Bundesliga - die veränderte Wertschätzung für Trainer

Frankfurts Trainer Adi Hütter und Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann (r)

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Bundesliga - die veränderte Wertschätzung für Trainer

Von Dorian Aust

Der FC Bayern zahlt für Julian Nagelsmann eine kolportierte Ablöse von über 20 Millionen Euro. Lange Zeit waren Ablösesummen für Trainer undenkbar, jetzt sind sie im Trend. Das deutet auf eine veränderte Wertschätzung für Übungsleiter hin.

Es war viel los in den vergangenen Wochen: Im Februar entschied Borussia Dortmund, die auf fünf Millionen Euro geschätzte Ausstiegsklausel für Gladbachs Marco Rose zu nutzen. Vor knapp zwei Wochen legte Max Eberl für den Frankfurter Adi Hütter noch mehr Geld auf den Tisch, die Rede war von 7,5 Millionen Euro.

Am DIenstagvormittag dann die Meldung: Leipzigs Julian Nagelsmann geht zum FC Bayern. Hier ist eine Ablöse von 20 bis 30 Millionen Euro im Gespräch.

Durchkapitalisierter Profifußball?

Für manchen Fan klingen diese Meldungen nur wie die nächste Stufe im durchkapitalisierten Profifußball. Vielleicht sind diese Ablösen aber auch nur Ausdruck der veränderten Wertschätzung des Berufs Cheftrainer.

Max Eberl, Sportdirektor von Mönchengladbach

Gladbachs Sportdirektor Eberl bezeichnete Trainer unlängst als wichtigste Mitarbeiter im Verein und erklärte, dass der Fußball sich nun einmal "dahin entwickelt". Warum auch, diese Frage stellte Eberl in den Raum, sollten Spielergehälter und -ablösesummen von Jahr zu Jahr steigen, erfolgreiche Trainer aber stets zum Nulltarif kommen?

Trainer nehmen ihr Schicksal in die eigene Hand

Vermutlich werden sich Fußballfans und Klubs daran gewöhnen müssen, dass Trainer zukünftig immer öfter aus bestehenden Verträgen rausgekauft werden könnten. Immerhin tragen Trainer auch die Verantwortung für sportliche Leistungen. Stimmen letztere nicht, verlieren sie in der Regel ihren Job.

Trainer tragen viel Verantwortung, haben ein hohes Jobrisiko und verdienen deutlich weniger als ihre besten Spieler - das geht nicht so richtig zusammen. Die Trainer drehen den Spieß nun zunehmend um und bestimmen ihren Karriereweg selbst. Warum auch nicht? "Bei Spielern regt sich niemand auf, wenn sie Ausstiegsklauseln haben", sagt Max Eberl.

Sein baldiger Ex-Coach Marco Rose hat nicht zum ersten Mal von einer solchen Ausstiegsklausel Gebrauch gemacht, um den nächsten Schritt zu gehen - auch nach Gladbach wechselte er auf diesem Wege. Bayerns Hansi Flick hatte keine Ausstiegsklausel, will das Heft des Handelns aber ebenfalls selbst in der Hand halten und hat um Vertragsauflösung gebeten, nachdem er offenbar zu wenig Mitspracherecht bei der Kaderplanung hatte.

Nagelsmann zu Bayern: Eine Frage der Zeit

Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann

Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann

Dass sein Nachfolger Julian Nagelsmann in puncto Ablösesumme in neue Dimensionen vorrücken könnte, dürfte nur wenige überraschen. Nagelsmann ist noch immer jung, aber schon erfahren, und er hat in Hoffenheim und Leipzig unter Beweis gestellt, dass er Mannschaften entwickeln kann.

Ablöse für Nagelsmann wäre ein Rekord

Der Trainer, für den bislang die höchste bekannte Ablöse überhaupt gezahlt worden ist, war einst Andre Villas-Boas. Die Coaching-Dienste des Portugiesen waren dem FC Chelsea mal 15 Millionen Euro wert.

Der DFB will beim Wettbieten um die Toptrainer des Landes allerdings nicht mitmachen. Im BR erklärte DFB-Vizepräsident Rainer Koch: "Der DFB wird keine Ablösesumme bezahlen." Für Top-Kandidat Hansi Flick dürfte indes ohnehin bald keine mehr nötig sein, wenn er sich denn mit dem FC Bayern auf eine Vertragsauflösung geeinigt hat.

Überschaubares Risiko für Vereine

Adi Hütter

Adi Hütter

Das Risiko für die Vereine steigt angesichts der steigenden Ablösesummen. Was, wenn ein Saisonstart mal so richtig misslingt, der Kader nicht auf den Trainer zugeschnitten ist oder ein Trainer wider Erwarten nicht zum Verein passt? Davor sind auch die Erfolgstrainer Nagelsmann, Hütter und Rose nicht gefeit. Allerdings ist das Risiko auch nicht höher als bei teuren Spielern, bei denen die Leistung ebenfalls nicht immer den Erwartungen gerecht wird.

Trainer-Talente scouten

Um kostspielige Trainerverpflichtungen zu umgehen, werden Klubs versuchen, Trainertalente in Zukunft noch früher zu entdecken. Die Bayern übrigens hatten das auch 2015 vor, als Uli Hoeneß einen damaligen Hoffenheimer Jugendtrainer nach München holen wollte. Doch mit Julian Nagelsmann hatten sie im Kraichgau noch viel vor - Mäzen Dietmar Hopp legte sein Veto ein.

Stand: 26.04.2021, 18:48

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