Die Bundesliga in Europa - alles halb so schlimm?

Frankfurts Luka Jovic (l) und Sebastian Rode (2.v.r) jubeln nach dem Schlusspfiff mit Betreuern

Fünf-Jahres-Wertung

Die Bundesliga in Europa - alles halb so schlimm?

Von Chaled Nahar

Nach dem Ausscheiden von drei deutschen Teams gegen englische Mannschaften in der Champions League brüllen viele Beobachter nach Investoren. Ein Blick auf andere Zahlen relativiert das Abschneiden der Bundesliga in Europa jedoch etwas.

Felix Magath gibt sich ziemlich sicher. "Wenn man international erfolgreich sein will, muss man auch den internationalen Regeln folgen. Es wird letztendlich kein Weg an der Öffnung für Investoren vorbeiführen", sagte er bei "Sportbuzzer". Die Argumente scheint er derzeit auf seiner Seite zu haben, schließlich schieden die Bundesliga-Klubs im Achtelfinale der Champions League komplett aus. Doch steht es wirklich so schlecht um den deutschen Klubfußball in Europa?

Beste Saison seit 2015/16 - jetzt schon

Ein Blick auf die in Kneipen häufig zitierte "Fünf-Jahres-Wertung", die in Wahrheit "Länder-Koeffizient" heißt, lässt andere Schlüsse zu. Die Bundesliga mit ihren Klubs holte in dieser Saison 14,928 Punkte für die Wertung - der 2:0-Sieg von Eintracht Frankfurt im Rückspiel gegen Benfica Lissabon im Viertelfinale der Europa League ist dabei bereits eingerechnet.

Die Bundesliga ist damit keinesfalls auf dem Weg in eine internationale Bedeutungslosigkeit. 14,928 Punkte sind jetzt schon deutlich mehr als in der tatsächlich katastrophalen Saison 2017/18 mit 9,857 Punkten und der Saison 2016/17, als die Bundesliga 14,571 Punkte holte. Die aktuelle Saison ist also die beste seit drei Jahren und taugt damit kaum als Zeugnis einer neuen großen Schwäche.

Italien bald wieder in Reichweite

Rang vier in der sogenannten "Fünf-Jahres-Wertung", der vier Startplätze in der Champions League und drei in der Europa League garantiert, ist für die Bundesliga nicht in Gefahr. Der Vorsprung auf Frankreich wird sich am Saisonende zwar etwas verkleinern, ist mit mehr als 13 Punkten aber mittelfristig nicht einholbar. Der Blick nach oben lohnt sich eher: Italien hat nur noch etwas mehr als drei Punkte Vorsprung, in der vergangenen Saison waren es noch fast fünf.

Interessant an der Rangliste ist die Spalte der Saison 2014/15, die in der kommenden Saison aus der Wertung fallen wird. Dort hatte Italien mit 19,000 Punkten einen überdurchschnittlich hohen Wert. Dieser wird nun gestrichen - für die Bundesliga die Chance, auf Platz drei zu springen. Mit Beginn der Saison 2019/20 wird Deutschland ohne die Werte aus der Saison 2014/15 sogar schon knapp vor Italien stehen (55,784 zu 55,725).

UEFA-Länder-Koeffizient
PlatzLand14/1515/1616/1717/1818/19Gesamt
1Spanien20,21423,92820,14219,71419,285103,283
2England13,57114,25014,92820,07120,07182,891
3Italien19,00011,50014,25017,33312,64274,725
4Deutschland15,85716,42814,5719,85714,92871,641
5Frankreich10,91611,08314,41611,50010,58358,498

Italien chancenlos - trotz Investoren

Den Wert der Bundesliga kann Eintracht Frankfurt noch verbessern. Die Eintracht, die die Wertung aus deutscher Sicht derzeit komplett allein gestaltet, könnte mit zwei Siegen gegen Chelsea und dem Einzug ins Endspiel bis zu 0,714 Punkte holen, im Endspiel wären theoretisch nochmal 0,296 Punkte drin.

Die italienischen Klubs Inter Mailand, SSC Neapel, AS Rom, Juventus Turin, Atalanta Bergamo, Lazio Rom und der AC Mailand sind allesamt ausgeschieden. Dass diese Klubs mehrheitlich Investoren aus China, den USA und Italien gehören, die ihr Geld sonst mit Kosmetik, Elektrogeräten, Autos, Investmentfonds oder Filmproduktionen verdienen, bleibt genauso eine Randnotiz wie der mögliche Ausschluss des AC Mailand aus den europäischen Wettbewerben wegen finanzieller Verfehlungen.

Es ist aber ein Hinweis darauf, dass eine geschickte Planung von Kader und Transfers oft mehr bewirken kann als ein Investor, zumal auch für die wohl reichsten Klubs von Manchester City, Manchester United und Paris Saint-Germain relativ früh Schluss war.

Das wahre Problem: Die Saison 2017/18

Richtig ist allerdings auch, dass die Bundesliga am Ende der Saison 2016/17 noch auf Platz zwei der Wertung hinter Spitzenreiter Spanien stand und seitdem der Rückstand auf Spanien etwas und auf England sehr stark gewachsen ist.

Das liegt vor allem an der Saison 2017/18, als die Bundesliga nur durch die Bayern in der K.o.-Runde der Champions League vertreten war und auch in der Europa League die meisten deutschen Klubs schnell rausgeflogen waren. Diese Minusleistung wird der Bundesliga noch bis 2022 am Schuh kleben.

Stand: 19.04.2019, 15:17

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