Warten auf Signale der DFL

DFL-Chef, Christian Seifert.

DFL-Präsidium tagt zu Coronavirus

Warten auf Signale der DFL

Die Fußball-Bundesliga sucht nach möglichen Szenarien, die Saison trotz Corona-Pandemie zu Ende zu spielen. Inzwischen wächst auch der Druck von Politik und Gesundheitsbehörden.

Ein kurzer Blick in die Glaskugel - Gedankenspiele sind ja noch erlaubt, auch wenn die Corona-Pandemie das kulturelle und soziale Leben lahmlegt, inklusive des Fußballs: Die Liga startet wieder mit dem Revierderby. Drei Tage später gibt es gleich das nächste Derby, zwischen den rheinischen Rivalen Köln und Düsseldorf. Zeitgleich empfängt Mönchengladbach Leverkusen zum möglichen vorgezogenen Endspiel um Platz vier. Und keine 72 Stunden später steht auch schon der Ligagipfel zwischen Dortmund und dem FC Bayern an. Nachdem oder bevor die Münchner noch schnell das Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen den FC Chelsea gespielt haben.

So oder ähnlich könnte es aussehen, sollte tatsächlich irgendwann der Ball wieder rollen und die Saison zu Ende gespielt werden - wie es ja der erklärte Wille der Mächtigen im deutschen Fußball ist. Mit einem extrem verdichteten Spielkalender aus englischen Wochen. Und, damit haben sich offenbar alle Klubs und Vermarkter schon abgefunden, unter Ausschluss von Zuschauern.

Seifert zu Geisterspielen: "Einzige Überlebenschance"

Wichtig ist, dass überhaupt gespielt wird und weiter TV-Gelder und Sponsoreneinnahmen fließen. 750 Millionen Euro, so die Schätzungen, werden den 36 Profiklubs im Falle eines Abbruchs der Saison an Einnahmen fehlen. Geisterspiele seien in der nächsten Zeit "für viele Klubs die einzige Überlebenschance", so DFL-Chef Christian Seifert gegenüber der "Süddeutschen Zeitung".

Bei einer für Dienstag (24.03.2020) angesetzten Schaltkonferenz der Deutschen Fußball-Liga (DFL) ging es deshalb auch um die Frage, wie die Liga der drohenden finanziellen Schieflage, vor allem der kleineren Klubs, begegnen kann. Mehrere Klubs haben bereits angekündigt, auf Teile der Gehälter bei Profis und Managern zu verzichten, auch aus Solidarität gegenüber den eigenen Angestellten. Auch ein Solidarfonds, mit dem die Schwergewichte der Liga den finanzschwächeren Klubs unter die Arme greifen, wird als immer konkreteres Modell diskutiert.

DFL berät über Fortsetzung der Saison

Im Vordergrund steht aber die entscheidende Frage, wann wieder gespielt werden kann. Der ursprünglich anvisierte Termin für eine Saisonfortsetzung am ersten Aprilwochenende wurde von der DFL schon vor der Sitzung als unrealistisch eingestuft. Gerechnet wird mit einer Absage aller Spieltage mindestens bis Ende April, so lange setzt - Stand jetzt - etwa die englische Premier League aus. Dann könnte in einer erneuten Bewertung die Pause nochmals bis Ende Mai verlängert werden. Als Deadline für alle Szenarien, die Saison zu Ende zu spielen, gilt weiterhin der 30. Juni, dann laufen erste Verträge mit Spielern, aber auch mit Trainern und Managern, aus.

Jurist: Fortsetzung der Bundesliga-Saison derzeit kaum möglich

Sportschau 24.03.2020 02:09 Min. Verfügbar bis 24.03.2021 ARD Von Daniela Müllenborn

DFL-Vollversammlung am 31. März

Erwartet wird, dass die DFL den 36 Profiklubs am Mittwoch eine Absichtserklärung vorlegt, die einen Termin für einen möglichen Wiederbeginn sowie denkbare Spieltags-Szenarien enthält. Ein endgültiger Beschluss soll bei der DFL-Vollversammlung aller Vereine am 31. März fallen - sofern es bis dahin nicht eine neue, bedrohlichere Gesamtlage infolge der Corona-Pandemie gibt.

Kontaktsperren verhindern auch Mannschaftstraining

Hinzugekommen als neues Problem sind die verschärften Aufenthaltsbeschränkungen, die die Bundesländer am vergangenen Wochenende auf den Weg gebracht haben. Das seitdem geltende Kontaktverbot, wonach Zusammenkünfte von mehr als zwei Personen untersagt sind, hat "sehr weitreichende Konsequenzen für den deutschen Fußball", sagte Sportjurist Martin Gutzeit gegenüber dem WDR. Die Verordnung, die zunächst bis zum 20. April gilt, bedeute etwa in Nordrhein-Westfalen, dass nicht nur keine Spiele stattfinden dürften. Es könne auch nicht als Mannschaft trainiert werden, noch nicht einmal in Kleingruppen. "Zwingende, berufliche Gründe", die laut Verordnung zu einer Ausnahmeregelung führen könnten, seien für den Fußball nicht gegeben, betont Gutzeit: "Ich sehe im Moment nicht, wie ein Spiel -und Trainingsbetrieb stattfinden kann."

Für die Bundesligaklubs, die in der Zwischenzeit das Mannschaftstraining, wenn auch unter Vorsichtsmaßnahmen, wieder aufgenommen haben, bedeutet dies, dass sie die Spieler nun wieder ins Einzeltraining nach Hause schicken müssten - anderenfalls drohen bei Verstößen Bußgelder, im Ernstfall sogar Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren.

Dies könnte wiederum den Termin für eine Fortsetzung der Saison womöglich weiter nach hinten verschieben - ein Kaltstart von null auf hundert ist schwer denkbar, bei aller branchenweit bekräftigten Entschlossenheit, die Saison mit aller Macht zu Ende zu bringen.

Kein Fußball mehr in diesem Jahr?

Angesichts nach wie vor steigender Infektionszahlen wächst aber auch der gesellschaftliche Druck auf den Profifußball. Nach Einschätzung von Virologen wie Jonas Schmidt-Chanasit könne frühestens im kommenden Jahr wieder Fußball gespielt werden - selbst wenn die Zahl der Infizierten bald zurückgehen sollte.

red/sid/dpa | Stand: 24.03.2020, 12:19

Darstellung: