Viele neue Trainer - auch ein neuer Trend?

Niko Kovac (l.), Dieter Hecking

Wechsel bei acht Bundesligisten der Spielzeit 2019/20

Viele neue Trainer - auch ein neuer Trend?

Von Marcus Bark

Acht Vereine werden mit neuen Trainern in die Bundesligasaison 2019/20 gehen. Auch Dieter Hecking wird abgelöst. Er kritisiert den Umgang mit Trainern scharf und sieht einen neuen Trend. Es lohnt, die Fälle einzeln zu betrachten.

Journalisten lernen in ihrer Ausbildung, dass sie möglichst offene Fragen stellen sollen, um ihren Gesprächspartner ins Plaudern zu bringen. Manchmal sind die geschlossenen Fragen aber die deutlich bessere Wahl. "Wird Niko Kovac in der künftigen Saison Trainer des FC Bayern München sein?" Das ist eine solch geschlossene Frage, auf die es eine knappe Antwort geben soll. "Ja" oder "Nein".

Niko Kovac selbst, Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge und Aufsichtsratschef Uli Hoeneß haben die Frage mit "Vielleicht" beantwortet, jedenfalls wäre das die knappe Zusammenfassung von dem, was sie als Antworten plauderten.

Es ist davon auszugehen, dass erst nach dem Pokalfinale am Samstag (25.05.2019) zwischen RB Leipzig und den Bayern eine definitive Aussage getroffen werden wird.

Viele Trainerwechsel - und die Gründe

Sollte Kovac bleiben, wie es der Arbeitsvertrag vorsieht, wäre er einer von sieben Trainern, die am ersten Spieltag der Saison 19/20 die selbe Mannschaft leiten würden wie im Sommer zuvor. Bemerkenswert sind indes weniger die Wechsel, die es während der laufenden Saison gab.

Der VfB Stuttgart spielte (und spielt in der Relegation immer noch) gegen den Abstieg, Hannover 96 und der 1. FC Nürnberg punkteten kümmerlich, Schalke 04 stürzte als Vizemeister ab und geriet auch in Gefahr. In solchen Situationen wunderte es kaum jemanden, dass die Trainer gewechselt wurden. Ab und an erweist sich das auch als Erfolg, wie etwa bei Bayer Leverkusen. Peter Bosz führte die Werkself in der Rückrunde in die Champions League, nachdem er von Heiko Herrlich übernommen hatte.

Peter Bosz spricht auf der PK vor dem letzten Saisonspiel gegen Berlin

Leverkusens Trainer Peter Bosz

Hecking und Labbadia gehen - trotz Erfolgs

Dieter Hecking hatte bis zum letzten Spieltag die Chance, Borussia Mönchengladbach in die Champions League zu führen. Er wusste schon länger, dass er davon nichts mehr gehabt hätte. Auch Bruno Labbadia wusste, dass seine Zeit beim VfL Wolfsburg im Sommer 2019 enden wird. Der Tabellenfünfte und Tabellensechste wird somit den Trainer zur neuen Saison wechseln, der Tabellendritte auch, vielleicht sogar der Meister.

"Dass du selbst im Erfolgsfall damit rechnen musst, gehen zu müssen, ist eine neue Geschichte", sagte Hecking, als er nach dem 0:2 gegen Borussia Dortmund zur Lage seines Berufsstandes gefragt wurde. "Eigentlich müssen wir zu Hause bleiben, weil uns braucht keiner."

Hecking kritisiert Umgang mit Trainern Sportschau 18.05.2019 02:08 Min. Verfügbar bis 18.05.2020 Das Erste

Die harsche Kritik an Sportdirektoren und Vorstände ist in gewisser Weise nachzuvollziehen. Doch es wäre falsch, die Fälle zu addieren und zu dem Schluss zu kommen, den Hecking zog.

Fälle sind einzeln zu betrachten

Die Fälle einzeln betrachtet, ergibt sich schnell ein anderes Bild. RB Leipzig, der Tabellendritte, hatte schon vor der Saison bekanntgegeben, dass Julian Nagelsmann zur Saison 19/20 übernehmen wird. Somit war klar, dass auch die TSG Hoffenheim einen neuen Trainer benötigen wird. Zwei der sechs Fälle eines Wechsels nach der Saison wären damit simpel erklärt.

Blieben Hecking, Bruno Labbadia beim VfL Wolfsburg, Nico Willig beim VfB Stuttgart und Pal Dardai bei Hertha BSC.

Das Aus für Hecking, bekanntgegeben Anfang April in einer schwierigen Phase, wurde von Gladbachs Sportdirektor Max Eberl als "strategische Entscheidung" begründet. Er dürfte zu jenem Zeitpunkt schon die Zusage von Marco Rose gehabt haben. Der sehr begehrte Trainer von RB Salzburg gilt als moderner, innovativer und flexibler als Hecking. Möglicherweise war Rose nur zu jener Zeit für Gladbach zu haben. Dass Eberl zugriff, ist nachzuvollziehen.

Trainer in der Bundesliga
Verein1. SpieltagZwischenlösung34. SpieltagSaison 2019/20
FC Bayern MünchenKovacKovacKovac
Borussia DortmundFavreFavreFavre
RB LeipzigRangnickRangnickNagelsmann
Bayer LeverkusenHerrlichBoszBosz
Bor. MönchengladbachHeckingHeckingRose
VfL WolfsburgLabbadiaLabbadiaGlasner
Eintracht FrankfurtHütterHütterHütter
Werder BremenKohfeldtKohfeldtKohfeldt
TSG HoffenheimNagelsmannNagelsmannSchreuder
Fortuna DüsseldorfFunkelFunkelFunkel
Hertha BSCDardaiDardaiCovic
1. FSV Mainz 05SchwarzSchwarzSchwarz
SC FreiburgStreichStreichStreich
FC Schalke 04TedescoStevensWagner
FC AugsburgBaumSchmidtSchmidt
VfB StuttgartKorkutWeinzierlWilligWalter
Hannover 96BreitenreiterDollDoll
1. FC NürnbergKöllnerSchommersCanadi

Was genau zwischen Labbadia und Wolfsburgs Sportchef Jörg Schmadtke nicht stimmte, ist offen. Dass es zwischen den beiden unterschiedliche Auffassungen gab, ist verbrieft. Insofern ist auch dieser Wechsel mehr als Sonderfall zu betrachten denn als einer, der einen Trend aufzeigt.

Hertha überrascht mit Covic

Ante Covic

Ante Covic übernimmt bei Hertha BSC

Bei Hertha BSC kam die Meldung, dass Pal Dardai seinen Job als Cheftrainer der Profis verlieren wird, ähnlich überraschend wie bei Gladbach und Hecking. Manager Michael Preetz wünschte sich einen "neuen Impuls" für die Berliner, die trotz großer Anstrengungen im PR-Bereich ein mäßig beachteter Klub bleiben, der sportlich im Mittelmaß feststeckt.

Überraschend ist daher auch die Wahl des Nachfolgers: Ante Covic ist ein ehemaliger Bundesligaspieler ohne Cheftrainererfahrung im Profibereich. "Wir wollen einen Trainer, der die Hertha-DNA behütet. Ante Covic versteht diese DNA mehr als jeder andere Kandidat", begründete Preetz die Wahl.

Der Wechsel bei der Hertha ist aus der Ferne am schwierigsten zu begreifen. Deutlich leichter ist zu verstehen, dass der VfB Stuttgart für die neue Saison einen erfahreneren Trainer als Interimslösung Nico Willig haben möchte. In Tim Walter, der bei Holstein Kiel ansehnlichen Fußball spielen ließ, will der VfB eine gute Lösung gefunden haben.

Viel Bewegung auch in der 2. Liga

Mit Vorschusslorbeeren nach einem sehr guten Jahr in Kiel kam Markus Anfang im Sommer 2018 zum 1. FC Köln. Obwohl die Ergebnisse stimmten, gab es schnell Kritik an Anfangs Arbeit, seinen Aufstellungen, Einstellungen und Taktiken. Die Trennung erfolgte Ende April, die Kölner standen an der Tabellenspitze. Es übernahm André Pawlak, der zur neuen Spielzeit in der Bundesliga von Achim Beierlorzer abgelöst wird, weswegen wiederum der SSV Jahn Regensburg einen neuen Trainer benötigt.

Es gab in der 2. Liga viel Bewegung auf der Position des Trainers in der abgelaufenen Saison. In den überwiegenden Fällen griffen schlicht die Mechanismen des Marktes.

Stand: 22.05.2019, 07:00

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