Bundesliga zwischen Sanktionen und Nachbesserungen

Mateus Cunha freut sich mit Vedad Ibisevic

Fortsetzung der Bundesliga

Bundesliga zwischen Sanktionen und Nachbesserungen

Von Jens Mickler

Nach den ersten Spielen haben die Bundesligisten viel Lob für die Einhaltung der Hygienebestimmungen erhalten. Diskussionen lösten aber auch Verstöße gegen die Empfehlungen des DFL-Konzepts aus.

Es waren Bilder wie diese, die von dem ersten Wochenende nach der Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Bundesliga in Erinnerung bleiben werden: Auf dem Weg aus den Katakomben des Millerntorstadions auf den grünen Rasen schmissen die Spieler des FC St. Pauli ihren Mund-Nasen-Schutz einer nach dem anderen in einen Mülleimer - Note eins, Hygiene-Vorschriften der Deutschen Fußball Liga vorbildlich umgesetzt.

Wie andernorts zum Beispiel auch die Abstandsregeln auf den Ersatzbänken einwandfrei eingehalten wurden. So ließen die Reservespieler von Borussia Dortmund weit mehr als die geforderten zwei Meter Differenz zum Nebenmann. Platz im großen Stadion war ja genug da. Diese Distanzen waren von der DFL vorgegeben worden.

Kontakte vermeiden, wo es geht

Kontakte soweit wie möglich vermeiden ist schließlich das oberste Gebot in diesen Zeiten. Das gilt natürlich auch für Fußballer, die eigentlich mit Zweikämpfen und Strafraumansammlungen jegliche Kontaktvorschriften ad absurdum führen. Den 15-minütigen Gesichtkontakt, der nach Kategorisierung des Robert Koch-Institus zur Einstufung als Kontaktperson 1 führen würde (und damit ein Spielverbot zur Folge hätte), den wies wohl selbst Nationalspieler Guido Buchwald nicht auf, als er Diego Maradona im WM-Finale 1990 permanent auf den Füßen stand.

Bilanz des ersten Geisterspieltags Mittagsmagazin 18.05.2020 02:41 Min. Verfügbar bis 18.05.2021 Das Erste

Reibungspunkte gab es aber dennoch an diesem Fortsetzungspieltag. So bei den Spielern, die aus alter Gewohnheit auf den Rasen spuckten. So bei den Torjublern von Hertha BSC, die jegliche Abstandsempfehlungen außer Acht ließen. Hertha-Trainer Bruno Labbdia versuchte zu beschwichtigen: "Es ist wichtig, eine Verhältnismäßigkeit einzuordnen, weil wir natürlich auch automatisch Kontakt haben, wenn wir im Zweikampf oder beim Eckball sind. Das werden wir nicht vermeiden können."

Kein Bestandteil des Regelwerks

Und Sanktionen werden die Berliner wohl auch nicht zu befürchten haben. "Die Empfehlung, Abstand zu halten und Körperkontakt zu vermeiden, steht nur in den Hygiene-Empfehlungen der DFL, sie ist nicht Bestandteil des Regelwerks", stellte Schiedsrichter-Lehrwart Lutz Wagner klar. Die DFL hat ihr Hygienekonzept bislang nur in die Spielordnung implementiert, nicht aber ins Regelwerk. Strafen sind somit bislang ausgeschlossen.

Eingegriffen werden müsste von höherer Stelle, etwa seitens der Politik. CSU- Ministerpräsident Markus Söder kündigte bereits Nachjustierungen an. "Wir sollten aus den Erfahrungen lernen und nachsteuern", meinte er in der Sport1-Sendung "Doppelpass". Die Deutsche Fußball-Liga werde ihre Vorgaben hinsichtlich des Torjubels "bestimmt noch einmal nachschärfen"

Wehrle über das Greifen des DFL-Konzepts: "Stein vom Herzen gefallen" Sportschau 17.05.2020 05:00 Min. Verfügbar bis 17.05.2021 Das Erste

Zufrieden mit der Umsetzung des Hygienekonzepts zeigte sich Alexander Wehrle, Geschäftsführer des 1. FC Köln und DFL-Präsidiumsmitglied. "99 Prozent der Jungs haben es echt klasse gemacht", sagte Wehrle in der Sportschau am Sonntag. Aber es seien noch acht Spieltage zu gehen. "Wir haben einen Vertrauensvorschuss der Politik, den sollten wir annehmen und umsetzen", so Wehrle, der sich um das fehlende eine Prozent keine großen Sorgen macht, "so, wie ich Bruno Labbadia kenne, wird er mit seinen Jungs sprechen." Der nächste Berliner Torjubel werde bestimmt anders ausfallen, glaubt Wehrle.

Göttlich: "Es können Fehler passieren"

Oke Göttlich, Präsident des FC. Pauli

Oke Göttlich

Oke Göttlich, Präsident des FC St. Pauli und ebenfalls Präsidiumsmitglied der DFL, warb in dieser Hinsicht für mehr Verständnis. "Wir müssen vor dem Hintergrund dieser abgrundtiefen schwierigen Lage für sämtliche Menschen, Verständnis haben, dass Fehler passieren können - ganz egal, ob es Fußballer sind oder Familienväter und -mütter. Ich halte es daher für schwierig, dass wir über alles öffentlich eine große Bewertung vornehmen und finde es übertrieben, dass sofort Sanktionen gefordert werden", sagte Göttlich dem Deutschlandfunk.

Man spreche insgesamt über ungefähr fünf Fälle, die gegen das Hygienekonzept der DFL bislang verstoßen hätten und das bei 1.000 Profispielern und 3.000 Menschen, die im engeren Umfeld der 36 Profi-Klubs tätig sind. Es gehe darum, durch eine enge Testung ein Sportspiel mit wirtschaftlichem Hintergrund durchzuführen. "Darum bemühen wir uns. Man kann das alles kritisch hinterfragen, aber diese Diskussionen hat der Fußball nicht zu verantworten, die werden auf dem Rücken des Fußballs ausgetragen", sagte Göttlich.

Stand: 18.05.2020, 12:12

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