Die Baustellen der Bundesligisten - Teil eins

Enttäuschter Niko Kovac

Einen Monat vor Transferschluss

Die Baustellen der Bundesligisten - Teil eins

Von Robin Tillenburg

Die Fußball-Bundesligisten gehen in die letzte Phase der Vorbereitung auf die Saison. Viele haben aber noch Baustellen im Kader - und noch einen Monat Zeit, sie durch Transfers zu schließen.

FC Bayern München: Viel zu tun

Trainer Niko Kovac zeigte sich jüngst wieder optimistisch bezüglich eines Wechsels von Flügel-Angreifer und Nationalspieler Leroy Sané (Manchester City) an die Isar. Tatsächlich drückt auch genau dort der Schuh am meisten: Auf dem offensiven Flügel sind die Abgänge von Arjen Robben und Franck Ribéry noch nicht kompensiert worden, hinter Kingsley Coman und Serge Gnabry klafft dort ein großes Loch. Insgesamt ist der Kader in der Breite mit nur 21 Spielern noch sehr überschaubar - es wird wohl noch mehr als ein Transfer getätigt. Auch ein Backup für Stürmer Robert Lewandowski, der jüngst auch vehement Verstärkungen forderte, soll noch kommen.

Borussia Dortmund: Zu viele Spieler

Kein Bundesligist gab bisher so viel Geld für neue Spieler aus wie Borussia Dortmund. Dementsprechend breit ist der Kader aufgestellt. Einige Spieler wie beispielsweise André Schürrle, Shiinji Kagawa und Maximilian Philipp sollen noch abgegeben werden, auch Julian Weigl gilt als Kandidat. Das Überangebot ist wohl das einzige echte personelle Problem, das Michael Zorc und Lucien Favre noch zu lösen haben.

RB Leipzig: Aktuell alles in Ordnung

Neu-Trainer Julian Nagelsmann hat seinen Kader größtenteils zusammen. Die Gerüchte um einen Abgang von Timo Werner zum FC Bayern München reißen aber nicht ab, vor allem, weil der Vertrag des Nationalspielers im nächsten Jahr ausläuft. Sollte Werner RB tatsächlich noch verlassen, müsste in der Sturmzentrale noch einmal nachgelegt werden. Der Beinbruch von Neuzugang Hannes Wolf dürfte im Mittelfeld mit dem aktuellen Personal wohl erst einmal aufgefangen werden.

Bayer Leverkusen: Amiri als Transferziel

Im temporeichen Offensivfußball, den Trainer Peter Bosz bevorzugt, hat der Abgang von Julian Brandt eine Lücke hinterlassen. Weil Bayer durch die Champions League auch einer hohen Belastung ausgesetzt ist, werden die bereits verpflichteten Kerem Demirbay und Moussa Diaby besagte Lücke wohl nicht alleine schließen. Nadiem Amiri von der TSG Hoffenheim ist der heißeste Kandidat für den letzten Offensivtransfer in diesem Sommer.

Nadiem Amiri bedankt sich bei den Fans

Geht Nadiem Amiri aus Hoffenheim nach Leverkusen?

In den Testspielen setzte es zuletzt in fünf Partien 13 Gegentore. Auf den Außenverteidigerpositionen fehlt es an defensiver Qualität, weil die Spieler, die zur Verfügung stehen, fast alle eher offensiv denken. Das gefällt Bosz grundsätzlich, allerdings wäre eine defensiver agierende Alternative wohl durchaus noch sinnvoll - aktiv gesucht wird sie aber nicht. Möglicherweise übernimmt diese Rolle der "gefühlte Neuzugang" Panagiotis Retsos.

Borussia Mönchengladbach: Flexibler Abwehrmann noch gesucht

Offensiv ist nach den Transfers von Breel Embolo und Marcus Thuram alles geklärt, auch das Mittelfeld dürfte größtenteils den Vorstellungen von Trainer Marco Rose entsprechen. Nur in der Abwehr gibt es noch Nachholbedarf: Ein flexibler Verteidiger, der in der Zentrale und auf der linken Seite spielen kann, wäre die Wunschlösung, damit Oscar Wendt auf links auch mal durchatmen kann und in der Abwehrmitte genügend Alternativen vorhanden sind. Genau diesem Profil entspricht Nizzas Youngster Malang Sarr. Der 20-Jährige passt ideal zu den Anforderungen, doch die Ablösesumme macht offenbar noch Probleme.

Endlich wieder da! Die "gefühlten" Neuzugänge der Bundesliga Sportschau 25.07.2019 00:35 Min. Verfügbar bis 25.07.2020 Das Erste

VfL Wolfsburg: Kommt noch ein Mittelstürmer?

Keinen Leistungsträger verloren, dafür aber einige vielversprechende Akteure wie Kevin Mbabu und Xaver Schlager verpflichtet: Der VfL Wolfsburg sieht sich größtenteils gerüstet für die Saison, in der ja auch die Europa League auf dem Plan steht. Bloß in der Sturmzentrale gibt es angesichts der Dreifachbelastung hinter Wout Weghorst eine Lücke. Daniel Ginczek, der eigentlich für diese Rolle vorgesehen ist, hat auch aktuell wieder gesundheitliche Probleme. Dortmunds Philipp galt als mögliche Option, doch Geschäftsführer Jörg Schmadtke nannte den Transfer aufgrund der geforderten Ablösesumme zuletzt "fast sogar unmöglich."

Eintracht Frankfurt: Ganz vorn und im Kasten drückt der Schuh ein wenig

 Kevin Prince Boateng am Ball

Bald wieder im Eintracht-Trikot? Kevin-Prince Boateng

Bei kaum einem Bundesligisten ranken sich so viele Gerüchte um mögliche Zugänge wie bei Eintracht Frankfurt. Kein Wunder: Die Kassen sind nach den Abgängen von Sébastien Haller und Luka Jovic gut gefüllt. In der Offensive braucht es noch mindestens ein bis zwei Spieler - der Ex-Frankfurter Kevin-Prince Boateng, Dodi Lukebakio und der umworbene Philipp sollen mögliche Ziele von Fredi Bobic sein.

Neben dem Angriff ist es die Torwartposition, die Sorgen bereitet, weil Frederik Rönnow sich erneut mit Verletzungsproblemen plagt und auch sonst nicht unumstritten ist. Kevin Trapp (Paris Saint-Germain), der in der vergangenen Spielzeit ausgeliehen war, sollte dauerhaft geholt werden, doch das gestaltet sich offenbar schwierig. Der Leipziger Yvon Mvogo könnte etwas einfacher zu bekommen sein.

Werder Bremen: Abwehrspieler hat Priorität

Dass Max Kruse, der in der Offensive der Dreh- und Angelpunkt der Mannschaft von Florian Kohfeldt war, den Verein verlassen hat und nicht gleichwertig ersetzt wurde, schien lange das größte Problem von Werder zu werden (Niclas Füllkrug ist als "Vollstrecker" ein ganz anderer Spielertyp).

Doch nun ist es die Abwehr, in der der Schuh drückt. Die Innenverteidiger Milos Veljkovic und Sebastian Langkamp sind verletzt - es bleiben nur der junge Marco Friedl und Abwehrchef Niklas Moisander für das Zentrum. Hier wird Werder definitiv nachlegen. Dass sich die Verletzung von Linksverteidiger Ludwig Augustinsson als weniger schwer entpuppte, sorgte für kollektive Erleichterung. Wenn der Defensivspieler gefunden ist, wird Sportchef Frank Baumann aber auch in Sachen Offensive wohl nochmal die Fühler ausstrecken. Kommt Michael Gregoritsch vom FC Augsburg?

TSG 1899 Hoffenheim: Skov-Transfer rundet die Kaderplanung wohl ab

Die Verluste der Angreifer Joelinton und Reiss Nelson und Mittelfeldspieler Kerem Demirbay, sowie den wahrscheinlichen Abgang von Nadiem Amiri will Trainer Alfred Schreuder mit den drei Neuen Ihlas Bebou, Sargis Adamyan und "Top-Transfer" Robert Skov, sowie dem von seiner Leihe zurückgekehrten Vincenzo Grifo auffangen. Auch Robert Zulj und Steven Zuber sind nach ihren Ausleihen wieder im Kader und können sich empfehlen. Eine akute Baustelle hätte die TSG nur, wenn Belfodil und Andrej Kramaric beide nicht rechtzeitig zum Saisonstart fit werden. Insgesamt dürfte die Kaderplanung aber weitgehend abgeschlossen sein.

Stand: 29.07.2019, 11:52

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