hintergrund der Gesamtsituation nicht eingehen", erklärte Frank Baumann, Geschäftsführer-Fußball beim Bundesliga-Neunten.

Betroffen von dieser Maßnahme sind die Werder-Profis Yuya Osako (Japan), Josh Sargent (USA), Milos Veljkovic (Serbien), Milot Rashica (Kosovo) und Marco Friedl (Österreich).

Auch Bielefeld behält Spieler "zu Hause"

Gibt es die Quarantänepflicht nicht, beziehungsweise existiert die genannte Ausnahmeregelung, haben die Klubs keine Wahl. Eine solche gibt es aber in Bielefeld nicht. Sergio Córdova, Jóan Símun Edmundsson, Cebio Soukou und Ritsu Doan werden nicht für ihre Nationalmannschaften freigegeben.

Zudem erlässt der Bund ab dem 8. November eine neue Musterquarantäne-Verordnung, nach der man sich bei Rückkehr aus dem Risikogebiet mit einem negativen Test die Quarantäne nicht mehr automatisch sparen kann. Inwieweit die Länder dem Muster dann folgen, ist noch offen. Bei Branchenführer Bayern München hat Trainer Hansi Flick auch noch nicht den kompletten Überblick. "Wir sind dabei, Informationen von den Nationalverbänden zu sammeln. Aber im Moment sieht es so aus, dass wir alle gehen lassen", sagte Flick, der weiß: "Jeder einzelne geht gerne zu den Nationalmannschaften und spielt gerne für sein Land." Schalkes Trainer Manuel Baum gibt sich da nicht so tolerant. "Wir hätten gerne alle Spieler bei uns", sagte der Coach. "Aber die Regularien sind Ländersache, wenn ich das richtig verstanden habe", ergänzte Baum.

Stuttgart wird wohl Spieler abstellen

Stuttgarts Trainer Pellegrino Matarazzo wird seinen Spielern die Reise voraussichtlich ermöglichen: "Es gilt, eine gute Kommunikation mit den Gesundheitsämtern herzustellen. Wir sind mit allen in Kontakt." Er gehe davon aus, dass die Spieler reisen könnten: "Soweit ich weiß, gibt es nur noch einen oder zwei, bei denen wir Grünes Licht brauchen."

Über die Anzahl der endgültigen Nominierungen will der VfB nach dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt am Samstag (07.11.2020) informieren. Zuletzt waren sieben Profis der Schwaben mit ihren Nationalteams unterwegs - darunter die Leistungsträger Wataru Endo (Japan), Sasa Kalajdzic (Österreich) und Orel Mangala (Belgien U21). Der SC Freiburg kündigte an, mit den jeweiligen Verbänden "Gespräche zu führen".

Rosen: "Spieler sprechen mit Sorge bei mir vor"

"Ich bin sehr unsicher, ob das der richtige Weg ist, so viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern und unterschiedlichen Klubs zusammenkommen und reisen zu lassen", erklärte Alexander Rosen gegenüber der Sportschau und erneuerte damit seine Kritik, die er nach der jüngsten Abstellungsperiode im Oktober bereits angebracht hatte. Damals - und heute - ging es nicht nur um eine Infektionsgefahr, sondern auch um die Belastung, die durch drei Spiele innerhalb von sieben Tagen noch einmal gesteigert würde.

Hoffenheims Alexander Rosen kritisiert Länderspiel-Ansetzungen

Sportschau 05.11.2020 00:19 Min. Verfügbar bis 05.11.2021 ARD


Das "Torjägerduell" in der Bundesliga zwischen Dortmunds Erling Haaland und Hoffenheims Andrej Kramaric musste damals ausfallen, weil Kramaric aufgrund eines positiven Coronatests in Quarantäne war und Haaland nach drei Länderspielen für Norwegen nur Kraft für eine späte Einwechslung hatte.

Mit den europaweit seither weiter gestiegenen Infektionszahlen gibt es, genau wie gerade im Handball, anhaltende Diskussionen um die Sinnhaftigkeit von Länderspielreisen, die ja die eigentlich gebotene Kontaktreduzierung ad absurdum führt. Das beschäftige, so Rosen, auch die Spieler: "Wir haben seit Jahren mit die meisten Nationalspieler. Wir stellen seit Jahren mit einem guten Gefühl ab, wir wissen wie wichtig das den Jungs ist. Aber ich mache so eine Aussage nicht aus der kalten Schulter. Ich hatte natürlich auch viele Spieler bei mir im Büro, die auch Sorge haben. Die auch nicht abschätzen können, wohin die Reise geht. Es gilt hier einfach auch, auf die Bedürfnisse, Wünsche und Gefühlslage der Spieler einzugehen."

Rosen: "Ich hatte viele Spieler im Büro, die Sorge haben"

Sportschau 05.11.2020 00:45 Min. Verfügbar bis 05.11.2021 ARD


DFB-Elf wohl kaum betroffen

Für deutsche Nationalspieler aus der Bundesliga, die ja mit dem Testspiel gegen Tschechien und dem Nations-League-Duell mit der Ukraine drei Tage später zwei Heimspiele und im Anschluss noch das Auswärtsspiel in Spanien haben, dürfte diese Regelung angesichts der Spielorte wohl keine übergeordnete Rolle spielen.

Unmittelbar vor dem Abflug als auch unmittelbar nach der Landung sind Testungen vorgesehen, sodass alle Beteiligten die 48-Stunden-Frist wahren und - ein negatives Testergebnis vorausgesetzt - sich "nach der Rückkehr nach Deutschland grundsätzlich nicht in Quarantäne begeben müssen", teilte der DFB mit.

red/sid | Stand: 06.11.2020, 15:38

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