Corona, die Bundesliga und die Zuschauer - einfach geht anders

Zuschauer stehen mit Maske vor dem Spiel auf der Tribüne

Fußball | Bundesliga

Corona, die Bundesliga und die Zuschauer - einfach geht anders

Von Tim Beyer

Die Fußball-Bundesligisten hoffen auf volle Stadien - und gehen doch unterschiedlich vor. Welche Regeln gelten wo? Ein Überblick über aktuelle Entwicklungen und das, was die Vereine planen.

Vor einigen Tagen hat sich Christian Seifert zu Wort gemeldet. Der 52-Jährige ist noch bis Ende des Jahres Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) - und als solcher ist er zuletzt manchmal als Mahner im Sinne der Vereine aufgetreten. Es wird daher niemanden verwundert haben, dass Seifert sagte: "Es wird Zeit, dass das 'Team Vorsicht' aufpasst, dass es nicht zum 'Team weltfremd' wird."

Natürlich bezog sich Seifert dabei auf die Bundesligisten, die ihre Stadien nach aktueller und bundesweiter Beschlussvorlage zu 50 Prozent auslasten dürfen, maximal aber mit 25.000 Zuschauern. Ab einer Inzidenz von 35, die an vielen Bundesligastandorten längst überschritten ist, gelten zudem weitere Einschränkungen.

Und dann sollte man noch wissen, dass die Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz Vereinbarungen sind und keine Gesetze. Die Länder können stattdessen auch eigene Regelungen aufstellen, und dann entscheidet immer auch das jeweilige Gesundheitsamt mit.

Alles verstanden? Die Bundesliga und die Fans - einfach ist das gerade nicht.

Sechster Spieltag - 2G nur in Leverkusen

Die meisten Vereine lassen derzeit Zuschauer nur nach der 3G-Regel ins Stadion, also geimpfte, genesene oder getestete Fans (3G). Einige Bundesligisten setzen auch auf 2G - ein Test genügt dann nicht zum Einlass. Von diesen Klubs hat am Wochenende nur Leverkusen ein Heimspiel.

Und in Mainz testen sie gerade etwas, das sie "2G plus" nennen. Starten möchten sie in Mainz beim Heimspiel gegen den 1. FC Union am 3. Oktober - dann entfallen im Stadion Maskenpflicht und Abstandsregeln.

Alles irgendwie unbefriedigend für manchen Verantwortlichen. So wie in Dortmund, wo Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke Forderungen nach vollen Stadien schon länger mit einigem Nachdruck vorbringt. Man darf Watzke daher schon unterstellen, dass er die Entscheidung des Hamburger Senats am Dienstag (21.09.2021) mit Freude verfolgt haben wird.

HSV darf Stadion füllen - und verzichtet

Die Zweitligisten Hamburger SV und FC St. Pauli dürfen ihre Stadien unter 2G-Bedingungen wieder voll auslasten, so der Kern des Urteils. Es hätten also beim Heimspiel des HSV gegen den 1. FC Nürnberg am Sonntag (26.09.2021) theoretisch 57.000 Fans ins Stadion gedurft.

Doch das war den Hamburgern nicht ganz geheuer. Also teilte man flugs mit, man werde das Heimspiel gegen Nürnberg lieber unter 3G-Regeln abhalten.

Der FC St. Pauli spielt am Wochenende auswärts, hat sich aber ohnehin eher bedeckt gehalten. "Wir wissen nicht, ob es den Menschen überhaupt jetzt schon genehm ist, mit wahnsinnig vielen Zuschauerinnen und Zuschauern eng an eng zu stehen oder ob wir noch einige Maßnahmen treffen müssen, um zunächst eine Schritt-für-Schritt-Öffnung und -Füllung des Stadions zu ermöglichen", sagte Klub-Präsident Oke Göttlich.

Lauterbach als Mahner

Dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach werden solche Töne deutlich besser gefallen haben, als die forschen aus Dortmund und anderen Standorten. Halb gefüllte Stadien seien eher kein Problem, sagte Lauterbach der Deutschen Presse-Agentur.

Doch volle Stadien halte er wirklich nicht für sinnvoll. Auch weil das Nachlassen des Impfschutzes ein Problem bei der Anreise darstellen könne.

Frankfurt bleibt vorerst bei 3G

Bei Eintracht Frankfurt haben sie sich aus anderen Gründen gegen einen Vorschlag des zuständigen Gesundheitsamts entschieden. Die Eintracht hätte am Samstag (25.09.2021) im Heimspiel gegen Köln auch den Stehplatzbereich bei Anwendung der 2G-Regel öffnen dürfen. Möglich wären dann 31.000 Zuschauer gewesen - und damit mehr als eine 50-prozentige Auslastung. In Frankfurt bleiben sie vorerst lieber bei 3G.

Der Verein argumentiert mit dem organisatorischen Aufwand, aber auch aus der Perspektive der Fans. Für den Stehplatzbereich wären nur Geimpfte oder Genesene zugelassen - die Eintracht hatte darauf gehofft, die Genehmigung auch "für einen Grundstock an Getesteten" zu erhalten. Doch dazu kam es nicht. In Frankfurt warten sie also erst einmal ab und hoffen auf ein volles Stadion beim nächsten Heimspiel gegen Hertha BSC Mitte Oktober - mit einem festen Kontingent für Getestete.

Das Hamburger Urteil - nur ein Anfang?

Aktuell aber gibt es in der Bundesliga keinen Klub, für den ein Urteil wie das aus Hamburg gilt. Volle Stadien wird es zumindest an diesem Wochenende noch keine geben. Glaubt man dem Verfassungsrechtler Björn Schiffbauer, dann könnte sich das bald ändern. Er hält das sogar für "relativ wahrscheinlich."

Schließlich könne die 2G-Regelung den öffentlichen Gesundheitsschutz wohl gewährleisten. "Die Freiheit von Vereinen und Zuschauern weiter einzuschränken, wäre somit unverhältnismäßig", sagte Schiffbauer, der auch Mitglied im Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes ist.

Wer am Wochenende wo ins Stadion darf - ein Überblick

Bundesliga
PartieZugelassene ZuschauerzahlKapazität2G- oder 3G-Regelung
Fürth - Bayern11.73018.5503G
Leipzig - Hertha23.50047.0693G
Frankfurt - Köln25.00051.5003G
Leverkusen - Mainz17.60530.2102G
Union - Bielefeld11.00622.0123G
Hoffenheim - Wolfsburg15.07530.1503G
Gladbach - Dortmund25.00054.0413G
Bochum - Stuttgart15.50027.5993G
Freiburg - Augsburgnoch keine Angaben24.0003G
2. Bundesliga
PartieZugelassene ZuschauerzahlKapazität2G- oder 3G-Regelung
Heidenheim - Darmstadt7.50015.0003G
Regensburg - Aue10.10515.2103G
Karlsruhe - St. Pauli12.50020.7403G
Ingolstadt - Düsseldorf10.00015.2003G
Paderborn - Kiel10.00015.0003G
Rostock - Schalke14.50029.0003G
Hamburg - Nürnberg25.00057.0003G
Hannover - Sandhausen22.250 49.0003G
Dresden - Bremen16.00032.2493G

mit Material von sid + dpa | Stand: 23.09.2021, 13:49

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