Analyse - Was die Bayern den Dortmundern voraus hatten

Jubel beim FC Bayern

München ist deutscher Meister

Analyse - Was die Bayern den Dortmundern voraus hatten

Von Marcus Bark

Der FC Bayern ist deutscher Meister - zum siebten Mal in Folge. Der Fußball der Münchner war nur selten glanzvoll, doch das reichte gegen ein Borussia Dortmund, das auch aus Mangel an Erfahrung nicht mithielt.

Die Gratulationen folgten schnell nach dem Abpfiff. Borussia Dortmund war um 17:31 Uhr an der Reihe. "Wir gratulieren dem FC Bayern zur deutschen Meisterschaft 2018/19", schrieb der BVB bei Twitter. Die Konkurrenten des FC Bayern können ihre Glückwünsche seit langem im Entwürfe-Ordner speichern. Es stellt sich seit Jahren nur die Frage, wann der Post online gestellt werden kann.

In dieser Saison war es spannender als in den Jahren zuvor. Allerdings war es mehr eine Pseudo-Spannung, denn mit dem 5:0-Sieg der Bayern im direkten Duell mit den Dortmundern am 28. Spieltag war das Rennen gelaufen, auch wenn die Tabelle und die Theorie einen anderen Ausgang möglich gemacht hätten.

Zahlreiche Serientäter mit Erfahrung

Zum siebten Mal hintereinander sind die Bayern jetzt Meister geworden. Manuel Neuer war immer dabei, auch David Alaba, Jerome Boateng, Rafinha, Javi Martinez, Thomas Müller, Franck Ribery und Arjen Robben. Robert Lewandowski und Thiago sind ebenfalls schon sehr erfahren darin, beim FC Bayern Meisterschalen zu stemmen. Kingsley Coman, der wegen seines Alters von 23 Jahren zu denen gezählt wird, die den nötigen Verjüngungsprozess einleiteten, bejubelte am Samstag (18.05.2019) seinen schon vierten Meistertitel mit den Münchnern.

In dieser Aufzählung liegt ein wesentlicher Grund dafür, dass der BVB seinen komfortablen Vorsprung von neun Punkten auf die Bayern nach dem 15. Spieltag verspielte. Dem Dortmunder Kader, der zu Beginn der Saison auf vielen Positionen neu zusammengestellt worden war, fehlten Spieler, die psychische Belastungen dank ihrer Erfahrung reduzieren. Dass diesen Spielern auch noch ein Trainer fehlte, der die Defizite mit Begeisterung, Leidenschaft und Eingriffen ins laufende Spiel ausgleicht, ist ein Makel von Lucien Favre.

Viele Punkte liegen gelassen

So erklären sich auch Punktverluste in den Partien beim 1. FC Nürnberg und dem FC Augsburg. Die erste Saisonniederlage, das zu jenem Zeitpunkt völlig überraschende 1:2 bei Fortuna Düsseldorf, hatte Favre mit der Fehleinschätzung provoziert, seine besten Spieler schonen zu können. In der Rückrunde verspielte die Borussia gegen Hoffenheim eine 3:0-Führung, im Derby gegen Schalke brach sie nach dem Rückschlag des 1:1-Ausgleichs ein, in Bremen holte sie nach 2:0-Führung nur ein 2:2, nachdem sie ein krasser Fehler von Torwart Roman Bürki aus der Bahn geworden hatte.

Nach dem Düsseldorf-Spiel stabil

Dem FC Bayern war etwas Ähnliches passiert, das angesichts des Gegners Fortuna Düsseldorf und des Heimrechts als gravierender angesehen wurde. Das 3:3 nach 3:1-Führung galt als Ende einer Ära, die Abgesänge ertönten. Sie waren in der Lautstärke übertrieben, allerdings waren zwei Phasen mit je drei Spielen ohne Sieg nach nur zwölf Spieltagen auch bemerkenswert schlecht für einen Serienmeister. Seit jener Partie gegen Düsseldorf Ende November erlaubte sich der FC Bayern aber nur noch eine Niederlage (bei an dem Tag sehr starken Leverkusenern) und drei Unentschieden.

Selten glanzvoll

Es bleibt also eine Münchner Meistermannschaft, die mit vier Siegen famos begann und letztlich souverän die Krisen bewältigte. Glanzvoll war es selten, dafür wirkte der Fußball unter Niko Kovac zu einfach veranlagt. Der Trainer verpasste der Mannschaft einen Stil, der dem Gegner schon vor dem Anpfiff bewusst gewesen sein muss. Meistens gewannen die Bayern dennoch, weil die Qualität der Spieler weiterhin deutlich über der anderer Mannschaften lag.

Bei allem, was zum Saisonende 2018/19 über die wirtschaftlichen Möglichkeiten und Transfers bekannt ist, dürfte das auch in der kommenden Saison so sein. Der BVB darf hoffen, aus den Erfahrungen dieser Saison gelernt zu haben. Die Leipziger hoffen auf ihren neuen Trainer Julian Nagelsmann. Sie galten in dieser Rückrunde für viele als beste Mannschaft. Das waren sie aber schon vor dem 0:0 gegen den FC Bayern nicht, das immerhin mal wieder eine Meisterschaftsentscheidung am letzten Spieltag förderte.

Stand: 18.05.2019, 17:30

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