Die Baustellen der Bundesligisten - Teil zwei

Lutz Pfannenstiel am Telefon

Ein Monat vor Transferschluss

Die Baustellen der Bundesligisten - Teil zwei

Von Robin Tillenburg

Die Fußball-Bundesligisten gehen in die letzte Phase der Vorbereitung auf die Saison. Viele haben aber noch Baustellen im Kader - und noch gut einen Monat Zeit, sie durch Transfers zu schließen.

Fortuna Düsseldorf: Viel Bewegung - und noch kein Ende

Fortuna Düsseldorf war auf dem Transfermarkt sehr umtriebig, Sportvorstand Lutz Pfannenstiel musste dabei aber auch die Abgänge der beiden Top-Offensivspieler Benito Raman und Dodi Lukebakio kompensieren. In der Offensive und im Tor seien bereits die "Wunschlösungen" verpflichtet worden. In der Abwehr gibt es noch Nachholbedarf - vor allem bei den Innenverteidigern. "Es wird noch einige Neuzugänge geben", erklärte Pfannenstiel und meinte damit definitiv mindestens einen Defensivmann. Sollte Kaan Ayhan den Verein doch noch verlassen, dürften es sogar deren zwei oder drei werden.

Hertha BSC: Budget ist da - Lukebakio als Ziel?

Die Hertha hat dank eines Investoreinstieges ein höheres Transferbudget als in den vergangenen Jahren. "Das erhöht unsere Chancen, mittelfristig in Reichweite internationaler Plätze zu kommen", sagte Geschäftsführer Michael Preetz Ende Juni dazu. Bisher sind davon aber nur etwa zehn Millionen Euro an Transfersummen ausgegeben worden - für Eduard Löwen, Sturmtalent Daishawn Redan und als Leihgebühr für Marko Grujic, dazu kam der ablösefreie Innenverteidiger Dedryck Boyata. Alles auf den ersten Blick sinnvolle Verpflichtungen, doch den Abgang von Shootingstar Valentino Lazaro auf dem rechten Flügel hat man nicht kompensiert.

Dank des Verkaufs des Österreichers an Inter Mailand erwirtschaftete man sogar noch ein Transferplus. Das will man, so die Gerüchtelage, unter anderem für Dodi Lukebakio investieren. Als offensiver, torgefährlicher und junger Flügelspieler wäre er beinahe ein unmittelbarer Ersatz für Lazaro und würde zur Philosophie der Berliner passen. Die Hertha hat sich sukzessive einen jungen Kern an Spielern aufgebaut, mit dem sie mittelfristig die von Preetz gesteckten Ziele erreichen möchte.

1. FSV Mainz 05: Verletzungssorgen an vorderster Front

Jean Philippe Mateta

Wie lange fehlt Jean-Philippe Mateta?

Jean-Philippe Mateta war in der vergangenen Saison die Lebensversicherung der Mainzer Offensive, an über einem Drittel der Ligatore des FSV war der Franzose beteiligt. Nun scheint er schwer am Knie verletzt zu sein. Obwohl eine genaue Diagnose noch aussteht, sieht die Prognose angesichts der Schiene, der Krücken und der Mainzer Reaktionen wohl eher düster aus. Ein Ersatz muss dringend her, weil auch Neuzugang Dong-won Ji, der erste Vertreter Matetas in der Sturmspitze, bis Mitte Dezember ausfällt.

Das Geld für einen verhältnismäßigen "Hochkaräter" wäre da, falls Jean-Philippe Gbamin den Verein noch verlässt. Dann muss allerdings möglicherweise auch für das defensive Mittelfeld noch einmal geschaut werden. Der Bedarf wäre allerdings nicht so dringend, schließlich war der neu gekommene Schweizer Edmilson Fernandes hier ohnehin eingeplant und überzeugte in der Vorbereitung.

SC Freiburg: Rechts hinten könnte noch etwas passieren

Die Planungen im Breisgau sind wohl größtenteils abgeschlossen - vor allem das Halten von wichtigen Spielern wie Luca Waldschmidt stand in der Sommerpause auf dem Programm und war auch von Erfolg gekrönt. Punktuell wurden Neuzugänge verpflichtet, die vor allem auf den Außenbahnen für personelle Alternativen sorgen sollen. Eine kleine Baustelle gibt es noch: Rechtsverteidiger Lukas Kübler hat gerade erst wieder angefangen, mit dem Ball zu trainieren und "Königstransfer" Jonathan Schmid (FC Augsburg) soll eigentlich eher im Mittelfeld agieren. Je nach Marktlage könnte also für die Position rechts in der Viererkette noch ein Spieler verpflichtet werden.

FC Schalke 04: Linksverteidigerposition dünn besetzt

"Es kann sein, dass wir gar keinen Spieler mehr dazuholen", erklärte Jochen Schneider, seines Zeichens Schalker Sportvorstand, im Trainingslager von S04 zuletzt. Ganz ausgeschlossen ist ein weiterer Neuzugang aber nicht. Wenn man auf dessen Einsatzgebiet wetten müsste, wäre es wohl am ehesten das des linken Außenverteidigers. Die Alternativen dort sind dünn gesät, weil auch der vielversprechende Youngster Jonas Carls sich im Testspiel gegen den FC Bologna verletzte und Hamza Mendyl weiterhin keine echte Option zum noch nicht gänzlich überzeugenden Bastian Oczipka zu sein scheint.

Auch im zentralen Sturm könnte man noch einmal nachlegen. Mark Uth ist gerade erst ins Mannschaftstraining zurückgekehrt, ist aber genau wie Ahmet Kutucu eher eine Art "hängende Spitze". Guido Burgstaller verbleibt somit als einziger Stoßstürmer mit Startelfpotenzial, auch wenn Fabian Reese gegen Bologna durchaus ordentlich agierte.

Endlich wieder da! Die "gefühlten" Neuzugänge der Bundesliga Sportschau 25.07.2019 00:35 Min. Verfügbar bis 25.07.2020 Das Erste

FC Augsburg: Wer steht im Tor?

Die Baustellen, die durch die bisherigen Abgänge entstanden sind, hat der FCA quasi positionsgetreu auffangen können (beispielsweise durch Florian Niederlechner statt Dong-won Ji oder Iago statt Konstantinos Stafylidis). Was noch fehlt: die Torwartposition. Gregor Kobel, der von der TSG Hoffenheim in der Rückrunde ausgeliehen worden war, spielt inzwischen beim VfB Stuttgart. Andreas Luthe und Fabian Giefer waren zumindest in der vergangenen Spielzeit nicht die bevorzugten Lösungen. Der Leipziger Yvon Mvogo scheint für die Position inzwischen aber kein Thema mehr zu sein.

Weitere Baustellen: Die Zukunft von Martin Hinteregger, der eigentlich zurück nach Frankfurt will und die von Michael Gregoritsch, an dem Werder Bremen interessiert ist, aber noch nicht die entsprechende Ablösesumme geboten hat. Gerade ein Gregoritsch-Abgang könnte dafür sorgen, dass die Fuggerstädter sich noch einmal umsehen sollten.

1. FC Köln: Noch ein Innenverteidiger

Geschäftsführer Armin Veh ist fast zufrieden mit den Transfers für die neue Saison. Lediglich einen Innenverteidiger hätte Veh noch gern- E gab aber auch zu, durch die Verpflichtung von Ellyes Skhiri das geplante Transferbudget etwas überschritten zu haben. Der FC wird sich also nach einer kostengünstigen Alternative, möglicherweise einer Leihe, umschauen.

SC Paderborn: Alle Augen offen

Steffen Baumgart

Stets aktiv: Steffen Baumgart

Die eine konkrete Baustelle gibt es im Kader des SC Paderborn nicht. Trotz bereits zehn Neuzugängen (bei aber auch mehreren Abgängen) hat Trainer Steffen Baumgart jüngst noch einmal betont, dass die Transferplanungen "in keiner Weise für beendet erklärt worden" seien. Bedeutet wohl: Wenn Qualität zu einem erschwinglichen Preis zu haben ist, wird der Aufsteiger zuschlagen - positionsunabhängig. In der Mittelfeldzentrale könnte nach dem Abgang von Leistungsträger Philipp Klement am ehesten noch etwas passieren. Sollte Linksverteidiger Jamilu Collins nach starken Leistungen tatsächlich in die Türkei wechseln, wäre auch dort nochmal ein Transfer möglich.

Union Berlin: Kader noch (über)voll

Bis auf Robert Zulj, der nach seiner Leihe zurück zu Hoffenheim geht, hat es Union Berlin geschafft, alle Leistungsträger der Aufstiegssaison zu halten - und war dazu auf dem Transfermarkt mit zwölf externen Neuzugängen extrem aktiv. Das hat zur Folge, dass im Kader eigentlich alle Positionen mehrfach besetzt sind, dieser mit 34 Spielern aber auch extrem aufgebläht ist.

Einige Spieler werden das Team also noch mindestens leihweise verlassen. Kandidat für einen Verkauf wäre Ersatzkeeper Jakob Busk, Cihan Kahraman könnte beispielsweise verliehen werden. Den Kader zu reduzieren, ist die dringlichste Aufgabe, eine Verpflichtung eines offensiven Spielmachers - beispielsweise durch eine Rückholaktion von Zulj - wäre das i-Tüpfelchen in der Personalplanung.

Stand: 30.07.2019, 11:09

Darstellung: