Knackpunkt TV-Gelder in der Bundesliga: Der Verteilungskampf beginnt

Seifert: "Wünsche mir Diskussionen mit Anstand und Weitblick" Sportschau 23.06.2020 00:56 Min. Verfügbar bis 23.06.2021 Das Erste

Fußball

Knackpunkt TV-Gelder in der Bundesliga: Der Verteilungskampf beginnt

Von Niklas Schenk

Wer bis 2025 welche Bundesliga-Spiele überträgt, ist nun geklärt. Die Diskussion darum, wie die leicht gesunkenen TV-Gelder zukünftig verteilt werden, hat aber gerade erst begonnen.

1,1 Milliarden Euro pro Saison gibt es künftig für die Bundesligisten durch die TV-Gelder - macht 4,4 Milliarden im ausgeschriebenen Zeitraum von der Saison 2021/22 bis 2024/25. Das ist etwas weniger als bei der letzten Auktion, als mit 4,6 Milliarden Euro alle Rekorde gebrochen wurden.

Das verkündete DFL-Präsident Christian Seifert am Montag (22.06.2020). Aber als er das Ergebnis präsentierte, war Seifert schon klar, dass die Auktion nun zwar abgeschlossen ist, der stressigste Teil der Arbeit jedoch noch auf ihn wartet. "Die Debatte um die Geldverteilung ist mindestens so intensiv wie die über die Auktion", sagte Seifert. Er wünsche sich eine Diskussion mit "Anstand und Solidarität". Genau darum wird es in den kommenden Wochen gehen: Wie solidarisch ist die bisherige Verteilung der TV-Gelder - und könnte sie anders organisiert noch solidarischer sein?

Sieben Vereine entscheiden im DFL-Präsidium mit

Es dauerte nicht lange, bis diverse Vereinsvertreter den "Verteilungskampf" um die Medienerlöse eröffneten. "In Deutschland gibt es eine sehr solidarische, ausgewogene Verteilung der TV-Gelder", sagte etwa Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge. Die Bayern kassierten in den vergangenen Jahren jeweils über 60 Millionen Euro aus den TV-Erlösen und damit mehr als doppelt so viel wie die Teams am Ende der Tabelle.

Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer des Tabellenzweiten Borussia Dortmund, sprach sich deutlich gegen Veränderungen bei der Verteilung der TV-Gelder aus. "Ich bin der Meinung, dass der Status quo richtig ist. Wenn man versucht, die Zugpferde der Liga zu schwächen, dann schwächt man die ganze Liga", sagte Watzke.

Spannende Zusammensetzung des DFL-Präsidiums

Das Wort der beiden Spitzenklubs hat Gewicht - jedoch sitzen im aktuellen DFL-Präsidium neben den Bayern nur Vereine, die in der Bundesliga nicht um den Titel mitspielen (Freiburg), in der unteren Tabellenhälfte zu finden sind (Schalke, Köln) oder in der 2. Liga spielen (Darmstadt, Kiel, St. Pauli). In dieser Konstellation könnte eine Umverteilung möglich sein, hoffen manche.

So wie der 1. FSV Mainz 05, der gerade erst den Bundesliga-Verbleib perfekt gemacht hat. Weniger TV-Gelder "treffen jene kleineren Klubs härter, die, wie wir, im Verhältnis mehr von den Medienerlösen abhängig sind als von anderen Einnahmen", sagt Jan Lehmann, der kaufmännische Vorstand der Mainzer. "Insofern sollte diese neue Entwicklung auch ein Anlass sein, im Sinne des Wettbewerbs in der Bundesliga über eine fairere Verteilung der Medienerlöse zu diskutieren."

Wie abhängig alle Vereine von den Medienrechten sind, zeigte sich vor allem in der Coronakrise. Im Schnitt machen die Medienerlöse - und davon vor allem die TV-Gelder - 35 Prozent des Budgets eines Bundesligisten aus. Viele Bundesligisten befürchteten auf dem Höhepunkt der Pandemie, ohne eine TV-Übertragung der Spiele Insolvenz anmelden zu müssen. Geisterspiele waren für viele Klubs deshalb gar überlebensnotwendig, um die TV-Gelder zu erhalten. Fehlende Zuschauereinnahmen konnten da noch eher kompensiert werden.

Aber ist die bisherige Verteilung der Medienerlöse unfair, so wie es Jan Lehmann andeutet?

Erlöse werden nach vier Säulen verteilt

Die Verteilung fußt bisher auf vier Säulen. 70 Prozent aller Erlöse macht die Säule "Bestand" aus - der Beste der Fünf-Jahres-Wertung erhält in der Bundesliga 5,8 Prozent der Erlöse dieser Wertung, der Letzte 2,9 Prozent, also genau die Hälfte. In der 2. Liga ist es ähnlich.

Dann gibt es noch die Säule "Sportliche Nachhaltigkeit", die das sportliche Abschneiden der vergangenen 20 Jahre berücksichtigt und fünf Prozent aller Erlöse ausschüttet. Hinzu kommt die Säule "Nachwuchs" - hier werden zwei Prozent der Erlöse beispielsweise an Vereine ausgezahlt, die viele U23-Spieler in ihren Reihen haben. Die vierte und letzte Säule heißt "Wettbewerb" - die verbliebenen 23 Prozent der nationalen Erlöse werden auf Grundlage einer Fünf-Jahres-Wertung ausgeschüttet. Diese erfolgt anders als die erste Säule jedoch als Rangliste von 36 Klubs.

Die Dominanz der Spitzenklubs wird immer größer

Ein vielseitiger Verteilungsmodus - und gerade Klubs wie Mainz dürften Parameter wie die Nachwuchsarbeit oder Nachhaltigkeit sogar entgegenkommen.

Trotzdem gibt es Probleme. Denn die Schere in der Liga geht seit Jahren auseinander. Der FC Bayern München dominiert die Bundesliga wie kein Verein zuvor, holte in diesem Jahr - völlig verdient - zum achten Mal in Folge die Meisterschaft. Durch die große Dominanz und den Umstand, dass die Einnahmen in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen sind, erhielten Klubs wie Bayern München oder auch Borussia Dortmund somit absolut gesehen immer höhere Einnahmen. Wer in der Vergangenheit - wenngleich sportlich völlig verdient - besonders erfolgreich war, profitiert von den aktuellen Regelungen übermäßig stark, da vergangene Erfolge stark in die Wertung einfließen, sagen Kritiker.

Internationale Vermarktung spielt eine große Rolle

Hinzu kommt die Vermarktung der Bundesliga im Ausland, die inzwischen mehr als 250 Millionen Euro einbringt. 25 Prozent aller Erlöse werden auf die 18 Bundesligisten verteilt - aber für drei Viertel aller Erlöse sind die sportlichen Ergebnisse der vergangenen Jahre maßgeblich. Für Vereine wie Düsseldorf oder Augsburg macht das keine fünf Millionen Euro Einnahmen aus, während die Bayern fast das Zehnfache an Geld einstreichen.

Noch ein Diskussionspunkt: Die Einschaltquoten der Vereine spielen bei der Aufteilung der TV-Gelder bisher gar keine Rolle, ebenso der Zuschauerschnitt in den Stadien. Hier erzielen Traditionsvereine wie Köln, Bremen oder Gladbach seit Jahren oft deutlich bessere Werte als etwa Werksklubs wie Leverkusen oder Wolfsburg. Auch hier wollen manche Vertreter des DFL-Präsidiums nun wohl Veränderungen anstoßen.

Düsseldorfs Röttgermann wird deutlich

"Wir sprechen seit Jahren davon, dass die Schere zwischen den Vereinen immer weiter auseinandergeht, unternehmen aber nichts dagegen", sagt Fortuna Düsseldorfs Vorstandsvorsitzender Thomas Röttgermann deutlich. "Die Krise hat uns den Spiegel vorgehalten und daher ist genau jetzt der Zeitpunkt, etwas zu ändern. Wir brauchen keine Geldverteilung, die die jetzigen Verhältnisse zementiert."

Röttgermann verbindet seinen Appell mit einer Warnung: "Ein erneutes 'Weiter so' darf es nicht geben, sonst wird es die Bundesliga - so wie wir sie alle lieben - bald nicht mehr geben."

Stand: 23.06.2020, 15:06

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