Fanszene gegen Teil-Öffnung der Fußballstadien

Ein Banner der Fans von Borussia Mönchengladbach

Vorstoß aus Sachsen

Fanszene gegen Teil-Öffnung der Fußballstadien

Sachsen will als erstes Bundesland wieder Fußballspiele mit Zuschauern zulassen - unter Auflagen. In der organisierten Fanszene stößt die Idee der Teil-Öffnung auf wenig Gegenliebe.

"Wir sehen das sehr, sehr skeptisch und können den Plänen nicht viel abgewinnen", sagte Sprecher Sig Zelt vom Bündnis "ProFans": "Viele von uns sagen: Wenn nicht alle reinkommen, dann geht gar keiner rein."

Das Bündnis "Unsere Kurve" verwies auf aktuell laufende Gespräche mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu dem Thema. "Wir setzen uns an einen Tisch, aber es wird ein schwieriges Unterfangen", sagte Sprecher Rainer Vollmer. 

Fans sehen Kontaktverfolgung problematisch

Zuletzt hatte die sächsische Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) in Aussicht gestellt, Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern unter Einhaltung von Hygieneregeln und der Kontaktverfolgung zu ermöglichen. Doch gerade das Thema "Kontaktverfolgung" löst bei den organisierten Fans Unbehagen aus, viele befürchten eine "Überwachung", verriet Zelt: "Das schmeckt vielen überhaupt nicht. Sie befürchten, dass das missbraucht wird."

Fußball ohne Gesänge realitätsfern

Köppings Vorschlag, "rufen, singen und schreien wenn möglich zu vermeiden", hält der ProFans-Sprecher für realitätsfern: "Natürlich gehören bei uns die Nähe, das laute Äußern und die Gesänge zu einem Fußballspiel dazu." Aufgrund dieser Probleme kann sich Zelt vorstellen, dass organisierte Fangruppen trotz der Öffnung auf einen Stadionbesuch verzichten würden. "Das ist durchaus denkbar", sagte er.

Fans im Stadion? So könnte es gehen

Sportschau 08.07.2020 01:10 Min. Verfügbar bis 08.07.2021 ARD Von SWR-Reporter Detlev Lindner

Auch Gesundheitsexperte Lauterbach dagegen

Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kritisiert die Pläne. "Es wird einfach auf Risiko gespielt in der Hoffnung, es werde noch gut gehen", sagte Lauterbach dem "Redaktions-Netzwerk Deutschland" (RND). Solche Maßnahmen könnten "die perfekte Vorbereitung einer zweiten Welle im Herbst sein".

Volle Stadien soll es zwar nicht geben, aber selbst die 20.000 Zuschauer, die nach einem von RB Leipzig erarbeiteten Konzept erlaubt wären, bergen für Lauterbach noch ein extremes Risiko. "Spiele mit Zuschauern halte ich für nicht verantwortbar. Auch andere Großveranstaltungen ohne Grenze nach oben sind durch Hygienekonzepte nicht wirklich sicher zu machen. Denn die Kontaktverfolgung wird bei diesen Menschenmengen natürlich nicht gelingen", sagte er.

sid/dpa | Stand: 08.07.2020, 11:20

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