Fortsetzung Bundesliga - mehr Gefühl als Lehrbuch

Leipzigs Spieler im Training

Nur eine gute Woche Vorbereitung

Fortsetzung Bundesliga - mehr Gefühl als Lehrbuch

Von Marcus Bark

Mit Hochdruck müssen die Trainer ihre Mannschaften in außergewöhnlicher Zeit wieder an die Leistungsgrenzen bringen. Das geht eher mit Gefühl als mit Lehrbuch, die Qualität des Fußballs spielt zunächst nur eine untergeordnete Rolle.

Für 34 der 36 Klubs aus dem Bereich der Deutschen Fußball Liga (DFL) geht es frühestens am 16. und spätestens am 18. Mai wieder los. Stand jetzt, wie es in der Branche so gerne heißt. In diesem Fall ist es der Stand von Montag (11.05.2020).

Nur noch fünf Tage sind es also, bis Eintracht Frankfurt gegen Borussia Mönchengladbach spielt. Beide Mannschaften haben ein Stückchen Erfahrung mit Spielen ohne Zuschauer. Die Frankfurter verloren am 12. März in der Europa League vor leeren Rängen mit 0:3 gegen den FC Basel. Gladbach gewann einen Tag zuvor in der Bundesliga mit 2:1 gegen den 1. FC Köln.

Trainingslager unter Quarantäne

Es ist ein minimaler Erfahrungsvorsprung in der Zeit der Corona-Pandemie, in der so vieles neu ist. Wie Trainer eine Mannschaft in nur wenigen Tagen mit fußballspezifischem Training wieder an die Leistungsgrenze bekommen sollen, diese Frage müssen sie auch eher aus dem Gefühl denn aus Lehrbüchern oder eben Erfahrungen beantworten.

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Die Vereine schotten sich ab, bevor die Ligen fortgesetzt werden. Das Hygienekonzept der DFL schreibt ein Trainingslager unter Quarantäne vor. So ist es schwierig, an Informationen zu kommen, welcher Spieler nicht trainiert, welcher wieder trainiert, was trainiert wird, in welchem Umfang trainiert wird. Es ist ein Stochern im Nebel, wie nach einer geordneten Vobereitung auch - nur mit noch viel mehr Fragen.

"Es wird sicher nicht der gleiche Fußball sein"

Im Vordergrund scheint die Frage zu stehen, ob es tatsächlich gelingen wird, vor dem 30. Juni die Saison in Bundesliga und 2. Liga zu beenden. Dann würden die Millionen Euro aus der Vermarktung der Medienrechte in ausgehandelter Höhe fließen, dann würde vielen juristischen Fragen aus dem Weg gegangen.

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Es kann derzeit fast nur spekuliert werden, auch über eine in diesen Tagen ziemlich nachrangige Frage - die nach der Qualität des Spiels. "Es wird sicher nicht der gleiche Fußball sein wie vor ein paar Wochen, weil alle eine Durststrecke hinter sich haben", sagte Frankfurts Trainer Adi Hütter, bevor er sich mit seiner Mannschaft in das Trainingslager verabschiedete, "am Anfang werden wir sicher nicht die ganz hohe Qualität haben."

Interne Testspiele

Eine knappe Woche vor dem Saisonstart bestreiten die Mannschaften in der Regel ihr letztes Testspiel, Generalprobe oder auch Härtetest genannt. Gerne werden dann Gegner aus anderen Topligen um ein Duell gebeten. All das fällt flach. "Man erkennt immer erst am Gegner, was man gut gemacht hat. Deswegen macht man ja in der Vorbereitung das ein oder andere Testspiel. Das fehlt jetzt", sagte Baumgart im Interview mit den vereinseigenen Medien.

Es muss intern gegeneinander gespielt werden. Da hilft es, dass die Kader wegen der Gefahr positiver Coronafälle bei den meisten Vereinen - auch auf Empfehlung der DFL - aufgestockt wurden. Borussia Dortmunds Trainer Lucien Favre kündigte schon vor Wochen an, dass er mehrere interne Testspiele ansetzen werde. Dabei wolle er die Spielzeit sukzessive heraufsetzen, bis hin zu den auch am Samstag im Derby gegen Schalke geforderten 90 Minuten. Dass er keine zwei Wochen Zeit haben wird, um seine Mannschaft unter Wettkampfbedingungen vorzubereiten, wusste Favre zu jenem Zeitpunkt noch nicht.

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Der dritte Teil der Saison

Sein Kollege Julian Nagelsmann von RB Leipzig, mit dem er um den Titel des deutschen Meisters streitet, betrachtet die intensive letzte Woche vor dem Spiel am Smastag gegen den SC Freiburg wie "ein kleines Trainingslager, in dem wir uns sozusagen auf den dritten Teil der Saison vorbereiten". Das sagte Nagelsmann in einem Interview mit dem "kicker", in dem er auch näher erläuterte: "Man hatte eine kurze Pause, dann eine lockere und jetzt eine schärfere Vorbereitung."

Ebenfalls im "kicker" sprach Uwe Rösler. Fortuna Düsseldorfs Trainer steht mit seiner Mannschaft gleich vor dem wichtigen Spiel im Abstiegskampf gegen den SC Paderborn. In einer solchen Partie ist dem Sieger die Frage nach der Qualität des Fußballs grundsätzlich schnuppe. Rösler baute schon mal vor: "Der Start wird bei allen holprig sein, keiner ist in Topform."

Stand: 11.05.2020, 14:04

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