Coronavirus - die Unsicherheit als Feind der DFL

Christian Seifert, Geschäftsführer der DFL GmbH und Sprecher des Präsidiums

Krisensitzung in Frankfurt

Coronavirus - die Unsicherheit als Feind der DFL

Von Marcus Bark

Es gab viele Fragen bei der Pressekonferenz der DFL, aber nur wenige Antworten. Das überraschte niemanden, denn die Unsicherheit, die DFL-Chef Christian Seifert als Feind ausmachte, ist überwältigend. Der Profifußball gab zu, dass er verletzlich ist.

Die 36 Profiklubs der Bundesliga und 2. Liga waren am Montag (16.03.2020) in der Frankfurter DFL-Zentrale zusammengekommen, um über eine Lage zu beraten, von der niemand weiß, wie sie sich in 48 Stunden darstellen wird, geschweige denn in 48 Tagen oder 48 Wochen. Die Erwartung an eine Pressekonferenz mit DFL-Chef Christian Seifert musste daher zu hoch sein.

Welcher Verein hält wie lange durch?

Dass nun auch formell beschlossen wurde, den 27. Spieltag auszusetzen, war schon keine richtige Nachricht mehr. Auch Seifert gab sich nicht der Illusion hin, dass ab dem 3. April wieder gespielt werden könne.

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Bis dahin will er aber zumindest eine Rückmeldung der Klubs haben, wer wie lange ohne Spiele durchhalte. "Extremstszenarien", nannte der Boss das. Es wird ihm niemand übel nehmen, den Superlativ gewählt zu haben.

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Der "größte Feind" sei das Coronavirus. Als "zweitgrößten Feind" machte er die "Unsicherheit" aus. Und diese Unsicherheit betreffe jeden Verein, egal ob Bayern München oder Holstein Kiel.

Ein Produkt muss verkauft werden

Christian Seifert war ehrlich betroffen und ehrlich sein Geschäft betreffend: "Vielleicht kommen wir nun an einen Punkt, an dem wir uns eingestehen müssen, dass wir ein Produkt herstellen. Wenn es dieses Produkt nicht mehr gibt, gibt es uns nicht mehr."

Ein Produkt muss an den Zuschauer verkauft werden, in diesem Fall Fan genannt. Doch der Fan, der ins Stadion geht, ist für die DFL längst nicht mehr so wichtig. Überlebenswichtig, das hat Seifert auch ehrlich gesagt, ohne es explizit auszusprechen, sind die Rechteinhaber. Sie zahlen viel Geld, um übertragen zu dürfen. Die Sponsoren zahlen, weil übertragen wird. Aktuell heißt es: wenn übertragen wird.

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Dass Seifert von einer "dramatischen Lage" sprach, war nachzuvollziehen. Dass auch der Inhaber der Liverechte in einer dramatischen Lage ist, erwähnte er nicht.

Solidarität Nebensache

Die Unsicherheit vereint. Über Solidarität sprach Seifert aber kaum. Ein Fonds, in den die reichen Klubs einzahlen und ein Fonds, in den die Profis einzahlen, die Millionen verdienen, um Teilzeitarbeiter aus dem Fanshop zu alimentieren - darum ging es nur in den Fragen, nicht aber in den Antworten.

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Viele Antworten blieben aus. Sie mussten ausbleiben, weil so vieles offen ist. Eines wurde aber klar: Der Profifußball, der sich im stetigen Wachstum wähnte und nach immer mehr Geld gierte, merkt, dass er verletzlich ist.  

Stand: 16.03.2020, 19:59

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