Gehaltsverzicht? Kurzarbeit? Große Umfrage unter allen DFL-Klubs

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Gehaltsverzicht? Kurzarbeit? Große Umfrage unter allen DFL-Klubs

Von Marcus Bark

Der deutsche Fußball klagt über herbe Einnahmeverluste in Zeiten der Corona-Pandemie und muss daher sparen. Die Sportschau hat bei den 36 Klubs der Bundesliga und 2. Liga nachgefragt, wie sie es mit einem Gehaltsverzicht und der Kurzarbeit halten.

Am Dienstag (31.03.2020) werden sich die 36 Vereine und Kapitalgesellschaften aus der Deutschen Fußball Liga (DFL) wieder beraten. Auch eine Abstimmung über die Empfehlung des DFL-Präsidiums steht an. Die Zustimmung, den Spielbetrieb bis zum 30. April auszusetzen, gilt als sicher. Frühestens im Mai werden also die von den Klubs so dringend benötigten Fernsehgelder fließen.

Zuschauereinnahmen dürften die Klubs für die laufende Saison ohnehin schon abgeschrieben haben, es drohen sogar Rückzahlungen. Wie also die hohen Ausgaben senken, wenn die Einnahmen zeitgleich gering sind und sogar wegbrechen?

Kurzarbeit ohne Einsparpotenzial bei Topverdienern

Die Gehälter für die Fußballer, Trainer und Führungsetagen belasten die Vereine hoch. Es liegt also nahe, dort zu sparen. Kurzarbeit ist zumindest bei den üppig bezahlten Spielern aus der Bundesliga kein Mittel, denn es gibt eine Bemessungsgrenze bei einem monatlichen Bruttogehalt von 6.890 Euro.

Topverdiener bei Bayern München und Borussia Dortmund kassieren pro Tag etwa das Vierfache. Das zeigt, welch enormes Einsparpotenzial der sogenannte Gehaltsverzicht birgt. Die Sportschau verschickte an die 36 Klubs der DFL einen Katalog mit Fragen zu den Komplexen Gehaltsverzicht und Kurzarbeit. Diese kann bei zahlreichen Angestellten abseits des Profibereichs die Ausgabenseite entlasten, weil die Bundesagentur für Arbeit Teile der Gehälter zahlt.

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Sportschau 26.03.2020 02:50 Min. Verfügbar bis 26.03.2021 ARD Von Christian Schulze

Hohe Rücklaufquote

Die Rücklaufquote war bis zur gesetzten Frist am Mittwoch (25.03.2020) hoch, nur acht Klubs reagierten auf die Anfrage nicht - unter ihnen auch der FC Bayern. Somit fehlt eine Bestätigung, dass "Stars und Verantwortliche" der Münchner auf "20 Prozent ihrer Gehälter" verzichten, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet.

Borussia Dortmund antwortete zunächst, dass "wir unternehmensinterne Vorgänge in der Regel nicht zum Gegenstand unserer Medienarbeit machen". Wenig später verbreitete der BVB dann, dass Spieler, Verantwortliche und Trainer auf "signifikante Teile ihrer Gehälter" verzichteten. So spare der Klub einen "zweistelligen Millionenbetrag" ein.

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Sportschau 24.03.2020 02:09 Min. Verfügbar bis 24.03.2021 ARD Von Philipp Hofmeister

Viele Klubs antworteten gebündelt auf die acht Fragen der Sportschau. Sie kündigten etwa Gespräche mit den Spielern an oder gaben bekannt, Signale empfangen zu haben. In der Tabelle findet das als "möglich" seinen Niederschlag. "Keine Angabe" heißt, dass die Klubs auf die Mail antworteten, aber entweder äußerst vage oder mit dem Hinweis, sich zu internen Dingen nicht in der Öffentlichkeit zu äußern.

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Bayer Leverkusen schrieb: "Wir sind der Meinung, dass das Thema Gehaltsverzicht nicht zu einem medialen Wettbewerb stilisiert werden sollte, sondern eher eine persönliche Einstellung widerspiegelt und entsprechend behandelt werden sollte. Man kann keinem Menschen eine Einstellung  'auferlegen'." Sollte der Verein sich weiterhin nicht zu einem Gehaltsverzicht äußern, hieße das nicht, "da passiert nichts".

Gladbach mit ausführlichen Antworten

Borussia Mönchengladbach gab als erster Bundesligist bekannt, dass es einen Gehaltsverzicht und auch einen Antrag auf Kurzarbeit für bestimmte Abteilungen im Klub geben werde. Über seinen Sprecher Markus Aretz beantwortete der Klub jede Frage, auch die, ob die nun eingesparten Gehälter später eventuell nachgezahlt würden. "Über eine Rückzahlung ist nicht gesprochen worden", heißt es in der Antwort der Borussia.

Gladbach, Union Berlin und der 1. FSV Mainz 05 sind die Klubs, die der Sportschau bestätigten, dass sie über einen Gehaltsverzicht und Anträge auf Kurzarbeit die Ausgaben senken wollen.

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Gehaltsverzicht und Kurzarbeit Bundesliga
VereinGehaltsverzichtKurzarbeit
FC Bayernkeine Antwortkeine Antwort
Bor. Dortmundjakeine Angabe
RB LeipzigAntwort angekündigtAntwort angekündigt
Bor. Mönchengladbachjaja
Bayer Leverkusenkeine Angabenein
FC Schalke 04jamöglich
VfL Wolfsburgkeine Angabekeine Angabe
SC Freiburgjakeine Angabe
Hoffenheimneinnein
1. FC Kölnjakeine Antwort
1. FC Union Berlinjaja
Eintracht Frankfurtkeine Angabekeine Angabe
Hertha BSCmöglichmöglich
FC Augsburgkeine Angabekeine Angabe
1. FSV Mainz 05jaja
Fortuna Düsseldorfjaja
Werder Bremenkeine Antwortkeine Antwort
SC Paderbornmöglichmöglich

In der 2. Liga äußerte sich Arminia Bielefeld deutlich. "Die Spieler der Lizenzabteilung, das Trainerteam und die Geschäftsführung haben sich zu einer Kombination aus Gehaltsverzicht und Stundungen bis zum 30. Juni dieses Jahres bereiterklärt. Das macht insgesamt ein Volumen von knapp einer Million Euro aus", erklärte Geschäftsführer Markus Rejek. Zudem hätten "alle Mitarbeiter der Verwaltung einer Kurzarbeitsregelung zugestimmt".

Es ist davon auszugehen, dass andere Klubs nachziehen. So bestätigte etwa Hannover 96, dass es ab April Kurzarbeit in der Geschäftsstelle geben werde und Trainer Kenan Kocak schon signalisiert habe, auf Teile seines Gehalts zu verzichten. Mit dem Mannschaftsrat sei auch schon darüber gesprochen worden.

Gehaltsverzicht und Kurzarbeit 2. Liga
VereinGehaltsverzichtKurzarbeit
Arminia Bielefeldjaja
VfB Stuttgartmöglichkeine Angabe
Hamburger SVkeine Angabekeine Angabe
1. FC Heidenheimkeine Angabekeine Angabe
SpVgg Greuther Fürthmöglichkeine Angabe
SV Darmstadt 98keine Angabekeine Angabe
Holstein Kielkeine Angabekeine Angabe
Erzgebirge Auekeine Angabeja
Hannover 96möglichja
SSV Jahn Regensburgkeine Angabekeine Angabe
FC St. Paulikeine Antwortkeine Antwort
VfL Osnabrückkeine Angabekeine Angabe
SV Sandhausenkeine Angabemöglich
1. FC Nürnbergmöglichmöglich
VfL Bochumjamöglich
SV Wehen Wiesbadenjakeine Angabe
Karlsruher SCjamöglich
Dynamo Dresdenkeine Antwortkeine Antwort

Abstimmung mit Betriebsrat bei Schalke

Unter den 36 Klubs, die unter dem Dach der DFL zusammengeschlossen sind, gibt es anscheinend nur wenige mit einem Betriebsrat. Ausdrücklich bejahte nur der FC Schalke eine entsprechende Frage. Bekannt ist allerdings, dass auch die an der Börse notierte Kapitalgesellschaft Borussia Dortmund, der VfL Wolfsburg, der HSV und der FC St. Pauli einen Betriebsrat haben. Die Schalker schrieben, dass es "in Abstimmung mit dem Betriebsrat eine konkrete Überlegung" sei, "Kurzarbeit zu beantragen".

Vier Optionen - so könnte die Bundesliga-Saison enden Sportschau 12.03.2020 03:52 Min. Verfügbar bis 12.03.2021 Das Erste

Stand: 29.03.2020, 17:26

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