Keller will Massentests für die Zuschauer-Rückkehr

Fritz Keller

Gesundheitsminister Spahn sieht Signalwirkung im Fußball-Konzept

Keller will Massentests für die Zuschauer-Rückkehr

Massenhafte Präventivtests könnten die Lösung für die Rückkehr der Zuschauer in die Fußball-Stadien sein. So stellt es sich jedenfalls DFB-Präsident Fritz Keller vor.

"Es muss einen Weg geben, über Tests wieder eine gewisse Normalität zu erlangen", sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes der "Badischen Zeitung" und hofft für das Länderspiel gegen Spanien Anfang September in Stuttgart auf eine Teilöffnung der Arena.

"Da müssen die Regeln passen"

Wohlwollend werden die Bemühungen des Fußballs auf dem Weg zurück zu ein wenig Normalität im Zuge der Corona-Krise in der Politik aufgenommen. "Die Frage, wie Fußballspiele stattfinden mit Zuschauern, ist ein wichtiges Signal auch für alle anderen Großveranstaltungen. Da müssen die Regeln passen", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Montag (20.07.2020) bei einer Wahlkampfveranstaltung in Köln. Das Konzept der Deutschen Fußball Liga sei für sich genommen überzeugend, befand Spahn.

Gesundheitsminister Jens Spahn

Gesundheitsminister Jens Spahn will im Stadion den Mindestabstand einhalten lassen

Die Bundesliga und die 2. Bundesliga starten am 18. September in die Spielzeit 2020/21. Eine Woche zuvor findet die erste Runde im DFB-Pokal statt. DFB und Deutsche Fußball Liga (DFL) hatten zuletzt einen Leitfaden für die Rückkehr von Zuschauern vorgelegt. Dieser soll nicht nur bei der Erarbeitung standort-individueller Konzepte helfen, sondern auch das Vorgehen in der 3. Liga, im DFB-Pokal, bei der Nationalmannschaft und in der Frauen-Bundesliga regeln.

"Präventivtests kommen allen zugute"

Der DFB arbeite mit Experten und Wissenschaftlern aus vielen Bereichen an einem System, das Stadionbesuche wieder ermöglichen soll, betonte Keller. Mögliche Kritik an einer Sonderrolle des Fußballs wies er zurück. "Die Präventivtests kommen nicht dem Fußball zugute, sondern allen", sagte der DFB-Chef. Mit der Infrastruktur seiner 25.000 Vereine könne der DFB der Gesellschaft helfen.

"Wenn von 7,1 Millionen Mitgliedern im Idealfall jedes fünf bis zehn Menschen aus seinem Verein zum Testen bewegt, kann man sich ausrechnen, wie viel wir erreichen könnten", sagte Keller. In jedem Verein gebe es jemanden mit medizinischer Erfahrung, der die Selbsttests anleiten könne. Schon am Morgen nach dem Test könne man das Ergebnis auf dem Handy haben.

Positive Signale auch aus dem Kanzleramt

Bei einem negativen Testresultat sei Keller zufolge ein Stadionbesuch unbedenklich. "Da Wissenschaftler davon ausgehen, dass man bis zu 48 Stunden nach einem Test mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit niemand anderen anstecken kann, ist es möglich, innerhalb dieses Zeitraums ein Höchstmaß an Sicherheit für andere zu gewährleisten", erklärte der 63-Jährige.

Ab wann dürfen Fans zurück ins Stadion? DFL erstellt Leitfaden

Sportschau 15.07.2020 00:49 Min. Verfügbar bis 15.07.2021 ARD Von Sara Schwedmann

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) hatte sich bereits am Wochenende in der "Bild am Sonntag" dafür offen gezeigt. "Wenn ein gutes Hygienekonzept vorliegt und Abstand zwischen den Besuchern gewährleistet ist, können Veranstaltungen stattfinden - auch mit einer größeren Zahl an Zuschauern."

Mindestabstand und Nachvollziehbarkeit

Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums sagte am Montag, grundsätzlich müssten die einzelnen Fußballklubs eigenständige Hygienekonzepte vorlegen, die von den örtlichen Gesundheitsämtern abgenommen werden müssten.

"Aber entscheidend ist nicht auf dem Papier, entscheidend ist auf dem Platz, oder in diesem Falle im Stadion. Deswegen ist es wichtig, dass die jeweiligen Vereine mit ihren Gesundheitsämtern vor Ort die Konzepte so anpassen, dass das auch umgesetzt wird. Und mir ist wichtig, dass das auch genau eingehalten wird", betonte Spahn. Dabei gehe es auch um die Nachvollziehbarkeit, wer wo gesessen habe. "Wobei ich sehr dafür werbe, den Mindestabstand von 1,50 Metern im Stadion auch einzuhalten", betonte der Minister.

Dortmund will keine Sicherheitstechnik

Borussia Dortmund will bei einer möglichen Rückkehr der Fans keine zusätzliche Kontroll- und Sicherheitstechnik einsetzen. Der BVB hatte beim letzten Heimspiel der abgelaufenen Saison gegen 1899 Hoffenheim ein System getestet, das kamerabasiert Temperaturmessungen, Maskenerkennung, Personenzählung und Abstandsmessung bei den Fans durchführte.

"Wir haben festgestellt, dass diese Technik nichts ist, was uns im Fußballumfeld entscheidend nach vorne bringt. Die Nutzung zusätzlicher technischer Hilfsmittel scheint aktuell nicht erforderlich zu sein", sagte BVB-Geschäftsführer Carsten Cramer der "Rheinischen Post". Ein großzügiger Abstand auf den Tribünen soll durch den Ordnungsdienst sichergestellt werden. Auch sollen die Zuschauerströme vor und nach dem Spiel gesteuert werden, um größere Menschenansammlungen zu vermeiden.

Mainz-Boss sorgt sich um die Fans

Stefan Hofmann hat als Vorstandsvorsitzender des Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05 die Wichtigkeit einer Rückkehr von Zuschauern ins Stadion hervorgehoben: "Es ist wichtig für den kompletten Fußball in Deutschland, die Fans wieder näher heranzuholen. Dauerhaft müssen wir aufpassen, dass uns unsere Zuschauer und Fans im Stadion nicht verloren gehen", sagte Hofmann der VRM-Gruppe.

dpa/red | Stand: 20.07.2020, 19:56

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