Positive Corona-Tests - die Sorge der Spieler

Niklas Süle (v.l.), David Alaba, Robert Lewandowski, Serge Gnabry, Alphonso Davies und Hansi Flick (FCB)

Corona-Schutzkonzept in der Bundesliga

Positive Corona-Tests - die Sorge der Spieler

Nach inzwischen zehn von der DFL bestätigten positiven Corona-Tests rückt die Sorge bei den Spielern in den Vordergrund, ob die vom Ligaverband verordneten Schutzmaßnahmen ausreichen.

Es gibt auch bei Fußballprofis unterschiedliche Typen im Umgang mit der Corona-Pandemie und den weltweit geltenden Kontaktbeschränkungen. Marcus Rojo von Manchester United, seit dem Winter auf Leihbasis in seiner Heimat bei Estudiantes aktiv, wurde dort jetzt laut englischen Medienberichten bei einem Pokerabend gesichtet. Die Bilder, die wohl von einem Social-Media-Account seines Bruders stammen, sollen Rojo rauchend und gutgelaunt mit mindestens acht Pokerfreunden zeigen, wie sie in geselliger Runde die Köpfe zusammenstecken, bis angeblich weit nach Mitternacht, wie "The Sun" berichtet.

Anderen Spielern, wie Rojos früherem Nationalmannschaftskollegen Sergio Agüero, schlägt die Corona-Krise offenbar mehr aufs Gemüt. Die Mehrheit der Spieler, auch er gehöre dazu, habe Angst, weil sie Kinder und Familien haben, sagte der Stürmer von Manchester City am vergangenen Freitag (01.05.2020) einem argentinischen Fernsehsender. Er und die meisten seiner Teamkollegen seien "ziemlich nervös und besonders vorsichtig", wenn sie auf den Platz zurückkehren würden. "Wenn eine Person krank ist, werden wir denken: Was passiert hier?"

Verstraete-Interview - und die Folgen

Genau dieser Fall ist nun in der Bundesliga eingetreten, nachdem zunächst der 1. FC Köln drei positive Coronafälle, bei zwei Spielern und einem Physiotherapeuten, vermeldet hatte. Die DFL bestätigte am Montag sieben weitere Fälle.

Großen Wirbel verursachte aber vor allem das anschließende Interview von Kölns Mittelfeldmann Birger Verstraete in einem belgischen TV-Sender. Verstraete zeigte sich besorgt angesichts der möglichen Ansteckungsgefahr, vor allem weil er mit dem infizierten Masseur im Trainingsalltag Kontakt hatte, und stellte zugleich das komplette Hygienekonzept infrage, das die Klubs seit der Wiederaufnahme des Trainings im Einklang mit der DFL praktizieren.

Laschet über Corona-Tests: "Das System funktioniert" 04:02 Min. Verfügbar bis 04.05.2021

DFL-Empfehlung: Keine Testergebnisse mehr veröffentlichen

Nach einem Bericht des "kicker" hatte die DFL am Sonntag eine Empfehlung an alle Klubs verschickt, keine Ergebnisse von Corona-Tests mehr an die Medien weiterzugeben.

Köln zieht weitere Corona-Tests vor und ist um Klarheit bemüht Sportschau 03.05.2020 02:16 Min. Verfügbar bis 03.05.2021 Das Erste

Ungeachtet dessen gab der 1. FC Köln am Montag bekannt, dass eine zweite Testreihe des kompletten Mannschafts- und Betreuerstabs am Sonntag keine weiteren Infektionsfälle ergeben habe, am Nachmittag sollte deshalb auch das Training in Kleingruppen fortgesetzt werden. Die Verantwortlichen beim FC, die auch wegen der Kommunikation rund um das Verstraete-Interview in die Kritik geraten waren, wollten dies wohl erneut als Beleg dafür anführen, dass das von der DFL-Taskforce entwickelte Schutzkonzept mit fortlaufenden Tests von Spielern und Betreuern funktioniert.

Die Frage der Verunsicherung bei den Spielern

Doch die öffentlich formulierte Sorge von FC-Profi Verstraete rückte nun die Verunsicherung bei den Spielern in den Vordergrund, und die Frage, inwieweit sie die von der DFL verordneten Maßnahmen für ausreichend erachten. Der Belgier hatte in dem Interview auch angedeutet, dass die Spieler das Schutzkonzept gegen Corona eher mittragen würden, weil sie keine andere Wahl hätten. Wenn jeder Spieler anonym entscheiden könnte, so Verstraetes Vermutung, dann käme für viele wohl die Gesundheit der Familie an erster Stelle.

Bislang liegen allerdings, abgesehen von den üblichen, mit den PR-Abteilungen der Klubs abgestimmten Verlautbarungen, kaum belastbare Aussagen zum Stimmungsbild bei den Spielern vor. Die internationale Fußballergewerkschaft Fifpro hatte im März und April eine allerdings nicht repräsentative Umfrage unter 1.134 Profis in mehreren Ländern abgeschlossen, demnach war nur etwas mehr als die Hälfte dafür, den Trainingsbetrieb wieder aufzunehmen, auch unter strikten Hygienemaßnahmen.

Spielergewerkschaft: "Alle wollen spielen"

Die Spielergewerkschaft VDV gibt an, dass für die Profis bei aller Motivation, bald wieder spielen zu wollen, die Gesundheit im Vordergrund stehe. Nach den bestätigten Corona-Fällen in Kölns Kader habe es zwar verstärkt Anfragen von Spielern gegeben, sagte VDV-Geschäftsführer Ulf Baranowsky gegenüber der Sportschau. Doch darunter habe es keinen gegeben, der aus Angst vor einer möglichen Infektion nicht mehr spielen wollte.

Die Vereine stünden in der Verantwortung, den Spielern die Schutzmaßnahmen zu vermitteln und möglichen individuellen Ängsten entgegenzuwirken - was auch in den meisten Fällen funktioniere, so Baranowsky. Die Spieler wiederum seien bereit, die nötigen Zugeständnisse zu machen. Große Vorbehalte habe es nur zu Beginn der Krise gegeben, als noch eine Komplett-Quarantäne von Mannschaften über mehrere Wochen im Gespräch war, um den Infektionsschutz zu gewährleisten. Das aktuelle DFL-Konzept werde aber von den Spielern mitgetragen : "Insgesamt haben wir den Eindruck, dass das Bemühen bei allen Beteiligten vorhanden ist, den Gesundheitsschutz verantwortungsvoll zu regeln."

DFB-Arzt Meyer über Tests beim 1. FC Köln: "Durchaus im Rahmen der Erwartungen" Sportschau 02.05.2020 00:41 Min. Verfügbar bis 02.05.2021 Das Erste

Rechtlich müssen Profis spielen - trotz Angst vor Corona

Rechtlich hätten die Spieler wohl keine Handhabe und müssten mit Sanktionen rechnen, sollten sie sich aus Angst vor Ansteckung weigern zu spielen: "Wenn keine Kontaktverbote oder andere Einschränkungen das Trainieren oder Spielen verbieten, muss die Arbeitsleistung erbracht werden", sagte Fachanwalt Horst Kletke gegenüber der "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Da geht es den Fußballprofis wie jedem Arbeitnehmer.

Stand: 04.05.2020, 12:30

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