Hannovers Abhängigkeit von Füllkrug ist zu groß

Hannoevrs Niclas Füllkrug (l.) und Wolfsburgs Maximilian Arnold

Schnelles Wiedersehen gegen Wolfsburg

Hannovers Abhängigkeit von Füllkrug ist zu groß

Von Christian Hornung

Hannover ist gerade im Pokal gegen den VfL Wolfsburg ausgeschieden - jetzt steht schon das Wiedersehen in der Liga an. Problem für die 96er: Ihre Abhängigkeit von Niclas Füllkrug ist offenbar zu groß.

Anschauungsunterricht, wie man es nicht macht, hat Hannover am Dienstag (30.10.2018) vor einer Woche bereits bekommen. Da mühte sich die Mannschaft von André Breitenreiter 90 Minuten lang im Pokal gegen die Wölfe ab, wurde aber so gut wie nie torgefährlich. Am Ende stand ein verdientes 0:2 zu Buche, das einmal mehr den Verdacht nahelegte: Ohne einen gesunden und in Form befindlichen Füllkrug, der in dieser Partie wegen einer Kniereizung fehlte, wird es für 96 eine Saison am Rande des sportlichen Abgrunds. Das 1:3 am Samstag beim FC Schalke 04, wieder ohne Füllkrug, sah ebenfalls danach aus. Und am Freitag gegen die Wölfe fehlt Füllkrug erneut.

Auswärts 18 Spiele sieglos

"Man sieht, dass wir im Abstiegskampf sind. Da gibt es nichts zu beschönigen", hat Manager Horst Heldt inzwischen zugegeben. Sechs Punkte aus zehn Spielen - die schlechteste Bilanz der vergangenen drei Jahrzehnte - lassen auch kaum einen anderen Schluss zu.

Zumal es eigentlich überall hapert. Seit 18 Spielen hat Hannover auswärts nicht mehr gewonnen - in dieser Saison gelang aber auch erst ein Heimsieg. Die Abwehr wackelt mit 21 Gegentoren, im Angriff läuft mit erst zwölf Treffern auch wenig zusammen: Kein 96-Spieler hat bislang mehr als zwei Erfolgserlebnisse.

Füllkrug schießt und schießt

Die Flaute vorn hängt maßgeblich mit Füllkrug zusammen. In der vergangenen Saison war der 25-Jährige mit 14 Treffern drittbester Schütze der Liga. Platz drei belegt er auch aktuell wieder - allerdings nur bei den Torschüssen. 29 Mal hat er es bislang probiert - erst zweimal ist was passiert. Öfter das gegnerische Gehäuse anvisiert haben nur Leipzigs Timo Werner (46 Mal) und Gladbachs Alassane Plea (31). Werner traf sechsmal, Plea fünfmal.

Und Plea wäre beinahe gar nicht zu den Fohlen gekommen, denn Borussen-Coach Dieter Hecking hatte eigentlich einen ganz anderen Wunschspieler: Niclas Füllkrug.

Fast statt Plea in Gladbach gelandet

Um den Mittelstürmer der 96er kämpfte Gladbach-Manager Max Eberl vor der Saison über mehrere Wochen, alle drei Parteien machten daraus auch kein Geheimnis: 17 Millionen Euro betrug das Ablöse-Angebot am Ende, doch Hannover-Boss Martin Kind wollte nach Salif Sané (zu Schalke) nicht auch noch seinen zweiten Topmann verlieren. Daraufhin forcierten die Gladbacher den Plea-Transfer - und haben nach jetzigem Stand alles richtig gemacht.

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Füllkrug, der durchaus Interesse an einem Wechsel hatte (O-Ton: "Die Gespräche mit Dieter Hecking und Max Eberl waren sehr angenehm - Gladbach ist ja auch ein besonderer Verein"), bekannte sich dann mit leichter Verzögerung zu seiner Zukunft in Hannover und verlängerte dort seinen Vertrag.

Knie-Behandlung in München

Ob die durch Wechselgedanken unruhige Saisonvorbereitung etwas mit seiner Ladehemmung in dieser Saison zu tun hat, kann nur Füllkrug selbst beantworten. Aber zu seiner Formkrise plagt er sich auch noch mit Dauerschmerzen im Knie herum, die er unter der Woche in München bei Ralph Frank, dem Arzt seines Vertrauens, behandeln ließ. Für ein Blitz-Comeback reicht es aber nicht, Füllkrug wird erst nach der Länderspielpause ins Team zurückkehren.

Dass er dann ganz schnell die Form der Vorsaison wiederfindet, ist die große Hoffnung der 96er. Denn weder Bobby Wood, Ihlas Bebou noch der aus der Kreisliga bis in die Bundesliga durchgestartete Hendrik Weydandt sind bisher in der Lage, ihn auch nur annähernd zu ersetzen.

Thema in: Sportschau, Das Erste, Samstag, 10.11.2018, ab 18.10 Uhr

Stand: 09.11.2018, 08:24

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