Saisonvorschau: Viele offene Fragen – die wichtigste leider nicht

Die Bundesliga freut sich auf den Saisonauftakt Morgenmagazin 18.09.2020 02:08 Min. Verfügbar bis 18.09.2021 Das Erste

Bundesliga - Saisonvorschau

Saisonvorschau: Viele offene Fragen – die wichtigste leider nicht

Von Holger Dahl

Nein, es wird auch in dieser Saison keinen anderen deutschen Meister geben als den FC Bayern! Es tut aus Gründen der Dramaturgie schon auch etwas weh, so in eine Saisonvorschau einzusteigen. Aber es gibt einfach so gut wie keine Argumente dagegen.

Bei Borussia Dortmund müsste als Herausforderer Nummer eins schon eine Menge gut und gleichzeitig bei den Bayern sehr schlecht laufen, damit der Ball in eine andere Titel-Richtung rollt.

BVB als ernsthafter Konkurrent?

Tatsächlich ist der BVB der einzige denkbare Bayern-Konkurrent. Allein Achraf Hakimi hat als Stammkraft das Ruhrgebiet verlassen. Beim 5:0 Sieg im Pokal deutete sich an, dass der 17-jährige Engländer Jude Bellingham das Zeug hat, zum Newcomer der Saison zu werden. Auch Thomas Meunier von Paris St. Germain dürfte den Kader stärker gemacht haben. Trotzdem bleibt die Mannschaft von Lucien Favre eine Art hochveranlagter Talentschuppen. Der kann an einem guten Abend gegen jede Top-Mannschaft gewinnen, hat aber erfahrungsgemäß immer wieder Leistungstäler zu durchqueren, in denen wichtige Punkte im Kampf um die Meisterschaft verloren gehen. Selbst wenn Favre seinen bisherigen 23 Spieltagen an der Tabellenspitze weitere folgen lässt, am Ende wird keine Mannschaft in Schwarz-Gelb oben stehen.

Bayern auch ohne Thiago auf einsamem Titelkurs

Und hier kommt der Triple-Sieger ins Spiel. Den Bayern passieren Ausrutscher eher selten. Außerdem hat sich der Rekordmeister auch noch mit Leroy Sané namhaft verstärkt. Dass sich kurz vor dem Saisonbeginn Stratege Thiago aus München nach Liverpool verabschiedet, ist für die Champions-League Ambitionen ein Problem, auf nationaler Ebene wegen der hohen Qualität des Kaders aber nicht weiter relevant. In einer Saison ohne Winterpause und großer Erholungsmöglichkeit wird allein die Breite im Team zwangsläufig zur 31. deutschen Meisterschaft führen.

Olaf Thon: "Bayern wird nicht Meister" Morgenmagazin 18.09.2020 03:01 Min. Verfügbar bis 18.09.2021 Das Erste

Leipzig, Leverkusen und Gladbach keine echten Meisterkandidaten

Der erweiterte Kreis der Titelkandidaten lässt sich schnell abhandeln: Leipzig steht nach den Abgängen von Timo Werner und Patrick Schick gerade im Sturm vor einem Neuanfang, genauso wie Bayer Leverkusen nach dem Verlust von Kai Havertz.

Borussia Mönchengladbach wird durch die Herausforderungen in der Champions League Energie für die Liga verlieren. Alle drei bleiben Anwärter – bei normalem Verlauf aber eben nur für die Plätze hinter Bayern und Dortmund.

Neue Teams und Typen: Bereicherungen für die Liga

Das kann man langweilig nennen, ist aber die Realität an der Spitze der Liga. Trotzdem ist die Saison 20/21 sportlich interessant. Es kommen besondere Typen: Arminia Bielefelds Kapitän Fabian Klos: "Döner können nachts Leben retten!" – die Bundesliga braucht Akteure wie Klos oder Max Kruse, der nach seiner Zeit in der Türkei ausgerechnet beim kleineren Berliner Klub Union in die Bundesliga zurückkehrt.

Die beiden kantigen Kerle werden mit ihren Mannschaften gegen den Abstieg kämpfen, gemeinsam mit Aufsteiger Stuttgart und den schon in der vergangenen Saison bedrohten Teams.

Finanzielle Ungleichheiten wachsen weiter

Das Ungleichgewicht der finanziellen Möglichkeiten sorgt dafür, dass große Sprünge unmöglich bleiben. Finanziell limitierte Klubs müssen sich in Corona-Zeiten noch stärker beschränken, weil sie abhängiger von Zuschauereinnahmen sind. Selbst alte Größen wie Schalke 04 stehen vor dem finanziellen Abgrund. Vielleicht hilft hier aber auch die Not, um einen Neuaufbau zu starten.

Die Pandemie stellt die Bundesligisten vor besondere Herausforderungen. Eher bescheidene Transfertätigkeiten sind ein Indiz der Unsicherheit.

Corona wird eine Belastung bleiben

Niemand kann sagen, ob es im Saisonverlauf signifikante Erhöhungen der zugelassenen Zuschauermenge geben wird. Schon das Hin und Her beim Eröffnungsspiel des FC Bayern gegen Schalke 04 zeigt, wie rasant sich die Lage verändern kann. Zuerst die Hoffnung auf 20 Prozent Stadionauslastung, dann Begrenzung auf 10 Prozent und final der Ausschluss.

Der Fußball hat in allen Bereichen eine große Verantwortung. Nur wenn es die klare Nummer eins unter den Sportarten hinbekommt, Fans mit schlüssigen Konzepten wieder in die Arenen zu bekommen, wird das auch bei den anderen Publikumssportarten gelingen.

Klingt das alles jetzt nach einer Saison, auf die wir uns freuen können? Zumindest sind doch außer der Meisterfrage jede Menge andere offen. Also los: Vielleicht wartet bei Bayern gegen Schalke schon die erste Überraschung.

Stand: 18.09.2020, 07:00

Darstellung: