Bundesliga - Heiße Phase vor der Winterzeit

Hart umkämpft: BVB gegen Bayern

Bundesliga-Hinrunde

Bundesliga - Heiße Phase vor der Winterzeit

Von Frank Hellmann

In der Fußball-Bundesliga beginnt eine entscheidende Phase. In den vergangenen Jahren hat sich vor der Winterpause die Tabelle oft komplett geändert. Drei Spieltage finden nun an den zehn Tagen vor Heiligabend statt. Nicht viele finden das gut.

Adi Hütter gibt sich immer noch vorsichtig. So gut es bei Eintracht Frankfurt gerade läuft - seit neun Pflichtspielen ungeschlagen, davon acht Siege -, so will der Trainer aus dem guten ersten Saisondrittel keinen Dauerzustand ableiten. Also sagt der österreichische Fußballlehrer vor dem Auswärtsspiel beim FC Augsburg (Samstag 15.30 Uhr): "Ein Wunder wäre es sicherlich, wenn wir dort, wo wir jetzt stehen, auch am Saisonende platziert wären." Derzeit sind die Hessen auf Platz vier, wären damit für die Champions League qualifiziert.

Doch mit voreiligen Schlüssen sind die Verantwortlichen vorsichtig geworden. Unter Vorgänger Niko Kovac hat die Eintracht zweimal gute Startvorlagen am Ende noch verspielt. In der Vorsaison standen die Hessen am 23. Spieltag nach einem 2:1-Heimsieg gegen RB Leipzig sogar auf Platz drei, ehe die Eintracht  bis auf Rang acht durchgereicht wurde. Noch krasser der Absturz in der Saison 2016/2017: Bis zum 20. Spieltag hatte sich Frankfurt als Tabellendritter festgekrallt, um dann doch nur als Elfter einzulaufen.

Vor zwei Jahren führte RB Leipzig

Wenn Trainer oder Sportdirektoren die aktuelle Tabelle nach dem ersten Saisondrittel nur als Momentaufnahme begreifen, ist das insofern berechtigt, weil es stets noch gravierende Veränderungen gab. Beispiel 2015/2016: Damals standen nach dem ersten Drittel Werder Bremen, 1899 Hoffenheim und der FC Augsburg auf den letzten drei Plätzen, aber abgestiegen sind am Ende Hannover 96 und der VfB Stuttgart, Eintracht Frankfurt rettete sich in der Relegation.

Oder die Saison 2016/2017: Da führte nach elf Spieltagen der Aufsteiger RB Leipzig mit drei Punkten vor dem FC Bayern, ehe die Überflieger eingebremst wurden. Die Sachsen wurden immerhin Vizemeister, hatten aber 15 Zähler Rückstand auf den Rekordmeister. In jener Saison hatte der HSV Mitte November erst drei Punkte auf dem Konto, rettete sich allerdings in damals noch bekannter Manier.

Berg- und Talfahrt in Bremen

Die krasseste Diskrepanz zeigte sich in der Vorsaison beim SV Werder: Am elften Spieltag startete Trainer Florian Kohfeldt mit einer unglücklichen 1:2-Niederlage bei Eintracht Frankfurt in sein neues Amt, die Hanseaten waren siegloser Vorletzter mit mickrigen fünf Punkten. Doch der Turnaround gelang: Die Grün-Weißen liefen als gesicherter Elfter ein, punkteten unter Kohfeldt bereits bis Weihnachten eifrig.

In dieser Saison könnte die Berg-und Talfahrt in Bremen weitergehen - aber diesmal das Gegenteil passieren. Der gute Start mit Platz drei nach acht Spieltagen ist nach drei Niederlagen in Folge schon Vergangenheit. Und das Dezember-Programm könnte kaum heftiger kaum sein. Es geht noch gegen den FC Bayern (1.12.), zu Borussia Dortmund (15.12), gegen die TSG Hoffenheim (19.12) und zu RB Leipzig (22.12). Binnen acht Tagen treten die Bremer bei drei Spitzenteams an.

Drei Spieltage direkt vor Weihnachten

Die Ballung mit drei Spieltagen direkt vor Weihnachten ist eine Besonderheit – und einigen Verantwortlichen ein Dorn im Auge. Als Mainz 05 erfuhr, dass sein Hinrunden-Kehraus bei der TSG Hoffenheim am Sonntag, 23. Dezember um 18 Uhr angesetzt wurde, twitterte der Klub direkt: "Warum nicht gleich an Heiligabend?" Auch vielen Fans gefällt es nicht, dass die Bundesliga-Profis in den letzten zehn Tagen vor der Bescherung dreimal antreten, fast die Hälfte der Klubs bestreitet mitten in der Vorweihnachtszeit an den letzten beiden Adventswochenenden zwei Auswärtsspiele.

Die Termingestaltung ist ein häufig diskutiertes Problem. Viele Parameter fließen in den Bundesliga-Spielplan ein. Fakt ist: Die Bundesliga hat sich den Luxus geleistet, als letzte der großen Ligen erst am letzten August-Wochenende zu beginnen. Eine Woche zuvor fand die DFB-Pokalrunde (17. bis 20. August), davor der Supercup Eintracht Frankfurt gegen Bayern München (12. August) statt. Die englische Premier League hatte den Liga-Betrieb bereits am 10. August begonnen.

Später Saisonstart mit Rücksicht auf die WM

Als für den deutschen Fußball der Rahmenterminkalender festgezurrt wurde, waren Funktionäre wie Vereinsvertreter davon ausgegangen, die deutsche Nationalmannschaft würde bis zum Final-Wochenende der WM 2018 in Russland mitspielen (14./15. Juli). Entsprechend großzügig sollte die Reserve zur Regeneration sein.

Niemand konnte ja ahnen, dass die Mannschaft so früh heimfliegt. Nun allerdings muss die Belastungssteuerung im Dezember besonders klug sein. Die sieben Europapokalteilnehmer haben noch acht Pflichtspiele binnen vier Wochen zu absolvieren. Erschwerend kommt hinzu: Bei der kalten Witterung steigt nicht nur die Erkältungs-, sondern auch die Verletzungsgefahr.

Thema in: Sportschau, Das Erste, 24.11., ab 18 Uhr

Stand: 23.11.2018, 09:22

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